[Lieblingsbücher-Challenge]: Rocko Schamoni – Dorfpunks

Im Rahmen der “Lieblingsbücher-Challenge” liest jede von uns noch einmal 12 ihrer Lieblingsbücher und präsentiert sie hier.

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„Ich komme von der Ostsee, ich war SH-Punk. SH steht für Schleswig-Holstein. Dies ist eine Geschichte von Ufern. An die Wellen schlugen. Sie kamen aus England, breiteten sich dort sehr schnell aus, sprangen aufs Festland über, setzten die Großstädte unter Wasser und flossen von dort aus weiter, um später in der Provinz zu verebben. Jahre später. 1975 in England ausgebrochen, 1981 bei uns verebbt. In uns. Ein Jugendtsunami.

Und es ist die Geschichte von verschiedenen Wegen erwachsen zu werden. Von den Wegen, die die Zeit für uns bereithielt. Ich konnte es mir gar nicht anders aussuchen. Das Schicksal hatte bestimmt, dass ich Punk werden sollte. Niemand geringeres als das Schicksal.“

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Dorfpunks kann man als Teenie-Erinnerungen von Rocko Schamoni lesen (der sich damals übrigens ganz punkig Roddy Dangerblood nannte). Entsprechend gibt es viel Musik, ein paar Drogenexperimente, Mofas, Schule und die allen bekannte Langeweile. Man kann es als ein Zeitzeugendokument der Punkbewegung abseits der großen Zentren Berlin, Hamburg und Düsseldorf sehen. Und anschließend kann man gerne darüber diskutieren, ob Punk jetzt tot ist oder nicht und was das alles bedeutet. Oder man liest es einfach als ein verdammt witziges Buch.
Als das Buch 2004 erschien hatte ich gerade die Beatsteaks für mich entdeckt (Smacksmash!). Musik war für mich schon immer ein großes Thema, ich höre bis heute vieles querbeet, aber manche Bands haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. Und einige dieser Bands spielen auch in diesem Buch eine Rolle, z.B. die Toten Hosen und die Sex Pistols. Letztere sind übrigens immer noch die Band meines Vertrauens bei einem Samstagnachmittag im Supermarkt. :-)
Und auch sonst hat mir das Buch von Anfang an wahnsinnig gut gefallen. Ich hatte nie das Bedürfnis mich gegen meine Umwelt auflehnen zu müssen und hätte auch nicht so Recht gewusst, wie ich das hätte anstellen sollen. Irgendwie war alles was schockieren könnte in meinen Augen schon durch. Daher fand ich das Buch eher lustig und habe es mit einer gewissen Faszination gelesen. Die hält sich bis heute: Es ist ein Wunder, dass das Buch noch nicht auseinander fällt, so oft wie ich es in der Hand habe. Ich lese mit ziemlicher Regelmäßigkeit immer mal wieder das ein oder andere Kapitel. Jetzt habe ich es mal wieder komplett gelesen und kann sagen, dass es zu Recht auf meiner Liste steht.

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Der Titel ist übrigens sehr bezeichnend, er beschreibt das Buch sehr gut. Ich selbst lebe ja nun schon eine ganze Weile in SH und hier ist wirklich sehr vieles „Dorf“. Hier in Kiel gibt es den Spruch „Naja, Kiel ist halt auch nur ein Dorf“, weil man ständig die gleichen Leute trifft und alle sich irgendwie kennen.
Das Cover hingegen gefällt mir bis heute nicht. Hätte ich damals nicht eine Rezension zum Buch gelesen, wäre es mir wahrscheinlich nicht aufgefallen.

Rocko Schamonis Art, seine Jugend in kurzen Episoden zu erzählen gefällt mir sehr gut. So komprimiert wirkt das alles sehr aufregend, wild und überhaupt nicht wie eine stinklangweilige Dorfjugend. Wer also Bock auf Punkrock in den Achtzigern hat, sollte mal einen Blick ins Buch riskieren. Und für das passende Feeling empfehle ich, dazu mal wieder richtig laut Musik zu hören!

Eure Maike

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