Liza Klaussmann – Villa America

Wilde Partys an der Côte d’Azur – was kann denn passender für ein Sommerbuch sein! Vor allen Dingen wenn es sich um die Partys in der Villa von Sara und Gerald Murphy in den 1920er Jahren handelt und die Gäste unter anderem die Hemingways und die Fitzgeralds waren. Ein Buch, wie für uns gemacht.

Liza Klaussmann berichtet aber über mehr als nur Partys und das Leben auf der Sonnenseite.  Die Geschichte beginnt in den Kinderjahren ihrer beiden Hauptprotagonisten Gerald und Sarah – und des Piloten Owen, der im Leben der beiden noch eine wichtige Rolle spielen soll. Und so erfährt der Leser zu Beginn, wie es ist, in Amerika aufzuwachsen und welche Kämpfe die Murphys ausfechten mussten, bevor die Eltern der Hochzeit zustimmten. Sara ist einige Jahre älter als Gerald und nicht das, was dessen Eltern sich als ideale Partie vorstellen, ihre Eltern Villahingegen scheinen generell dagegen zu sein, dass ihre Tochter eine Ehe eingeht. Doch die beiden stehen zueinander und setzen sich am Ende durch. Damit beginnt eine lange Beziehung, aus der unter anderem drei Kinder hervorgehen und die im Laufe der Zeit viele Dramen und Tragödien übersteht.
Die Familie Murphy verschlägt es wie so viele ihrer Generation nach Europa. Doch Paris ist für sie nur eine Station, es zieht sie ins milde und sommerliche Klima an der Côte d’Azur. Dort errichten sie sich ein Haus, das ihren Wünschen entspricht – die Villa America. Und dort feiern sie ihre berühmten Gartenpartys auf denen sich die Fitzgeralds, die Hemingways, John Dos Passos und viele andere ihrer Freunde aus Paris und Amerika tummeln und die Seele baumeln lassen. Partys, bei denen es um Kunst geht, um Jazz und darum, wer gerade mit wem flirtet oder eine Affäre hat. Diese Atmosphäre voller Dekadenz fängt die Autorin ein und lässt die Leser daran teilhaben. Auch, indem sie Einblicke in das Innenleben ihrer Protagonisten gibt. Immer wieder folgt man beim Lesen den Gedanken der Murphys oder einer anderen Figur und erfährt, wie sie ihr Leben wahrnehmen. Da sind nicht nur Zufriedenheit und Glück, sondern auch Eifersucht, Selbstzweifel oder Einsamkeit prägende Gefühle, dass die perfekte Kulisse immer wieder ins Wanken bringt.

Das Einzige, was mich wirklich störte, war die Länge des Buches. Besonders den Einstieg, mit den Geschichten aus Kindheit und Jugend, fand ich eher zäh und zu lang. Da hätten es ein paar Seiten weniger auch getan. Im weiteren Verlauf nahm das Buch dann Gott sei Dank Tempo auf und am Ende erzählte die Autorin die Geschichte in Form von Briefen, die sich die Protagonisten schickten. Ein Kunstgriff, der mich wahnsinnig begeistert hat, weil sie so noch einmal das enge Netz der Freunde zeigte. Dennoch gab es auch hier zwischendurch Längen, bei denen ich aufpassen musste, jetzt nicht einfach ganze Seiten zu überspringen, damit endlich die Handlung weiterläuft.

Fazit


Ein Buch über das wilde Leben der Lost Generation an der Côte d’Azur, bei dem aber nicht nur die Sonnenseiten des Lebens im Mittelpunkt stehen. Liza Klaussmann berichtet vom Leben eines Paars, das mit all den „Großen“ verkehrte und über das doch eher selten berichtet wird.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Maike


Liza Klaussmann – Villa America
Verlag: Droemer Knaur
496 Seiten, Hardcover, 19,99 €

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7 Kommentare

  • Antworten Cora 7. September 2016 um 18:16

    Das hört sich wirklich gut an. Vielen Dank für die schöne Rezension :)
    Liebe Grüße,
    Cora

  • Antworten Denise (Buchgeflüster) 8. September 2016 um 02:12

    Das Buch klingt sehr interessant, vor allem da ich die 20er Jahre sehr mag. Da war so viel los in der Literaturszene :) Auch das Cover finde ich sehr schön gestaltet. Trotz deiner Kritikpunkte bezüglich der Längen wandert es erstmal auf meine Wunschliste :-)

    • Antworten Maike 9. September 2016 um 18:18

      Einen Blick riskieren sollte man auf jeden Fall! Ich glaube, ich hätte es trotz allem bereut, wenn ich es ignoriert hätte.

  • Antworten Melanie 8. September 2016 um 06:37

    Moin Mareike,
    danke für deine tolle Rezi!
    Das Buch liegt schon seit längerem auf meiner Wunschliste herum, weil = Roaring Twenties.
    Krebse momentan aber immernoch an“Before Sunset“ herum, da geht es ja um Fitzgerald.
    Wenn es dann aber irgendwann einmal durch sein sollte, geht es an die Côte d’Azur!

    • Antworten Maike 9. September 2016 um 18:18

      Durchhalten Melanie, wir haben das Buch beide gelesen (hier irgendwo ist auch die Rezi) und waren sehr angetan. Und dann als Erholungsprogramm an die Côte d’Azur klingt doch gut.

  • Antworten Lena 18. September 2016 um 19:37

    Huhu,

    20er Jahre, hmm. Ich liebe die 20er Jahre! Dank deiner Rezension wandert es erstmal auf die Wunschliste :)

    Liebe Grüße,
    Lena

  • Antworten Villa America von Liza Klaussmann 19. Februar 2017 um 09:14

    […] und der Stil haben genau das versprochen, was ich auch in Hayes Roman sehr genossen habe. Maikes Rezension und ein recht günstiges Angebot bei Booklooker haben mich dann am Ende zum Kauf […]

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