Mitch Albom – Damit ihr mich nicht vergesst

„Würden Sie meine Trauerrede halten?“ ist wohl eine der seltsamsten Fragen, die man gestellt bekommen kann. Denn wer denkt schon an seine Trauerrede, wenn er noch lebt und bei bester Gesundheit ist? Doch genau diese Frage stellt der Rabbi Albert Lewis Mitch Albom. Und da man einen solchen Wunsch nicht ablehnt, beginnt Albom Damit ihr mich nicht vergesst1den Rabbi zu besuchen. Um ihn besser kennen zu lernen und um Material für die Rede zu sammeln. Der Rabbi berichtet von seinem Leben und davon, was ihn in seiner Religiosität antreibt. Albom erhält Einblicke in das Denken eines Mannes, das von Religion geprägt, aber frei von Dogmen ist.
Parallel zu diesen Begegnungen und Gesprächen berichtet Albom auch über das Leben von Henry Covington. Dieser ist nach einer langen Karriere als Krimineller Pastor geworden und hat eine völlig verarmte Gemeinde in Detroit übernommen. Der Autor beginnt, sich mit der kleinen Gemeinde zu beschäftigen und führt viele Gespräche mit dem Pastor. Albom beginnt, die religiösen Welten der in seinen Augen so unterschiedlichen Männer miteinander zu vergleichen. Was ihm dabei vor allen Dingen auffällt ist, dass die Ansichten des Pastors sich in vielen Punkten mit denen des Rabbis decken. Beiden Männern ist gleich, dass sie auf Gott vertrauen und unumstößlich an die Menschlichkeit glauben. Gerade Letzteres prägt sie in ihrem täglichen Handeln, sie helfen dort, wo sie benötigt werden und das ganz unabhängig vom Glaubensbekenntnis. Und beide haben ihr persönliches Glück in ihrer Arbeit gefunden.Das Buch setzt sich aus recht kurzen Kapiteln zusammen. Abwechselnd wird von Albert Lewis und Henry Covington berichtet, dazwischen sind kleine autobiografische Episoden des Autors eingeflochten. Albom hat einen sehr lockeren Schreibstil, der mir aber leider etwas zu viel des Guten ist. Sein Ton vermittelt dem Leser, dass alles hervorragend sei, auch wenn er von nicht so schönen Episoden berichtet. So hatte ich beim Lesen immer das Gefühl, dass von Covingtons krimineller Vergangenheit nur erzählt wird, um die Veränderung in seinem Leben dann noch mehr herausheben zu können. Ein klassischer Wandel vom Saulus zum Paulus, um sagen zu können „Seht her, was Gott auch heute noch leisten kann“, wie ein Loblied auf den Glauben. Der Autor spricht viele Themen an, die auch ich sehr wichtig finde, denkt sie aber nur selten zu Ende (bzw. lässt sie einfach im Raum stehen) oder spart kritische Aspekte aus. Dadurch schafft er eine Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, die vor allen Dingen an ein Loblied erinnert.

Fazit


Albom berichtet von zwei sehr unterschiedlichen Menschen, die ihren Lebenssinn in ihrem Glauben gefunden haben. Sie leben ihre Religion in einer Form, in der kein Platz für Dogmen ist. Er betont immer wieder die Bedeutung der Menschlichkeit und der Toleranz füreinander. Wäre er hier auch auf das vorhandene Konfliktpotenzial zwischen großen Religionen eingegangen, hätte mir das Buch jedoch besser gefallen.

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Mitch Albom – Damit ihr mich nicht vergesst
Verlag: Goldmann
304 Seiten, Taschenbuch, 8,99 €

Eure Maike

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