Rasha Khayat – Weil wir längst woanders sind

Wie fühlt es sich an, als Kind zweier Welten aufzuwachsen? Genau diesem Thema widmet sich Rasha Khayat in ihrem Roman „Weil wir längst woanders sind“ und widmet sich der Zerrissenheit, den Hoffnungen und den Sehnsüchten von Menschen, die mehr als eine Heimat haben und sich doch verloren fühlen.
Die beiden Geschwister Basil und Layla waren in ihrer Kindheit unzertrennlich. Geboren und aufgewachsen in Saudi-Arabien, dem Land ihres Vaters Tarek, zieht die Familie eines Tages einfach so nach Deutschland, das Land ihrer Mutter Barbara. Von einem Tag auf den anderen müssen sie sich in einem völlig fremden Land zurecht finden. Nichts erinnert sie an Zuhause, weder die Sprache, noch das Wetter oder die Menschen. Doch sie sind noch Kinder und es gelingt ihnen scheinbar, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.  Zu einer Rückkehr kommt es für lange Zeit nicht, der Vater stirbt an einem Herzinfarkt, die Mutter zieht die Kinder alleine groß. Nicht einmal in den Ferien kehren sie zurück.
Khayat_längst_woanders_sind_Dumont_Cover_HerzpotenzialJahre später sitzt Basil im Flugzeug nach Saudi-Arabien. Seine Schwester Layla ist vor einem Jahr überstürzt aus ihrem westlichen Leben ausgebrochen und erst nach Ägypten und dann nach Saudi-Arabien gegangen. Dort hat sie sich verlobt, Basil fliegt zu ihrer Hochzeit. Zum ersten Mal nach langer Zeit trifft er wieder auf seine Familie, auf die Dinge, die er noch aus Kindertagen kennt. Doch im Gepäck hat er auch jede Menge Zweifel und Fragen: Warum heiratet Layla einen Mann aus dieser Kultur? War sie nicht glücklich in Deutschland? Ist dies eine gute Entscheidung? Und was ist eigentlich mit seinem Leben, schließlich ist auch er ein Kind zweier Kulturen?

Rasha Khayat zeichnet in „Weil wir längst woanders sind“ ein faszinierendes Bild von Saudi-Arabien. Sie zeigt, wo Tradition und Moderne aufeinander treffen, mal harmonisch, mal mit einem Knall. Man liest regelrecht einen Umbruch, der sich langsam aber stetig zu vollziehen scheint. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen, vor allen Dingen die junge Generation. Diese beginnt, gewisse Ideen der Eltern und Großeltern zu hinterfragen und findet ihre eigenen kreativen Wege, mit der Tradition umzugehen und zu leben. Immer wieder sieht der Leser diese Veränderungen durch die Augen Basils. Und die Autorin widmet sich auch der Frage, was eigentlich die Heimat und das Zuhause eines Menschen ausmachen. Denn Layla und Basil haben hier mittlerweile mehr oder weniger unterschiedliche Ansichten. Während er die Freiheiten in Deutschland genießt, sehnt sie sich nach dem Zusammenhalt der Familie. Die Heirat ist für Layla ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu ihrem persönlichen Glück. Doch Basils Weg ist ein anderer, das stellt er nicht erst nach Gesprächen mit seinen Cousins fest. Denn auch Modernität kennt Grenzen, die einzuhalten sind.

Doch so sehr mich das Buch auch mitgerissen hat (immerhin habe ich es in einem Zug durchgelesen), am Ende hatte ich einfach das Gefühl, das etwas fehlt. Die Autorin gibt mir zu wenig Antworten, zu wenig Konkretes, an dem ich mich festhalten kann. Das ist natürlich nicht schlimm, denn auf die großen Fragen gibt es keine allgemeingültigen Antworten. Doch Basil scheint auch seiner eigenen Antwort nicht näher gekommen zu sein. Er nimmt Eindrücke auf und versteht vielleicht seine Schwester etwas besser – mehr nicht. Bei mir entstand dadurch der Eindruck, das etwas fehlt. Sehr schade, denn ansonsten hat mich das Buch mit seiner wunderschönen Sprache, die dieses Land und seine Leute so leicht illustriert, völlig hingerissen.

Fazit


Saudi-Arabien fernab von Klischees: Rasha Khayat nimmt den Leser mit auf eine faszinierende Reise in ein Land, das vielen von uns fremd ist. Selbst auf den wenigen Seiten vermittelt sie ein Gefühl dafür, was es heißt hin- und hergerissen zu sein zwischen verschiedenen Ländern und sich der eigenen Identität nicht sicher zu sein.

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Eure Maike


Rasha Khayat – Weil wir längst woanders sind
Verlag: Dumont
192 Seiten, Gebunden, 19,99 €

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1 Kommentar

  • Antworten Tintenhain 11. April 2016 um 13:02

    Ich hatte das Buch letztens in der Hand, weil ich mich für kulturelle Konflikte, insbesondere Deutsch-Arabisch interessiere. Aber ich war unschlüssig und bin es irgendwie auch jetzt noch. :-)

    Liebe Grüße
    Mona

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