Magali Robathian – Die Frau von Shearwater Island

Alice lebt auf Shearwater Island, einer kleinen Insel vor der Küste Englands. Sie liebt die raue, wilde Schönheit der Landschaft, und sie schätzt die Abgeschiedenheit, in der sie sich in Sicherheit glaubt. Seit sie Zeugin eines brutalen Verbrechens war, vertraut sie niemandem mehr. Doch der Inselrat entscheidet, dass ein gefeierter Schriftsteller bei ihr einzieht: Patrick, der seinen nächsten Roman auf der Insel schreiben möchte. Der attraktive Londoner bringt Alice dazu, ihm die Geschichten der Insel zu erzählen. Von Rivalität und Neid, von Liebe und Eifersucht, von der Untreue ihrer Mutter – und von sich selbst. Alice verliebt sich rückhaltlos in ihn. Doch das enge Zusammensein auf kleinem Raum und Alices Unsicherheit ihren eigenen Gefühlen gegenüber bringen ihre Welt zum Einstürzen.
Robathan Shearwater IslandDas Buch spielt auf einer sehr abgeschiedenen kleinen Insel, nur von einer kleinen verschworenen Gemeinde bewohnt, die aufgrund des rauen Klimas mehr schlecht als recht von Landwirtschaft und Tourismus leben kann. Trotzdem reagieren sie zunächst mit gemischten Gefühlen, als ein berühmter Autor sich ankündigt, um dort sein nächstes Buch zu verfassen. Alice, die Protagonistin, nimmt den attraktiven Autor bei sich auf und erhofft sich davon nicht nur für die Insel, sondern auch für ihr eigenes Leben neue Impulse. Sie wohnt nämlich im Haus ihrer verstorbenen Eltern, ließ Elternschlafzimmer und die antiquierte Einrichtung bisher unberührt. Auch sonst lebt die 36-jährige ein eher eintöniges und frustriertes Leben.
Es verwundert deshalb natürlich nicht, dass sie sich sofort und nahezu dankbar in den Neuankömmling verliebt, ihn bekocht und für ihn die ungenutzten Zimmer komplett renoviert und zur Verfügung stellt. Außerdem merkt sie recht schnell, wie sie seine Aufmerksamkeit und sein Interesse auf sich lenken kann: Er hört zu gern Klatsch und düstere Geheimnisse aus der abgeschiedenen kleinen Gemeinde. Wer jetzt bereits ein ungutes Gefühl bei der Art der sich anbahnenden Beziehung hat, wird recht behalten…
Insgesamt handelt es sich hierbei um ein nettes herbstliches Buch über eine kleine wellengepeitschte Insel mit ihren Geschichten und Eigenarten. Der Schreibstil ist flüssig und sehr anschaulich, sodass sich recht schnell ein klares Bild von Shearwater Island und seiner Stimmung ergibt. Leider wird das Setting durch einen absoluten Minuspunkt getrübt: Der Protagonistin. Ich konnte überhaupt nichts mit dieser offiziell erwachsenen, intelligenten und eigenständigen Frau anfangen. Es wird zwar immer wieder betont wie klug sie sei, doch davon war nicht viel zu spüren. Rückhaltlos lässt sie sich auf einen zwielichtigen Mann ein, obwohl ihr ihre Freunde und Nachbarn sehr offen davon abraten. Eine eigene kurze Recherche über diesen berühmten Autor hätte vieles verhindern können. Sie selbst stilisiert sich selbst vielmehr als Opfer ihrer schlimmen Kindheit und agiert eher passiv bis selbstzerstörerisch.

Fazit: Ein schönes Setting, das durch die Protagonistin Alice leider nicht seine volle Entfaltung finden konnte. Dies ist eine Frauenfigur, mit der ich persönlich nicht viel anfangen kann. Wer einer verletzten und beziehungsgestörten Seele mehr Verständnis entgegenbringen kann als ich, mag hier ein paar nette bis spannende Lesestunden verbringen können.

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Eure Mareike

Magali Robathian – Die Frau von Shearwater Island
Verlag: List
Gebunden, 384 Seiten, 18,00€
Leseprobe

Rezensionsexemplar von vorablesen.de, vielen Dank.

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3 Kommentare

  • Antworten Vivi 14. September 2014 um 21:01

    Das Cover finde ich richtig schön, aber schade, dass dich das Buch dazu nicht so überzeugen konnte. Für mich wäre das aber glaube ich nichts, ich lese lieber Krimis und Thriller :)

    • Antworten Mareike 14. September 2014 um 21:02

      Ja, das Cover ist klasse. Aber wenn das eh nicht dein Genre ist, hast du wirklich nichts verpasst.
      Ganz liebe Grüße
      Mareike

  • Antworten Carmen 15. September 2014 um 08:42

    Hallo Mareike

    Du hast recht, wir sind wirklich zu völlig unterschiedlichen Schlüssen gekommen bezüglich dieses Buches, aber das ist ja auch gut so, Geschmäcker sind nun mal verschieden… :-)
    Aber trotzdem tolle Rezi!

    Liebe Grüsse
    Carmen

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