Peter Badge, Sandra Zarrinbal – Geniale Begegnungen

Eigentlich ist Peter Badge Fotograf. Einer seiner Aufträge lautet, die (noch lebenden) Nobelpreisträger*innen zu porträtieren. Doch in „Geniale Begegnungen“ geht es nicht um die dabei entstandenen Fotos. Es geht vielmehr um die Geschichten dahinter, die Dinge, die er erlebt, während er die unterschiedlichsten Menschen zu porträtieren versucht.Und dabei war Badge zu Beginn des Auftrags überhaupt nicht begeistert. Was ist schon so toll daran einen Haufen staubiger Wissentschaftler*innen und Künstler*innen zu besuchen? Und dennoch hat er sich dazu durchgerungen, mit der Arbeit zu beginnen – vor mittlerweile 15 Jahren. Die Tatsache, dass er immer noch dabei ist, zeigt vor allen Dinges eins: Das ihm dieser Auftrag eine ganze Menge Spaß bereitet.
Geniale BegegnungenSeine Reise führt ihn quer über den Globus, denn natürlich besucht er die geehrten Männer und Frauen immer am Ort ihres Schaffens – ob nun Universität, Ferienhaus oder Atelier, Badge fährt überall hin. Auf seinen Reisen erlebt er allerhand Kurioses und auch über die Begegnungen hat er so manche Anekdote zu erzählen. Mir ist zum Beispiel im Gedächtnis geblieben, wie einer seiner Freunde die Ehrung von Peter Higgs vorausgesagt hat und Badge dadurch schon frühzeitig anfangen konnte, seine Fühler nach einem Termin mit dem Physiker auszustrecken.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass trotz des Sachbuch-Charakters immer der Mensch im Vordergrund steht. Es geht zwar auch immer wieder um die Leistungen der besuchten Preisträger*innen, aber man merkt Badge an, dass er viel lieber davon berichtet, wie diese sich ihm gegenüber geben. Dadurch werden die Menschen hinter den Leistungen sichtbar gemacht, die (um ehrlich zu sein) ganz anders sind, als ich es erwartet hatte. Keiner prahlt mit seinen Leistungen, sondern sie sind erstaunlich bodenständig und versuchen sich klein zu reden. Unglaublich sympathisch, das wird schon nach den ersten Interviews klar.

Die einzelnen Begegnungen werden nicht voneinander getrennt dargestellt, sondern fließen eher ineinander über. Dennoch habe ich sie nicht nacheinander gelesen, sondern mir im Personenverzeichnis meine Favoriten heraus gepickt. Für mich war das der einfachste Weg, denn am Stück hätte ich diesen Wälzer auf keinen Fall lesen können und so konnte ich mir einen schönen Überblick verschaffen. Querbeet bin ich durch die verschiedenen Nobelpreise spaziert und habe dabei festgestellt, wie schreiend komisch diese Menschen sein können. Doch auch schwierige Themen kommen zur Sprache, wie zum Beispiel die Dilemmata, denen sich die Mitglieder des Manahattan-Projects ausgesetzt sahen. Sir Joseph Rotblat, der dieses Projekt vor der Zündung der Atombombe verließ, bekam quasi genau dafür Jahre später einen Nobelpreis. Nicht für Physik, sondern aufgrund seines Engagements gegen Massenvernichtungswaffen den Friedensnobelpreis. Wenn ihr einen Startpunkt für dieses Buch braucht, dann nehmt dieses Interview!

Niedergeschrieben (und evtl. in eine lesbare Form gebracht) wurden Peter Badges Begegnungen von Sandra Zarrinbal. Sie schafft es, komplizierte wissenschaftliche Erkenntnisse aufs Einfachste mit Begegnungen zu verknüpfen und dem Leser dabei auch noch Wissen zu vermitteln. Selbst Physik-Muffel werden dank ihr die Herleitung komplizierter physikalischer Prozesse überstehen und bei der Sache bleiben – oder vielleicht sogar, sich ein wenig weiterbilden. Ich zum Beispiel habe dank des bereits erwähnten Interviews mit Peter Higgs das dringende Bedürfnis, mehr über das Higgs-Teilchen zu lernen (gibt’s dazu was von Big Bang Theory?) und das, obwohl ich nicht einmal die im Buch gemachten Erläuterungen nachvollziehen konnte. Aber der Mann war mir einfach so sympathisch…hier sieht man, WIE gut die Arbeit ist, die Badge und Zarrinbal geleistet haben.

Einziges Manko sind für mich ausgerechnet die Fotos. Gerade Badges Hauptarbeit wird im Buch nur stiefmütterlich behandelt. Die Fotos sind winzig, teilweise kleiner als Passfotos und für meinen Geschmack viel zu lieblos über die Seiten verteilt. Das ist schade, hier hatte ich wesentlich mehr erwartet.

Fazit


Ein wundervolles Lesebuch, das von den unterschiedlichsten Menschen und den unterschiedlichsten Begegnungen berichtet. Vielleicht kein Buch, dass man einfach mal eben so durchliest, sondern viel eher eins, dass den Leser dazu einlädt, es immer wieder in die Hand zu nehmen und sich auf Unbekanntes einzulassen.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leerkleines Herz leer

Eure Maike


Peter Badge, Sandra Zarrinbal – Geniale Begegnungen
Verlag: daab
576 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 29,95 €

 

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3 Kommentare

  • Antworten Mareike 24. August 2015 um 21:24

    Das ist eine sehr interessante Rezension, vielen Dank dafür! Schade, dass ausgerechnet die Bilder so enttäuschen, aber andererseits klingt sonst alles, was du von dem Buch erzählst, so spannend, dass ich es mir mal notiere…

  • Antworten Buchiger Monatsrückblick August - Herzpotenzial 2. September 2015 um 18:29

    […] Ernüchterung ein. Im Juli bereits begonnen und im August weiter geschmökert habe ich in „Geniale Begegnungen“ von Peter Badge und Sandra Zarrinbal. Und auch wenn die Rezension bereits erschienen ist, […]

  • Antworten Peter Badge & Sandra Zarrinbal: Geniale Begegnungen | Bücherwurmloch 28. September 2015 um 11:26

    […] 29,95 Euro). Die Bücherliebhaberin hat das Buch auf We read Indie besprochen, auch Maike von Herzpotenzial zeigt sich […]

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