Mark Watson – Die Stadt im Nichts

Im Rahmen unserer „Langen Nacht der aufgeschobenen Bücher“ habe ich ein Buch beendet, dass ich noch gar nicht sooo lange aufgeschoben hatte. Dennoch, es lag hier rum und es war wirklich Zeit, es weiterzulesen.

Nach „Hotel Alpha“ ist es schon das zweite Buch des Autors, das ich lese. Dieses Mal geht es nach Dubai. Tim Callaghan, Texter in einer Londoner Werbeagentur, zieht einen großen Auftrag an Land. Die Hilfsorganisation WorldWise will mit einem Werbespot auf die Armut in der Welt aufmerksam machen. Tims Entwurf macht das Rennen und so wird er nach Dubai geschickt, um beim Dreh des Spots als Ansprechpartner vor Ort zu sein. Er kann sein Glück kaum fassen. Bisher hat er von der Welt kaum etwas gesehen und dann geht es direkt nach Dubai, in diese faszinierende und unwirkliche Metropole in der Wüste. Viele Gerüchte kreisen um diese Stadt und die meisten haben mit Geld zu tun – immens viel Geld. So steht Tim eines Morgens am Flughafen in Heathrow, wo er auch die anderen Mitglieder der Crew trifft und wird wenige Stunden später im sonnigen Dubai von Christian und Jo Roper, den Gründern von WorldWise, in Empfang genommen.

Während die anderen Mitglieder der Crew direkt mit der Arbeit beginnen müssen, hat Tim etwas Zeit, sich in Dubai umzusehen und wird mit einer Welt konfrontiert, die ihm völlig fremd ist. Es gibt Shoppingcenter, in denen man nichts kaufen kann und überall laufen Angestellte herum, die einem Floskeln entgegenwerfen und unterwürfig jeden Wunsch erfüllen. Auch die Stadt an sich, in der selbst die ältesten Gebäude noch brandneu sind, verwirrt ihn. Der Dreh des Spots entpuppt sich ebenfalls als schwieriger als erwartet – es geht schleppend langsam voran und alle anderen scheinen furchtbar angespannt zu sein. Als dann eines Morgens ein Mitglied der Crew tot aufgefunden wird, scheint sich außer Tim niemand daran zu stören. Stattdessen wollen alle einfach so weiter machen, als wäre nichts geschehen – oder um irgendetwas zu überdecken.

Dubai kurz vor der Finanzkrise – das ist Luxus pur. Immobilien, Dienstleistungen und Waren werden für unglaubliche Summen verkauft und wechseln direkt danach für noch mehr Geld erneut die Besitzer. Es kommt vor, das eine Villa zehn Mal den Besitzer wechselt, bevor überhaupt der Grundstein gelegt wurde. In Dubai haben die Leute entweder wahnsinnig viel oder wahnsinnig wenig Geld. In den Einkaufszentren reihen sich die Geschäfte der Luxusfirmen aneinander, überall stehen Hotels und Wolkenkratzer, alles sieht unheimlich teuer aus (und ist es auch). Die Angestellten der Geschäfte und Hotels sind darauf trainiert, den Gästen jeden Wunsch von den Augen abzulesen und sie nicht weiter zu stören – schließlich haben sie Besseres zu tun. Zum Beispiel ihr vieles Geld auszugeben. In diese seltsame Welt verirrt sich Tim und erhascht einen Blick auf das, was Leute machen, die zu viel Geld haben bzw. genau das glauben. Doch während er staunend (und sparend) durch Dubai stolpert, streckt das große Ungeheuer Krise langsam seine Finger aus und lässt eine Menge Leute unruhig werden. Und gerade das lässt den Todesfall so mysteriös erscheinen. Niemand scheint es zu kümmern, wie der Mann umgekommen ist, alle konzentrieren sich auf ihre Arbeit. Vor allem für die Auftraggeber, die Ropers, ist der Abschluss der Arbeiten enorm wichtig. Denn WorldWise steckt schon jetzt in der Krise, wie so viele Unternehmen in Dubai. Schwer auszumalen, was in den folgenden Jahren noch auf sie zukommt. Und der Tod des Mannes bedeutet vor sie vorrangig negative Presse und somit weitere finanzielle Einbußen. Für sie geht es um alles oder nichts.

Fazit

Am Ende geht es immer ums Geld – egal ob für den eigenen oder einen guten Zweck. Und die Menschen machen seltsame Sachen, um möglichst viel Profit für sich raus zu schlagen. Watson hat genau dies in seinem Buch perfekt eingefangen und das genau vor der Kulisse der Stadt, die als Synonym für Geld gesehen werden kann.

Eure Maike


Mark Watson – Die Stadt im Nichts
Verlag: Heyne Encore
288 Seiten, Klappenbroschur, 16,99 €

MerkenMerken

MerkenMerken

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

Keine Kommentare

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: