[Rezension] Anja Jonuleit – Der Apfelsammler

[lightgrey_box]Nach der Trennung von ihrem Freund reist Hannah nach Castelnuovo in Umbrien, um das Erbe ihrer geliebten Tante Eli anzutreten: ein kleines Steinhaus voller Rätsel. Beim Aufräumen fallen ihr alte Briefe von Eli in die Hände, und sie beginnt zu lesen … In diesen Tagen erkundet Hannah Castelnuovo, Elis zweite Heimat. Als sie zufällig auf ein Grundstück mit seltsam verbrannten Obstbäumen gelangt, wird sie unsanft von dort vertrieben. Dorfbewohner erklären ihr später, dass der schroffe Fremde harmlos und seine Leidenschaft das Züchten alter Obstsorten sei. Aus unerfindlichen Gründen hatte sich Eli einst mit dem »Apfelsammler« angefreundet, und auch Hannah sucht seine Nähe. Ist er der Schlüssel zu Elis Geheimnis?[/lightgrey_box]

2014-06-25 10.51.20Es gibt zwei Handlungsstränge: Hannah ist die Nichte und Ziehtochter von Eli und begibt sich nach deren Tod nach Italien in Elis kleines Steinhaus. Sie hat gerade ihre Affäre mit einem verheirateten Mann beendet und kommt ein wenig aufgewühlt und orientierungslos in dem kleinen Ort an. Recht schnell lernt sie einen verschrobenen wie auch faszinierenden Mann kennen: Den Apfelsammler. Der Einsiedler sammelt alte und seltene Apfelsorten und lebt sehr zurückgezogen. Aber nicht nur er möchte keinen Kontakt zu Hannah, auch einige andere Dorfbewohner stehen ihr fast feindselig gegenüber. Erst nach und nach findet sie einen Zugang in die komplexe und vorbelastete Dorfstruktur und freundet sich mit dem Apfelsammler an.
Auf der anderen Zeitebene lernt man die junge Eli kennen, die in einem brutalen wie lieblosen Elternhaus aufwächst und sich heimlich in einen italienischen Gastarbeiter verliebt. Die daraus resultierenden Verwicklungen und Probleme führen dazu, dass Eli einen sehr ungewöhnlichen Lebensweg einschlägt und schließlich ihr Heimatdorf und Deutschland verlässt.

Ihr merkt sicherlich schon: Es gibt einige auffallende Parallelen zwischen der Biographien von Hannah und Eli. Beide Frauen verlieben sich in verheiratete Männer, leben und leiden als „die andere Frau“. Außerdem stoßen sie beide auf eine in sich geschlossene Dorfgemeinschaft, die sie als Außenseiter behandelt. Dörfer sind in diesem Buch sogleich Heimat wie auch feindlicher Richter. Eli flieht aus den quälenden Zuständen ihrer Familie, ihr einengendes Dorf und doch endet sie doch wieder – in Italien – in einem kleinen Ort. Familie und Dorf stehen also in einer engen, aber auch schmerzhaften Verbindung. Das bestimmt maßgeblich die Stimmung des Buches. Während ich das dörfliche Grundmotiv total spannend und auch aufwühlend fand, bin ich eindeutig kein Fan von ehebrecherischem Gejammer. Ja, ich kann natürlich bis zu einem gewissen Grad die Pein nachvollziehen, wenn man in einen unerreichbaren, verheirateten Mann verliebt ist und irgendwie in der Sackgasse sitzt. Aber nur ein wenig. Wie man davon sein Leben und sein komplettes Denken bestimmen lassen kann, ist für mich ein ziemlich charakterschwaches Verhalten, dass sich nicht mit der sehr selbstbewussten Art von Eli und Hannah vereinbaren lässt. Mich hat das etwas gestört, aber vielleicht bin ich bei sowas etwas verkopft….
Davon abgesehen sind die Figuren gut komponiert, der Schreibstil ist fesselnd und regelrecht lyrisch. Die Kapitel waren mir fast immer ein wenig zu kurz, ich wollte mehr erfahren, die beiden Frauen auf ihrem jeweiligen Weg gern noch ein paar Seiten länger begleiten. Besonders Elis Geschichte ist traurig und beeindruckend zugleich. Dieses Buch hinterlässt einen tiefen Eindruck bei mir und ich kann es euch wärmstens Empfehlen.

2014-06-25 10.52.04Zum Buch: dtv premium bringt hochwertige Taschenbücher heraus. Dieses hier hat ein tolles Format, etwas größer als ein normales Taschenbuch, entsprechend hat es weniger Seiten und ist handlicher. Mir gefällt das total gut. In England halte ich immer solche Formate in der Hand und frage mich, warum diese nicht viel häufiger auf dem Deutschen Markt zu finden sind. Warum, hm?
Auch Innen ist es hochwertig gestaltet, das Cover ist matt mit glänzender Schrift und in sich wunderschön gestaltet. Die Stimmung des Covers gefällt mir unheimlich gut. Es passt nicht nur perfekt zur Handlung, es trifft auch von den Farben genau meinen Geschmack. Ich bin mir sicher, dass es nun einen prominenten Platz im Regal bekommt. Bücher sind nunmal die beste Deko und dieses ist ein Prachtexemplar.

Fazit: Sommerlich, leicht, bewegend, lyrisch und überraschend. Dieses Buch hat alles, was ein gutes Buch ausmacht. Mich mich eindeutig eine dicke Empfehlung für einen Pagetuning-Nachmittag (oder zwei). Großes Herzpotenzial!
kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

Eure Mareike
Rezensionsexemplar von vorablesen.de und dtv Verlag, vielen Dank!

Anja Jonuleit – Der Apfelsammler
Verlag: dtv premium
368 Seiten, 14,90 €
Leseprobe

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1 Kommentar

  • Antworten Beatrix Petrikowski 5. August 2014 um 17:24

    Herzpotential hat das Buch auf jeden Fall, deshalb werden wohl kaum Männer davon begeistert sein.

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