Nick Hornby – Weniger reden und öfter mal in die Badewanne

Nick Hornby ist nicht nur Schriftsteller, sondern er ist auch begeisterter Leser. Und über diese Leidenschaft berichtet er in unregelmäßigen Abständen in einer Kolumne, die in der amerikanischen Zeitung „The Believer“ erscheint. Schon in unserer Vorfreude-Woche hatte ich dieses Buch auf dem Schirm und jetzt ist es endlich erschienen. Ich kannte schon andere Kolumnen von Hornby und hab mich auf die kurzweilige Unterhaltung gefreut.

[lightgrey_box]Nick Hornby schreibt übers Lesen – was kann seinen Lesern Besseres passieren? Bücher, die er gekauft hat, Bücher, die er gelesen hat, Bücher, die er in der Bahn liegen gelassen hat oder die unters Bett gerutscht sind – mit seinem unnachahmlichen Blick für die komischen Seiten des Lesens beweist Nick Hornby, dass man auch als Vater kleiner Kinder die Zeit finden kann, sich in ein Buch zu vertiefen. Man muss nur das Getöse aus dem Zimmer nebenan ignorieren können. Von Patti Smith über Muriel Spark, Dennis Lehane (halb), Michael Ondaatje, John Updike bis hin zu Charles Dickens u.v.a.m. reicht die Liste der gelesenen Bücher, von der Liste der bisher noch nicht gelesenen Bücher ganz zu schweigen. Hornby empfiehlt und macht dabei unbändige Lust aufs Lesen. Und beweist ganz nebenbei, dass ernst zu nehmende Literaturkritik auch unterhaltsam und lustig sein kann.[/lightgrey_box]

Weniger reden und öfter mal in die BadewanneDas Besondere an dieser Kolumne ist die Schonungslosigkeit, mit der er über seine Gewohnheiten im Hinblick auf Bücher spricht. Zu Beginn jedes Kapitels listet er erst einmal auf, welche Bücher er gekauft und welche er gelesen hat. Wenig überraschend: Auch Hornby ergeht es dabei wenig besser als uns anderen Bücherwürmern. Er kauft einfach wesentlich mehr Bücher als er liest. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es auch in seinem Haushalt Stapel und Regale voller ungelesener Schätze gibt. In den aktuellen Kolumnen deutet er sogar an, dass er da ein wenig den Überblick verloren hat. Da wird der Gang zum Bücherregal zur Schatzsuche, man weiß nie, was sich da so alles verbirgt.
Im Anschluss an diese Liste berichtet Hornby von dem was er gelesen hat, und was in der Zeit seit der letzten Kolumne (in der Regel ein bis zwei Monate) so passiert ist. Er betrachtet das Gelesene und zieht Parallelen zu anderen Büchern, kramt Anekdoten und Funfacts aus und verpackt es so intelligent und komisch, dass man am liebsten direkt die Bücher nachkaufen möchte. Dabei ist es eigentlich egal, ob die Bücher in das eigene Beuteschema passen oder nicht. Die Art, in der Hornby über die Bücher spricht, ist derartig überzeugend – man kann gar nicht anders, als sie zumindest zu googlen. Meine Wunschliste war am Ende des Buches jedenfalls um einige Titel reicher.

Beim Lesen lernt man auch einiges über Hornbys Leseverhalten. Da ist zum Beispiel der durchgehend präsente Charles Dickens. Zu ihm hat der Autor eine ähnlich verhängnisvolle Beziehung wie ich zu Hemingway. Er verehrt ihn, ganz ohne Zweifel, aber er muss auch immer wieder zugeben, dass der von ihm verehrte Autor auch so einige schwierige Werke vorgelegt hat. Diese Tatsache ignoriert er jedoch gekonnt, was ihn leider hier und da in komplizierte Situationen bringt. Nun ja, wenigstens konnte er das Ganze für seine Kolumnen aufschreiben und für uns Leser ist seine Misere vor allem eins – zum Schreien komisch. Außerdem fällt auf, dass er wenig aktuelle Bücher oder gar Bestseller liest. Wie auch beim Buchkauf leitet ihn sein Interesse zu seiner aktuellen Lektüre. So entdeckt er zum Beispiel  beim Stöbern das Buch einer ihm unbekannten Autorin und ist von der Lektüre derartig begeistert, dass er GANZ DRINGEND noch viel mehr von ihr lesen muss. Kennen wir alle irgendwie, oder?

Fazit


Alles in Allem ist das Buch vor allen Dingen wahnsinnig spaßige Literaturkritik, jenseits des klassischen Feuilletons. Doch wie so viele Bücher, in denen gebündelt Kolumnen erscheinen, einen wirklichen Mehrwert gibt es nicht. Es ist halt mehr etwas für zwischendurch. Wer schon immer mal wissen wollte, wie Autoren über die Bücher von anderen sprechen, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Es ist halt einfach mal ein ganz anderer „Hornby“.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Maike


Nick Hornby – Weniger reden und öfter mal in die Badewanne
Verlag: Kiwi
eBook, 8,99 €

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3 Kommentare

  • Antworten Melissa 27. Juni 2015 um 12:02

    Das klingt gut!! Ich mag solche Bücher und Hornby sowieso. Das setze ich mir mal auf die Wunschliste.

  • Antworten nettebuecherkiste 27. Juni 2015 um 12:06

    Das kommt auch auf meine Liste! :-)

  • Antworten Buchiger Monatsrückblick Juni | Herzpotenzial 7. Juli 2015 um 20:56

    […] mich seit unserer Vorfreude-Woche im letzten Dezember gefreut habe. Schon allein der Titel „Weniger reden und öfter mal in die Badewanne“ ist großartig. Ich fand es spannend, mal etwas über das Leseverhalten eines Autors zu […]

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