Martin Mosebach – Das Leben ist kurz

„Die Welt in Augenblicken und in jedem Augenblick die Welt“ – mit diesen Worten wirbt der Klappentext von Martin Mosebachs Kurzgeschichtensammlung. Zwölf Bagatellen, wie es der Autor selbst beschreibt, werden hier thematisch in vier Blöcken präsentiert und erzählen vom Alltäglichen. Von der essenziellen Frage, wozu man heute noch eine Zeitung benötigt (Heftig würde sagen: Die Antwort wird dich überraschen!), über die Schönheit des Fahrrads bis hin zu fast surreal anmutenden Begebenheiten, decken diese Geschichten ein breites Spektrum ab.Mit sprachlicher Präzision und einer angenehmen Klarheit gelingt es Mosebach in wenigen Sätzen in das Setting einzuführen und verschiedensten Figuren eine ganz individuelle Stimme zu geben.

Sehr schön fand ich, wie sich einige Erzählungen thematisch einem Thema oder eher einem Begriff von unterschiedlichen Seiten näherten. In „TickTack“ wird dem Pendel und der Pendelbewegung sehr variantenreich behandelt. Ob nun dem musikalischen Takt, die Hommage auf Poes berühmte Erzählung „Die Grube und das Pendel“ oder den unermüdlichen Pendlern zwischen Wohn- und Arbeitsstätte: Sehr elegant wird die Verbindung zwischen diesen Begriffsgeschwistern in Worte gefasst. Ich mag es sehr, wenn Erzählungen – zwar in sich abgeschlossen – auch ein verbindendes Element aufweisen können.

Das trifft natürlich nicht auf alle in diesem schmalen Band vereinten Erzählungen zu – schließlich sind diese in unterschiedlichen Zeitungen  (SZ, FAZ etc.) erschienen und stehen in keiner direkten Verbindung. Ein Sammelband von Zeitungskolumnen also, der durch seine Anordnung in vier Themenblöcken eine neue Bedeutung bekommen.
Leider stimme ich dem Autor in einem Punkt nur zu deutlich zu: Es sind Bagatellen. So genau die Worte zuweilen gewählt sind: Sie packen mich nicht. Die Geschichten sind nicht eindringlich genug, um hängen zu bleiben. Eher an kurze Augenblicksbeschreibungen erinnernd, an leicht amüsante Anekdoten vielleicht, fehlt ihnen schlussendlich die Stahlkraft, um mit großen Vorbildern wie Capote oder Hemingway mithalten zu können. Zu belanglos erscheinen manche Wendungen.

Fazit


Für Fans von Mosebachs Sprachkunst sicherlich eine gute Anschaffung. Wer jedoch gern prägnante Erzählungen mit Komplexität und Überraschungseffekt liebt, sollte sicherlich zu einem anderen Buch greifen, denn das Leben ist kurz…

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leerkleines Herz leerkleines Herz leer

 

Eure Mareike


Martin Mosebach – Das Leben ist kurz
Verlag: Rowohlt
Gebunden, 160 Seiten, 16,95 €

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1 Kommentar

  • Antworten Ingrid 25. September 2016 um 11:24

    Danke für diese ehrliche Rezension. Kurzgeschichten mag ich sowieso nicht besonders, aber ‚der Alltag‘ hätte mich schon interessiert. Dann kann ich mir das sparen. Das Leben ist zu kurz – wie wahr.
    LG, Ingrid,
    jetzt mit eigenem Bücherblog

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