Luca Dotti – Zuhause bei Audrey

Wenn ich an Audrey Hepburn denke, fällt mir als Erstes eine Szene aus „Frühstück bei Tiffany“ ein: Eine Frontalansicht auf die perfekt gestylte Holly Golightly, inklusive Klunker, Sonnenbrille und Coffee to go im schwarzen Kleid, die sich im Fenster von Tiffanys spiegelt. Wie kein anderes verkörpert diese Szene mein Bild dieser Schauspielerin. Schwer vorstellbar, dass diese Frau auch ein anderes Leben hatte – jenseits des Glamours, als Ehefrau und Mutter.

Jenes Bild war zum Teil auch Auslöser für Luca Dotti dieses Buch zu schreiben. Er ist der Sohn Audrey Hepburns und hat seine Mutter fast nur jenseits ihrer Schauspielkarriere gesehen. Doch als er eines Tages in das Zimmer seines Sohnes tritt, sieht er genau das Bild an der Wand, dass ich oben beschrieben habe. Daraufhin beschloss er, über seine Mutter zu schreiben und so auch ein anderes Zeugnis über sie zu geben – eines, dass sie ohne die Verkleidung ihrer Rollen zeigt.

Herausgekommen ist ein beeindruckendes Buch, das sich standhaft weigert, in eine Kategorie einsortiert zu werden. Es ist Biographie, Kochbuch und Fotoalbum in einem und zeigt ein ganz anderes Bild dieser Frau, die auch heute noch so viel Bewunderung erfährt. Dotti ermöglicht dem Leser private Einblicke, die vor allen Dingen durch die thematische Mischung so besonders werden. Er berichtet von Dinnerpartys in der Wohnung in Rom, von Silvester in der Schweiz, aber auch von der Liebe seiner Mutter zum Garten und zur Gartenarbeit. Könnt ihr euch Audrey beim Zuhause bei AudreyAnpflanzen von Kartoffeln vorstellen? Oder beim Ernten von Tomaten? Nun, sie hat genau das getan und scheinbar mit großer Leidenschaft und Ausdauer. An jedes Kapitel schließt sich ein Rezeptteil an, der  die dazu passenden Lieblingsrezepte von Audrey Hepburn vorstellt. So gehört zum Kapitel über ihren Garten eine ganze Reihe von Rezepten mit typischem Gartengemüse und -obst, zum Beispiel eine Tomatensuppe oder ein Apple Crumble. Manche Kapitel geben auch einfach eine Anekdote aus ihrem Leben wieder, die untrennbar mit einem Rezept verbunden ist. So ist es bei ihrem Rezept für Mousse au Chocolat. Dotti hat in den Unterlagen eine Einladung von Ronald Reagan zum Dinner im Weißen Haus gefunden. Die Rezepte illustrieren die ganze Bandbreite dessen, was Hepburn gekocht hat. Neben einfachen Rezepten für das Frühstück (für sie die wichtigste Mahlzeit des Tages), bis hin zu Gerichten, die besonders ihren Kindern schmeckten oder abends bei Dinnerpartys und zu besonderen Festen serviert wurden, ist alles dabei.
Ein weiteres Highlight sind die Fotos. Natürlich sind es keine Hochglanzbilder, die digital bearbeitet worden sind, sondern einfach nur private Fotos einer Familie. Sie haben gerade dadurch einen ganz besonderen Charme und zeigen die verschiedenen Facetten dieser beeindruckenden Frau einmal quer durch die Jahrzehnte. Es wirkt ein bißchen, als würde man durch ein Fotoalbum blättern, das einer unbekannten Ordnung folgt. Manchmal war mir das einfach zu viel und ich hab regelrecht die Orientierung beim Lesen verloren.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Aufmachung des Buches. Ein Highlight für mich ist die Tatsache, dass man sich für 2 Lesebändchen entschieden hat. Finde ich super, so kann man sich das Gericht markieren, das man unbedingt nachkochen muss (Spaghetti al pomodoro) und gleichzeitig die aktuelle Seite. Leider hat das Buch kein besonders handliches Format, genau wie die meisten Biografien und Kochbücher an sich. Zum Lesen abends im Bett ist es eher nicht geeignet, denn natürlich ist es auch entsprechend schwer. Aber glaubt mir, es lohnt sich, sich damit zu arrangieren.

Fazit

Das Buch zeigt genau das, was der Titel verspricht: Es gibt Einblicke in das Leben Audrey Hepburns, das abseits der Kamera stattfand. Es als Buch zu bezeichnen wird dem guten Stück dabei eigentlich nicht gerecht, gibt es doch viel mehr zu entdecken. Lebensgeschichte, Anekdoten, Fotos und Rezepte, taucht ein in die die Welt dieser tollen Frau.

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Luca Dotti – Zuhause bei Audrey
Verlag: Dumont
256 Seiten, Hardcover, 34,99 €

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1 Kommentar

  • Antworten Kati @Zeit zu Lesen 21. März 2016 um 13:55

    Hallo Maike,

    das ist ja auch mal eine interessante Möglichkeit, die Biographie einer berühmten Persönlichkeit aufzubauen. Ist mir glaub ich in der Form noch nicht über den Weg gelaufen und macht es daher natürlich besonders interessant. Haha.. und beim Tomaten-Ernten kann man sich Audrey (also ich) wirklich nicht vorstellen – aber im Endeffekt sind die Stars ja auch nur normale Menschen …

    LG; Kati

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