Dorothy Parker – New Yorker Geschichten

Warum ist Dorothy Parker hierzulande eigentlich nicht bekannter?  Die amerikanische Autorin hat immerhin ein beachtlich umfangreiches Werk hinterlassen: Gedichte, Kurzgeschichten und noch mehr. Wir beide mögen vor allem ihre „New Yorker Geschichten“ sehr, da ist es höchste Zeit, diese hier einmal vorzustellen.

Im Mittelpunkt der „New Yorker Geschichten“ stehen immer Frauen, die in dieser schon in den 1920er Jahren fantastischen Großstadt leben und lieben. Zwar sind Männer ebenfalls präsent, doch Parker gesteht ihnen meistens nur eine Nebenrolle zu. Denn das zentrale Thema ist nicht die Liebe, sondern die Einsamkeit mit all ihren Folgen. Immer wieder fallen Parkers Figuren in dunkle schwarze Löcher, weil das Leben sich anders entwickelt als sie es sich erhofft hatten. Mal sind es die fehlenden Kinder, mal die einschlafenden Gefühle für den Partner, mal einfach nur Langeweile. Die Folge ist immer, dass die Frauen Ablenkung suchen. Partys, Alkohol, Affären oder lange Gespräche mit Freundinnen – die Lösungen sind genauso vielfältig wie die Charaktere. Dabei kommen mal komische und mal tragische Geschichten heraus, die ein Bild des (weiblichen) Lebens in der Großstadt zeichnen.

Allen Geschichten gleich ist der Ton der Autorin. Humorvoll und dennoch bissig bringt sie die einzelnen Geschichten aufs Papier. Dabei gelingt es ihr jedoch immer, ihre Figuren nicht bloßzustellen. Parkers einzigartiger Stil hält einfach nur einen Spiegel vor und zeigt immer das, was die Autorin als den inneren Charakter ihrer Figuren ausmacht. Und so sieht der Leser exzentrische, verhärmte, verschüchterte, aufgedrehte und verkrampfte Frauen, die ihr Leben zu leben versuchen. Immer wieder geraten sie ins Straucheln oder scheitern an ihren eigenen Idealen, doch Parker zeigt, dass das Leben immer weiter geht. Begeistert hat mich dabei, wie frech, scharfzüngig und manchmal regelrecht zynisch die Autorin schreibt. Doch da sie überwiegend von den Schwächen des weiblichen Geschlechts spricht, macht das absolut Sinn – es gibt keinen Grund, die Figuren als Opfer von irgendetwas oder irgendjemand darzustellen. Damit würde sie ihnen niemals gerecht werden. Ich fand, dass sie immer den richtigen Ton traf und die Geschichten der Frauen authentisch wiedergab – auch so, dass sie fast 100 Jahre später noch nachvollziehbar sind. Parker hat etwas Zeitloses geschaffen und legt gleichzeitig ein Zeugnis ihrer Zeit und ihrer Generation ab.

Fazit


Man kann dieses Buch gar nicht genug empfehlen – all die vielen Geschichten, die nicht nur unterhalten, sondern auch nachdenklich stimmen. Diese Mischung macht das Buch zu einem echten Lesegenuss! Übrigens: Dieses Jahr ist der 50. Todestag von Dorothy Parker – ich hoffe auf hübsche Neuauflagen ihrer anderen Werke. Aber diese Ausgabe bekommt schon mal einen Ehrenplatz in meinem Regal.

Eure Maike


Dorothy Parker – New Yorker Geschichten
Verlag: Kein & Aber
432 Seiten, Taschenbuch, 13,00 €

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4 Kommentare

  • Antworten Reiner Wadel 9. Februar 2017 um 21:44

    Hm, Dorothy Parker gab es doch schon vor 30 Jahren bei Haffmans, (Eine starke Blondine) u.a. übersetzt von Pieke Biermann . Welche Geschichten sind das diesmal?

  • Antworten Silvia 10. Februar 2017 um 22:33

    Hallo Maike,
    Dieses Buch wollte ich schon lange mal lesen.
    Vielen Dank, dass du es mir in Erinnerung gerufen hast!
    Alles Gute
    Silvia

  • Antworten captainbooksweb 11. Februar 2017 um 00:16

    Ich finde diesen Blogbeitrag sehr gut geschrieben und ihr habt mich auf dieses Buch neugierig gemacht. Vielen Dank! https://captainbooksweb.wordpress.com/

  • Antworten Klappentexterin 11. Februar 2017 um 11:28

    Liebe Maike,

    ich finde es so schön, dass Du Dorothy Parker hier vorgestellt hast! Ich habe bislang von der Autorin nichts gelesen, und finde wie du, es ist recht ruhig bei uns um diese bemerkenswerte Autorin. Daher plane ich im Geheimen zu ihrem Jubiläum etwas kleines Feines. In diesem Zusammenhang werde ich – endlich, endlich ! – auch in ihre New Yorker Geschichten eintauchen.

    Lieben Dank für deine überzeugende Kostprobe! Ich verspüre jetzt eine unbändige Lust, in den Erzählband einzutauchen.

    Sei herzlich gegrüßt

    Klappentexterin

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