Muriel Barbery – Das Leben der Elfen

Ein Buch der Bestsellerautorin Muriel Barbery übte auf mich einen gewissen Reiz aus. „Die Eleganz des Igels“ wollte ich früher einmal lesen. Doch irgendwie ist das Buch nie bei mir im Regal gelandet. So dachte ich, dass ich mit diesem schmalen Buch einen guten Einstieg finden würde. Ein Buch über zwei kleine Mädchen, beide außergewöhnliche Waisen. Eines in Italien, das andere in Frankreich, doch  miteinander verbunden.

Es war wohl mein Fehler, dass ich den Klappentext als metaphorisch gesehen habe:
„Zwei junge Mädchen, die in verschiedenen Ländern aufwachsen: Maria, ein Findelkind, lebt in einem Dorf im Burgund, ist der Natur und den Tieren besonders verbunden, versteht deren Sprache. Clara, die als Waise im Haushalt eines Pfarrers in den Abruzzen aufgenommen wurde, spielt, einem Wunder gleich, bezaubernd Klavier. Sie wissen nichts voneinander – bis Elfen es bewirken, dass sie einander kennenlernen. Dank ihrer besonderen Talente könnte es gelingen, die Verbindung der Menschen mit den Elfen und die einstige Harmonie zwischen Himmel und Erde wiederherzustellen. Denn es droht Krieg und eine böse Macht rüstet sich.“

Ja, ich habe etwas weitaus bodenständigeres erwartet, als ich dann tatsächlich erhalten habe. Im Nachhinein betrachtet ist das Buch wohl genau das, was der Klappentext verspricht: Eine nette kleine Fantasygeschichte. Mehr aber auch nicht.
Dieses Buch erzählt etwas umständlich und mit viel Pathos von den beiden Mädchen Maria und Clara, die sowohl mit der Elfenwelt, als auch mit der Menschenwelt verbunden sind. Es scheint sich ein Krieg zwischen den naturbetonten Elfen und der Menschen anzubahnen. Warum, das wird nicht aufgeklärt. Auch  scheint es mehr als fragwürdig, dass die Menschen, die ja von der Existenz der Elfen gar nichts wissen, wirklich etwas von einem Krieg ahnen.
Gut, ich gebe es zu: Ich bin eher unempfänglich für spirituelle Bücher, die mir die Schönheit des weltlichen und himmlischen Einklangs näher bringen möchten. Ich habe eine Handlung erwartet und bin leider enttäuscht worden. Das Buch erzählt mit zarten, ja wirklich wunderschönen Bildern von der Schönheit der Natur, der Bedeutung von Achtsamkeit und innere Verbundenheit zur Umgebung. Muriel Barbery erschafft mit wenigen Sätzen beeindruckend stimmungsvolle Landschaften und nimmt einem mit auf eine Reise in die Naturphilosophie.
Doch was die Handlung angeht, bleibt dieses Buch eher vage. Es wird erzählt, wie die beiden Waisen in ihren jeweiligen Pflegefamilien aufgenommen wurden, wie sie ihre Fähigkeiten entdecken und diese schließlich einsetzen. Dazwischen gibt es Kapitel, die in wenigen Sätzen von den Ratssitzungen aus dem Elfenpalast berichten. Dabei wird aber mehr verschleiert, als wirklich offenbart. Sodass ich nach dem dritten oder vierten Kapitel in der Welt der Elfen immer noch nicht wusste, wer diese eigentlich sind, wo die Elfenwelt liegen soll oder warum es überhaupt einen Krieg geben soll.
Wenn einem die Grundintention eines Buches nicht schlüssig vermittelt werden kann, dann mögen die Sätze drumherum noch so hübsch sein, aber dann kann es mich einfach nicht überzeugen. Bis zum Schluss hatte ich gewaltige Fragezeichen, die um meinen Kopf herumschwebten. Ein eher frustrierendes, denn entspannendes Leseerlebnis.

Fazit


Für Freunde von philosophischen Geschichten, die durch ihre Stimmung und nicht ihre Handlung getragen werden, ist dieses Buch sicherlich ein Kleinod. Für mich leider ein 290-seitiger Quell der Frustration.

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Eure Mareike

Muriel Barbery: Das Leben der Elfen


Muriel Barbery – Das Leben der Elfen
Verlag: dtv
Gebunden, 304 Seiten, 22,90€

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