[Rezension]: Aldous Huxley – Schöne neue Welt

Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ erschien erstmals 1932 und ist eine dystopische Erzählung, ein Genre, dass aktuell zu meinem Favoriten wird.

CIMG2164 (2)

Der Roman spielt in einer Zeit 600 Jahre nach seiner Veröffentlichung 1932 (ungefähr 2540 nach unserer Zeitrechnung).Nach der vorherrschenden Zeitrechnung befinden wir uns im Jahr 632 nach Ford. Die uns bekannte Gesellschaft existiert nicht mehr, stattdessen gibt es einen Weltstaat der von einer Weltregierung gelenkt wird. Der Roman beginnt mit der Besichtigung eines staatlichen Brut- und Aufsichtszentrum, der Direktor des Zentrums führt eine Gruppe von Studenten herum. Er zeigt ihnen die Räumlichkeiten, in denen Menschen in Flaschen gezüchtet, „entkorkt“ (eine Art Geburt) und aufgezogen werden. In dieser Zukunftsvision ist die Gesellschaft in Kasten eingeteilt. An der Spitze stehen die Alphas, am Ende die Epsilons. Bereits während der Fötus heranreift, wird die Einteilung in diese Kasten vorgenommen und das Ungeborene entsprechend manipuliert. Danach richtet sich auch, mit welchen Aufgaben sie betraut werden. Während ihrer Kindheit werden sie entsprechend indoktriniert, um so das Verhalten ihrer Kaste zu verinnerlichen.
Lenina Crowne, eine der Hauptfiguren des Buches aus der Kaste der Betas, arbeitet im Brutzentrum. Nach ihrer Schicht wird sie von ihrer Freundin Fanny kritisiert, dass sie sich jetzt schon zu lange mit nur einem Mann treffe und damit gegen die staatlich verordnete Promiskuität verstoße. Lenina verspricht ihr, das zu ändern und verabredet sich mit dem Alpha Bernard Marx. Über den munkelt man aufgrund seines Kleinwuchses, man hätte ihn aus Versehen mit einem Fötus aus einer niedrigen Klasse verwechselt und mit Alkohol sein Wachstum manipuliert. Daher kämpft er mit einem ziemlichen Minderwertigkeitskomplex und hat Schwierigkeiten, sich mit Frauen zu verabreden.
Bis hierhin zum Inhalt, mehr will ich gar nicht verraten.

CIMG2166 (2)

Leseeindruck: Huxleys dystopische Erzählung ist vor nunmehr 82 Jahren erschienen und wirkte beim Lesen auf mich jedoch sehr vorstellbar. Die regelrechte Zucht und Normung von Menschen, die Abwendung von familiären Strukturen, das ständige Bedürfnis nach Konsum und der Zwang nach Gemeinschaft und Gleichheit zur Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Ordnung waren so vorstellbar, dass es regelrecht erschreckend war. Und mit einem derartigen Grusel-Potenzial hatte ich hier wirklich nicht gerechnet! Überall herrschen Gleichmacherei und Illusionen vor und alle sind so unglaublich glücklich mit ihrer Rolle und dem fest zugewiesenen Platz in der Gesellschaft.
Huxley schrieb den Roman unter einer Reihe von gesellschaftlichen Neuerungen, unter anderem Henry Fords Fließbandarbeit, nachdem er auch die Zeitrechnung der Welt benannt hat. Dort wird er auch als „Ford der Erlöser“ bezeichnet. Die Herrschenden werden als „Weltaufsichtsräte“ bezeichnet, auch hier wieder die Anlehnung an Konzerne . Alle Menschen eint das Bedürfnis nach Befriedigung durch Konsum (auch hier wieder Ford, denn was bringt Produktion, wenn niemand kauft), Sex und eine Droge namens Soma, die alle ständig zu sich nehmen. Sie gilt als ein Allheilmittel gegen alle Formen von Sorge und hält sie davon ab, die Weltordnung zu hinterfragen. Wer sich nicht an diese Vorgaben hält, gilt als auffällig und wird entweder neu genormt oder verstoßen. Durch die Indoktrinierung werden aber bereits von vornherein alle Impulse des selbstständigen Denkens abgetötet, die Mitglieder wiederholen ständig gelernte Phrasen, die das vorgeschriebene Handeln bestätigen. Nur einige der Intelligentesten wagen es, im Stillen das Bestehende zu hinterfragen.
Die erste Hälfte des Buches hat mich besonders begeistert, leider ließ das in der zweiten etwas nach. Ich kann es nicht so richtig beschreiben, aber plötzlich war alles so „abgehoben“ und mir wurde bewusst, dass es doch noch sehr weit von meiner Realität entfernt ist. Und leider kam das Ende dann sehr schnell und sehr holprig, da hatte ich mehr Feingefühl oder Raffinesse erhofft. Dennoch ist es sehr passend und bringt alles Vorherige noch einmal sehr gut auf den Punkt.

Cover & Übersetzung: In der ersten Übersetzung ist der Text übrigens auf den deutschen Raum gemünzt worden. Die Handlung wurde nach Norddeutschland verlegt und die Namen der Protagonisten wurden angepasst. In den 1970er Jahren wurde der Roman dann neu übersetzt und dabei auch Orte und Namen übernommen. Ich habe eine dieser Ur-Übersetzungen gelesen und war tatsächlich etwas verwirrt. Ich hatte einfach andere Orte und Namen erwartet (daher habe ich hier auch die originalen Namen verwendet). Dennoch habe ich mich bewusst für diese Ausgabe entschieden, da mir das Cover einfach besser gefällt! Dieser Blick eine Treppe hinauf auf einen blauen Himmel passt einfach so hervorragend zum Titel des Buches…

Fazit: Huxleys „Schöne neue Welt“ ist eine klassische Dystopie und da der Roman bereits 1932 erschienen ist, würde ich mich denen anschließen, die ihn als einen Prototypen des Genres bezeichnen. Ich habe einige Elemente entdecken können, die man auch in anderen Romanen des Genres findet, Huxley ist zweifellos für viele Autoren eine Inspirationsquelle. Gerade dadurch, dass auf mich alles so real und denkbar wirkte, macht die eigentliche Düsterheit einer guten Dystopie aus. Wenn ihr euch allerdings entschließt, das Buch zu lesen, rate ich euch, nach einer der neuen Übersetzungen Ausschau zu halten.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Maike

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

1 Kommentar

  • Antworten Hugh Howey - Silo | Herzpotenzial 13. März 2015 um 18:13

    […] Dystopien erwarte, die Angst, dass sich die Welt wirklich dahin entwickeln könnte (wie z.B. bei Aldous Huxleys “Schöne neue Welt). Diese ganz andere Form des Zusammenlebens wurde mir zum Ende leider zu […]

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: