[Rezension] Daphne Du Maurier – Rebecca

„Rebecca“ ist ein 1938 erschienener Roman, der von der englischen Schriftstellerin Daphne Du Maurier verfasst wurde. Das Buch zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Werken der Autorin und wurde bereits kurz nach Veröffentlichung von Alfred Hitchcock verfilmt.

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Das Buch beginnt damit, dass die Ich-Erzählerin mit ihrem Mann Maxim nach Manderley zurückkehrt, nachdem es bei einem schrecklichen Unglück zerstört wurde. Sie beschreibt die ehemalige Schönheit dieses prachtvollen Anwesens und erzählt dann von ihrer Ehe mit Maxim De Winter.
Die Ich-Erzählerin arbeitet zunächst als Gesellschafterin für eine sehr exzentrische und aufdringliche amerikanische Dame. In einem Hotel in Monte Carlo begegnet sie dem älteren, sehr attraktiven und reichen Maxim De Winter. Sie selbst ist ein junges, unsicheres, unscheinbares und mittelloses Mädchen, dass sich sofort zu diesem Bild von einem Mann hingezogen fühlt. Sie erfährt, dass er verwitwet ist und aufgrund der tiefen Trauer um seine wunderschöne verstorbene Frau rastlos durch Europa reise. Sie stößt erstmals auf Gerüchte um den rätselhaften Tot der Schönen. Nach anfänglich distanziertem Verhalten von Maxim, nähern sich die beiden ungleichen Figuren an und heiraten recht überstürzt.
Nach kurzen, aber sehr glücklichen Flitterwochen bringt der frisch Vermählte seine Braut nach Manderley. Das Haus wird von der strengen und abweisenden Haushälterin Mrs. Danvers geführt, die ihre anhaltende Bewunderung für ihre ehemalige Herrin bei jeder Gelegenheit deutlich macht. So hat die neue Mrs. De Winter starke Probleme sich in ihrem neuen Zuhause einzuleben. Die Präsenz der ehemaligen Mrs. De Winter scheint sie zu verfolgen. Alle scheinen sie mit der wunderschönen, lebensfrohen, perfekten Rebecca zu vergleichen, deren Totesumstände sich immer rätselhafter darstellen.

Wie „Sturmhöhe“ gehört „Rebecca“ zu den Gothic Novels, enthält aber auch Elemente einer leichten Romanze und des Krimis. Du Maurier verwendet das klassisches Setting in einem alten düsteren, aber wunderschönen Herrenhaus, das Anfangs- und Endpunkt der Geschichte markiert.Das Unheil droht von Anfang an über der Geschichte:
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Es gibt einige sehr markante Verbindungen zu einem anderen Buch auf unserer Liste, das wir noch vorstellen werden: „Jane Eyre“. Die beiden Ich-Erzählerinnen ähneln sich in ihrem unscheinbaren Auftreten, stehen mit einer extrovertierten Schönheit um ihrem Liebsten in Konkurrenz und stammen aus einer niederen Schicht als dieser. In beiden Romanen gibt es eine Frau, die dem Wahnsinn verfällt und ein brennendes Anwesen, das einen wichtigen Wendepunkt markiert.
Interessant finde ich, dass der Name der Protagonistin und Ich-Erzählerin nie genannt wird. Das ist ein völlig anderer Fokus als bei „Jane Eyre“, wo deren Name in der Handlung sehr präsent ist und auf den starken Charakter Janes hindeutet – trotz des unscheinbaren Äußeren. Bei „Rebecca“ erfahren wir nicht den Namen unserer Erzählerin, der Name ihrer Vorgängerin hingegen ist durchgängig präsent. Für mich hat das die Spannung und das Unbehagen der Situation als „die Neue“ nach Manderley zu kommen enorm verstärkt. Die Erzählerin scheint streckenweise hinter dem übermächtigen Schatten, den Rebecca hinterlassen hat, zu verschwinden.

Mein Fazit: Toll! Sowohl Buch als auch Film sind für mich zeitlos und genial. Dadurch, dass es in einer Rückblende erzählt wird, wird man direkt in die Handlung hineingezogen. Die düstere Stimmung wird nicht nur durch die sehr einprägsame Erzählweise, sondern auch durch die Vorausdeutung auf das Unglück direkt zu Anfang stark verdichtet. Bisher habe ich nur wenige Bücher so rauschhaft und intensiv gelesen. Das Motiv der Eifersucht auf den direkten Vorgänger und die daraus resultierende Unsicherheit sind für mich zeitlos und sehr menschlich. Die Geschichte könnte auch auf einem Raumschiff stattfinden (sie wäre dann nicht mehr so herrlich brit-romantisch, aber naja) oder in einem Iglu, die Wucht der ausgelösten Emotionen würde bleiben. Die feinsinnige Analyse der unterschiedlichen Charaktere ist einfach so treffend, so gut, dass sich noch viele Generationen von Lesern damit identifizieren werden können. Legt euch das Buch für die ersten richtig stürmischen Herbsttage hin. Kuschelt euch in eine weiche Decke, macht flackernde Kerzen an und genießt dieses großartige Werk. Unbedingt!!

Eure Mareike, die jetzt unbedingt den Film nochmal gucken muss.

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1 Kommentar

  • Antworten susa 29. März 2016 um 19:52

    ich LIEBE „Rebecca“, sie gehörte zu den Büchern, die ich in jungen Jahren aufgrund großen Lesehungers und leerem Portemonnaie dem Bücherregal meiner Mutter entlieh….und siehe da, manchmal fand sich eine Perle !! Manderley, unvergessen.
    lg,
    Susa

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