Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße

[lightgrey_box]Es war nur ein Ententeich, ein Stück weit unterhalb des Bauernhofs. Und er war nicht besonders groß. Lettie Hempstock behauptete, es sei ein Ozean, aber ich wusste, das war Quatsch. Sie behauptete, man könne durch ihn in eine andere Welt gelangen. Und was dann geschah, hätte sich eigentlich niemals ereignen dürfen …
Weise, wundersam und hochpoetisch erzählt Gaiman in seinem neuen Roman von der übergroßen Macht von Freundschaft und Vertrauen in einer Welt, in der nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.[lightgrey_box]

Als der Ich-Erzähler von Gaimans Buch für eine Beerdigung an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt, muss er feststellen, dass er fast keine Erinnerungen an ihn hat. Und so fährt er mit seinem Auto durch die Straßen, in der Hoffnung etwas Vertrautes zu entdecken. Und er Der Ozean am Ende der Straßefindet was er sucht: Am Ende der Straße steht die alte Hempstock-Farm und in dem Moment, in dem er das Land betritt, fallen ihm die Dinge wieder ein, die vor vielen Jahren hier passierten.
Als Junge hat er sich mit der etwas älteren Lettie Hempstock angefreundet, die mit ihrer Mutter und Großmutter auf der Farm leben. Durch den mysteriösen Todesfall des Untermieters seiner Familie werden seltsame Ereignisse in Gang gesetzt, denen sich der Junge nicht entziehen kann. Doch die Hempstocks wissen Rat, der aber nicht so ganz natürlich ist.

Könnt ihr euch an eure Kindheit erinnern? Ich glaube, wenn man erwachsen ist, dann romantisiert man diese Zeit immer etwas. Man sieht sie als Zeit, in der man noch frei von Sorgen war und sich um nichts kümmern musste. Aber mal ehrlich, ganz so stimmt das auch nicht. Auch Kinder haben Sorgen, aber diese unterscheiden sich fundamental von denen der Erwachsenen. Was ist zum Beispiel mit den Monstern, die unterm Bett oder im Kleiderschrank lauern können oder mit den seltsamen Orten im Garten, an denen das Gras irgendwie anders aussieht? Kinder betrachten die Welt anders, genau das nimmt Gaiman als Ausgangspunkt in seinem Buch. Die Kindheit ist eine Zeit, die magisch ist, aber auch voller Alpträume. Die Geschichte, die der Ich-Erzähler erlebt, lässt sich bestenfalls als düster und traurig beschreiben. Doch trotz all der Schrecklichkeiten gibt es immer das Element der Hoffnung – hier in Gestalt von Lettie Hempstock. Gemeinsam bewältigen die beiden all die Gefahren, die den Erwachsenen verborgen bleiben. Ihre Freundschaft und ihr Mut helfen ihm, sich den schlimmsten Dingen zu stellen, die ihm je passieren werden.
Das Faszinierenste an diesem Buch ist, wie langsam und unauffällig sich das Fantastische und Magische in der Geschichte ausbreitet. Zu Beginn ahnt man absolut nichts davon und ehe man sich versieht, ist es plötzlich da! Das ist genau das Tolle an Neil Gaiman, das mich auch bei anderen Büchern von ihm immer begeistert: Diese Selbstverständlichkeit, mit der er die Leser in seine Welt führt, so dass diesem das Übernatürliche erst auffällt, wenn sie schon mitten in der Geschichte sind. Und auch hier löst die erschaffene Welt  – bei aller Schauerlichkeit –  bei mir vor allen Dingen Bewunderung aus. Dennoch muss ich auch sagen, dass er mir manchmal etwas zu schnell war und ich hier und da den Faden verloren habe. Da passten dann plötzlich für mich die Teile der Erzählung nicht zusammen, ohne das ich wusste, wo ich jetzt etwas verpasst habe.

Fazit


Ein Buch, das man als einen fantastischen Schauerroman bezeichnen kann. Gaiman beschwört die alptraumartigen Gestalten herauf, die die Kindheit begleiten und setzt ihnen eine starke Freundschaft zweier mutiger Charaktere als wirksames Mittel entgegen. Mich hat das Buch so sehr mitgerissen, dass ich es quasi in einem Rutsch gelesen habe.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Maike


Neil Gaiman – Der Ozean am Ende der Straße
Verlag: Eichborn
238 Seiten, Hardcover, 18,00 €

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1 Kommentar

  • Antworten lottasbuecher 13. Juni 2015 um 09:52

    Hallöchen Maike,
    ich freue mich wirklich sehr, dass dir das Buch gefallen hat! :D Ich habe es ja angefangen und quasi gleich wieder weggelegt. Ich konnte damit irgendwie gar nichts anfangen. Das war mir alles zu fantastisch und zu abgehoben. Aber so unterschiedlich sind eben die Geschmäcker und das ist auch gut so! :D

    Liebst, Lotta

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