[Lieblingsbücher]Colette – Chéri

Im Rahmen der “Lieblingsbücher-Challenge” liest jede von uns noch einmal 12 ihrer Lieblingsbücher und präsentiert sie hier.

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Darum geht esEine klassische Konstellation: Ein junger Mann muß sich entscheiden – zwischen der erfahrenen Geliebten und der jungen Ehefrau. Wunderbar direkt erzählt Colette von der Liebesverstrickung eines Paares und den Empfindungen einer reifen Frau, die sich auf einmal dem ersten großen Schmerz ihres Lebens ausgeliefert sieht: der Trennung von jenem „schönen Dämon“, der für sie zum Abschied von der Jugend und verführerischen Ausstrahlung ihrer Weiblichkeit wird.

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Die Beziehung von Léa und dem Sohn ihrer besten Freundin ist so intensiv und kühl zugleich, wie es nur eine Liebe in der „Belle Epoque“ sein kann. Da mir „Der große Gatsby“ und „Dämmerschlaf“ noch frisch in der Erinnerung ist, fielen mir beim diesmaligen Lesen die Verbindungen zu dem Stil der „Roaring Twenties“. Ähnlich selbstvergessend und -verleugnend, zugleich dekadent und asketisch – sich in Oberflächlichkeiten verlierend. Das französische Pendant ist aber eine Spur leiser, eleganter – französischer halt.

Die Geschichte ist so schlicht und menschlich, dass sie allein deshalb für mich zu den ganz großen gehört, denn die richtig große Literatur handelt meist von den ganz einfachen Geschichten, die aber in sich so vielschichtig sind, dass man sie immer wieder lesen kann. Dieses Buch gehört für mich eindeutig hinzu. Ich habe es sicherlich schon 5-6 Mal gelesen und bin immer wieder ergriffen von dieser Liebe zwischen einer alternden Mätresse und einem jungen schönen Dandy.Chéri ist ein verzogener Junge, der in einer dekadenten wie kühlen Welt aufwächst. Ständig von seiner launischen und egozentrischen Mutter umklammert oder fortgestoßen. Léa bietet dem Wildfang einen Sommer der Ruhe und Genesung vom ausschweifenden Nachtleben an. Danach sind sie für viele Jahre unzertrennlich, bis der junge Mann verkündet, dass er in ein paar Tagen heiraten werde.

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Spannend finde ich immer wieder, wie die Autorin Leseintensität erschafft, indem sie Tonfälle und kaum merkliche Gesten beschreibt. Man hat das Gefühl, man kann die zitternde Stimme, das kurze Innehalten in einer Bewegung tatsächlich sehen, so plastisch und intensiv beschreibt Colette. Dieses Buch war mein erstes von dieser außergewöhnlichen Autorin, mit der ich die Liebe für Katzen und schöne Stimmen teile. Für alle Katzenliebhaber empfehle ich übrigens Colettes „Eifersucht“, in dem Werk ist nicht die alternde Geliebte die Gegenspielerin zur jungen Ehefrau, sondern die Katze des jungen Mannes. Großartig!

Fazit: Ein schnelles, intensives Lesevergnügen, dass einen Stich im Herzen zurück lässt. Jedes Mal wieder.

Eure Mareike

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1 Kommentar

  • Antworten Patrick Modiano: Im Café der verlorenen Jugend | Herzpotenzial 13. März 2015 um 17:21

    […] erinnerte mich in seiner unaufgeregten, melancholischen Weise an die späteren Werke von Colette (für mich DIE Autorin der Belle Epoque und immer eine Empfehlung wert). Im Zentrum der Handlung […]

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