Mark Watson – Hotel Alpha

[lightgrey_box]Seit den Sechzigerjahren ist das Hotel Alpha eine regelrechte Institution in London, was nicht zuletzt an dem Besitzer des Fünfsternehauses liegt: Howard York ist smart und charismatisch, mit der wunderschönen und klugen Sarah-Jane verheiratet und ein gefeierter Held, seit er 1984 bei einem Brand den kleinen Chas rettete und ihn adoptierte, nachdem dessen Mutter in den Flammen umkam. Obwohl seit diesem Unglück blind, ist der Junge ein aufgewecktes und fröhliches Kerlchen, das allerdings die Öffentlichkeit scheut, die Tage im Hotel verbringt und sich zum Computerexperten entwickelt. Und da ist Graham Adam, der seit der Eröffnung im Hotel Alpha als Concierge tätig ist und zu Chas’ väterlichem Vertrauten wird. Er ist das gute Gewissen des Hotels, doch der schöne Schein ist nicht ganz ohne trügerisches Licht.[/lightgrey_box]

Auf der Suche nach einer neuen Arbeit wird Graham von seiner Frau Pattie auf ein sehr seltsames Stellengesuch aufmerksam gemacht. Gesucht wird ein Concierge für das neue Londoner Nobelhotel Alpha. Graham stellt sich vor, bekommt den Job und findet ganz nebenbei seine Erfüllung. Denn das Hotel mit dem Lebemann Howard und seiner Frau Sarah-Jane an der Spitze ist alles andere als ein einfacher Arbeitsplatz. Das merkt er schon bei der Eröffnungsparty, die mal nebenbei 24 Stunden dauert. Und spätestens da ist Graham auch klar, welcher Typ Mensch sein neuer Chef ist: geschäftstüchtig und mit einem riesigen Herzen ausgestattet! Binnen kürzester Zeit ist er seinem Chef genau so ergeben wie seinem neuen Arbeitsplatz, der Großteil seines Lebens spielt sich im Hotel ab.
Doch 1984 bricht im Hotel ein Feuer aus. Eine Frau stirbt und ihr dreijähriger Sohn Chas verliert sein Augenlicht. Doch Howard und Sarah-Jane nehmen ihn auf und ziehen ihn wie ihren eigenen Sohn auf. Er wächst in den Mauern des Alpha auf und für den blinden Jungen bedeuten sie ein Zuhause, das ihm Sicherheit gibt. Genau wie Grahams spielt sich auch Chas‘ Leben im Alpha ab. Die Idylle scheint perfekt, doch im Verlauf der Jahre wird immer deutlicher, dass es seit dem Brand ein Geheimnis im Hotel gibt.

Watson Hotel AlphaMark Watson lässt die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählen. Zum Einen ist das der Concierge Graham, der seit der Eröffnung des Hotels einfach immer da ist und sich so zur guten Seele des Hauses hochgearbeitet hat. Auf der anderen Seite ist da Chas, der aufgrund seiner Blindheit immer im Hotel ist. Die beiden bekommen alles mit, nichts entgeht ihren wachsamen Augen und Ohren. Und jeder „sieht“ auf seine Art und Weise die unterschiedlichen Personen im Hotel, ganz besonders Howard York. Denn auch dessen Leben spielt sich natürlich im Hotel ab (immerhin gehört es ihm) und somit kann man sagen, dass neben Grahams und Chas auch das Leben von Howard dargestellt wird.
Dennoch unterscheiden sich die Sichtweisen extrem, schon allein durch den massiven Altersunterschied. Und während Chas, während er immer weiter heranwächst, alles Neue begierig aufsaugt ist Graham eher darauf bedacht, alles beim Alten zu belassen. Die beiden Perspektiven ergänzen sich hervorragend und die abwechselnden Erzählungen behindern sich nie gegenseitig, sondern zeichnen ein sehr stimmiges Bild der voranschreitenden Zeit. Dabei lassen sie kein Thema aus: Technik, Politik, Gesellschaft, alle möglichen Veränderungen werden von den beiden kritisch besprochen. Denn all das betrifft auch ihren kleinen Mikrokosmos im Hotel. Was mir hier ganz besonders gefiel: Ich konnte mich problemlos in beide Charaktere hineinversetzen und mich für das begeistern, was sie begeisterte. Der Switch war dabei überhaupt kein Problem, denn Watson hat die Erzählanteile der beiden strikt voneinander getrennt. Chas und Graham erzählen nie von dem gleichen Erlebnis. Das hat das Lesen unglaublich erleichtert und gleichzeitig die Spannung aufrecht erhalten. Denn schon relativ früh hat man als Leser das Gefühl, dass da irgendetwas fehlt… Und das macht der Autor wirklich gut, denn genau in dem Moment, in dem man glaubt, dass jetzt etwas Wichtiges  passieren wird, wechselt er die Perspektive. Im Zentrum steht dabei immer wieder das verhängnisvolle Feuer, dass alle Akteure nicht loslässt.

Doch leider hält Watson die Spannung nicht ganz bis zum Schluss aufrecht. Das letzte Drittel war für mich eher quälend, denn es passierte nichts Aufregendes. Ich hatte das Gefühl, das Ende des Buches soll noch ein paar Seiten hinausgezögert werden. Und auch die Auflösung des Geheimnisses auf den letzten Seiten hat mich nur mäßig versöhnt.

Fazit


Ein Buch, dass große Veränderungen im kleinen Rahmen eines Hotels zeigt und dadurch den Wandel unseres Lebens und wie wir damit umgehen illustriert. Leider schwächelt es am Ende etwas, aber das Durchhalten bis zum Ende ist durchaus lohnenswert.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Maike


Mark Watson – Hotel Alpha
Verlag: Heyne
352 Seiten, Gebunden, 19,99 €

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

1 Kommentar

  • Antworten Buchiger Monatsrückblick Juni | Herzpotenzial 1. Juli 2015 um 21:58

    […] sind es tatsächlich nur drei Bücher, die ich diesen Monat gelesen habe. Da war zum einen „Hotel Alpha“ von Mark Watson. Wie ich bereits in dem dazu gehörigen Beitrag berichtet habe, war da das […]

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: