[Lieblingsbücher-Challenge] Frances Hodgson Burnett – Der geheime Garten

Im Rahmen der “Lieblingsbücher-Challenge” liest jede von uns noch einmal 12 ihrer Lieblingsbücher und präsentiert sie hier.


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[lightgrey_box]Nachdem die zehnjährige Mary Lennox, Tochter eines englischen Kolonialbeamten in Indien, ihre Eltern verloren hat, wird sie zu ihrem Onkel nach England geschickt, der in einem riesigen Herrenhaus am Rand eines ausgedehnten Moores residiert. Dem verwöhnten, eigensinnigen Mädchen fällt es nicht leicht, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Das ändert sich, als Mary ihren gleichaltrigen Cousin Colin kennenlernt, der an einer mysteriösen Krankheit leidet und deshalb von seinem Vater versteckt gehalten wird.[/lightgrey_box]

2014-04-29 18.43.10

Für mich ist dieses Buch Kindheitserinnerung pur. Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich es zum ersten Mal im Schaufenster meiner Buchhandlung sah und mich ärgerte, dass ich kein Taschengeld mehr für den Monat hatte. Monate später erwischte ich es endlich – erstmals mit dem nagelneuen Computer recherchiert – als Ausleihe in meiner Bücherei. Ich war ziemlich überrascht, dass ich ein Buch von 1911 in den Händen halten sollte. Die Zeichnungen und das Cover hatten mich so sehr angesprochen und es stand unter Neuheiten in meiner Buchhandlung – ich war doch etwas verwirrt. Umso mehr als ich die ersten Seiten las: Warum lebt ein englisches Mädchen in Indien? Warum kümmern sich ihre Eltern nicht um sie? Wo sind plötzlich alle hin und warum wird sie nach England geschickt? Ja, viele Fragen für eine 9 oder 10 jährige, denn ich konnte damals das Buch überhaupt nicht in den historischen Kontext einordnen.
Als ich das Buch nun nochmals gelesen habe, war ich begeistert von der klaren Erzählweise, dem kindgerechten Tempo und der schlichten aber einprägsamen Schilderung der Umgebung. Ohne all das, hätte ich sicherlich damals das Buch nach dem ersten Kapitel aufgegeben. Heute sind mir Kolonialzeit, lieblose viktorianische Erziehungsstile und all die anderen Dinge, die mir damals nicht bekannt waren, so geläufig, das ich mich nun voll und ganz auf die Figuren und den Garten konzentrieren konnte.
Mary ist ein verwöhntes und eigensinniges Kind. Inzwischen habe ich hier selbst einen kleinen Trotzkopf zu Haus und weiß einfach, wie viel Arbeit in einer ausgewogenen Erziehung steckt. Wenn man sich nun die lieblosen bis katastrophalen Umstände von Mary’s Erziehung anschaut, wundert mich heute da gar nichts mehr. Die Kleine konnte ja gar nicht anders! Damals jedoch war ich geschockt und empört! Wie spricht die denn mit Erwachsenen? Und dann bekommt sie auch noch Zimmer voller Spielzeug! Die hat es gar nicht verdient diesen wundervollen und magischen Garten zu finden. Das fand ich nicht gerecht und ich hatte bis dato noch kein Buch gelesen, das eine so unfreundliche Hauptfigur hat.
Doch dieser geheime, hinter Hecken und Mauern versteckte, verwunschene, verzauberte Garten! Ich liebe ihn bis heute! Er ist mein Traum vom perfekten Moment, von Ruhe, Zuflucht. Von dem Moment an, als ich diese Passage las, war der geheime Garten ein Teil von mir und jedes gute Buch ist für mich als würde ich den rostigen Schlüssel zur Gartentür finden. Einen Weg in eine kleine geschützte Welt, voller Natur und Sonne, eine Schaukel, einen Brunnen, Vögel und ein Buch auf einer kleinen Bank.
Kein Wunder, dass dieser Zauberort die Kinder verwandelt. Mary und ihr Cousin Colin müssen hier einfach aufblühen und gesunde, fröhliche Kinder werden. Das war mir schon damals mit 10 Jahren klar. Denn an so einem Ort ist alles möglich. Deshalb kann ich nicht aufhören zu suchen und von ihm zu träumen. Eines Tages werde ich ihn hoffentlich finden: Meinen geheimen Garten.
Ich kann nur jedem raten, sich einmal auf dieses Buch einzulassen. Für mich geht es weniger um die verzogenen Gören als um die Suche nach dem, was einen glücklich macht, was einen erfüllt und einem die Kraft gibt über sich selbst hinaus zuwachsen. In der christlichen Terminologie ist das Paradies ja auch ein Garten und dieses Buch stellt indirekt den Wunsch dar, dass sich jeder irgendwo sein eigenes Paradies und sein Glück erschaffen kann.
Keine Botschaft würde ich lieber jeder 10 Jährigen der Welt mitgeben wollen und bin froh, dass Frau Hodgson Burnett bereits vor über 100 Jahren mit ihren magischen Büchern kleine Gärten erschaffen hat.
Ich würde meiner Tochter das Buch nicht ohne Lesebegleitung geben, denn der historische Kontext muss hergestellt werden, doch ansonsten freue ich mich auf den Tag, an dem sie zum ersten Mal auf den rostigen Schlüssel stößt und den Weg in den geheimen Garten findet.

Eure Mareike

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2 Kommentare

  • Antworten Büchernische 4. März 2015 um 17:17

    Der geheime Garten, oh wie sehr ich dieses Buch geliebt habe ♥ es gibt eine wunderschöne Edition, warte ich muss sie dir mal eben heraussuchen. Die möchte ich mir unbedingt noch kaufen….

    *suchkruschelkram* hier ist sie, sie stammt aus dem Verlag Urachhaus (ISBN 978-3825176334). Wunderschön, oder? ♥

    Liebste Grüße
    Sandra

    • Antworten Mareike 4. März 2015 um 17:36

      Liebe Sandra,

      ja das Buch ist mir wirklich enorm wichtig und liebe es sehr! Tatsächlich suche ich auch noch nach der perfekten Ausgabe. Ich habe die von dir gezeigte auch schon in der Hand gehabt, sie ist wirklich wunderschön. Ansonsten mag ich auch die von Gerstenberg : http://www.gerstenberg-verlag.de/index.php?id=detailansicht&url_ISBN=9783836951180
      Denn mit dieser Ausgabe begann damals meine Faszination für die Geschichte.
      Spätestens wenn das Goldkind im richtigen Alter ist, besorge ich eine der beiden Ausgaben :)
      Liebe Grüße
      Mareike

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