Dorota Maslowska – Liebling, ich habe die Katzen getötet

Die Autorin Dorota Maslowska gilt seit ihrem Debüt mit 18 Jahren als Ausnahmetalent und wichtige Stimme des modernen Polens. Es sind bereits vier Romane von ihr erschienen, doch bis zu diesem Titel bin ihr noch nicht auf sie aufmerksam geworden. Aber bei diesem Titel war meine Neugier sofort geweckt: Provokativ und ungewöhnlich! In Kombination mit dem hübschen Retrocover war für mich bereits mit Erscheinen des Vorschauprogramms von Kiepenheuer & Witsch klar, dass ich dieses Buch gern lesen möchte.

[lightgrey_box]New York im Sommer. Zwei junge Frauen freunden sich an und sprechen über Yogalehrer, Figurprobleme und über Chicken Wings vom BBQueen-Grill, während sie in angesagten Kaffeebars überteuerte Getränke zu sich nehmen. Bis eine der beiden einen Freund findet und die andere alleine zurückbleibt …[/lightgrey_box]

Joanne und Fah sind zwei Single-New-Yorkerinnen zwischen Yoga-Kurs und Fressorgien. Beide sind voller Spleens und Selbstzweifel. Doch gleich zu Beginn entzweit die beiden Freundinnen etwas ganz entscheidendes: Joanne findet einen Partner. Zugegeben: Einen eher mittelmäßigen Typen, dessen Qualitäten man etwas angestrengt suchen muss, aber immerhin ein Mann. Für Fah fühlt es sich an, als hätte sie nun eine der schlimmsten Tiefschläge ihres Lebens und eine schreckliche Trennung zu überwinden, denn die Freundin scheint nicht mehr für sie da zu sein. Nun muss also Ersatz her oder ein Mann.

Maslowska_Liebling_Katzen_getötet_CoverDieses Buch hat es mir wirklich nicht leicht gemacht. Zwar ist es kurz und verhältnismäßig frisch und leicht geschrieben, doch mir ist – bis jetzt! – kein wirklicher Zugang zu diesem Werk gelungen. Die sprunghaften Figuren und ihre noch sprunghafteren Gedanken haben dafür gesorgt, dass ich selbst nach Beendigung des Buches immer noch nicht genau wusste, wer eigentlich wer ist. Vielleicht ist das auch ein wenig beabsichtigt gewesen. Schließlich ist keine der Protagonistinnen wirklich sehr ihrer selbst bewusst. Zugleich strotzen sie alle vor oberflächliches Selbstbewusstsein und herablassender Gedanken für die anderen Frauen in ihrer Umgebung. Vielleicht beschreibt das aber genau die moderne Frau, wie Maslowska sie wahrnimmt: Sie tritt tough auf, ist auf ihre sehr individuelle Weise stark, laut und besonders. Doch eine Kleinigkeit reicht aus, um ihre Fassade und ihre Selbstlügen zum Einsturz zu bringen. Die emotionale Abhängigkeit von Bestätigung von Außen spielt dabei eine genauso große Rolle wie das Scheitern der anderen. Bitte sei genauso schlecht dran wie ich! Lieber gaukelt man sich gegenseitig vor ein erfülltes Liebesleben zu haben, als sich gegenseitig Trost zu spenden.
Rasant und teilweise voller surreale Gedankenspiele erzählt die Autorin die Geschichte mehrerer junger Frauen auf der Suche nach sich selbst und vor allem, einem Platz im Leben. Mich erinnerte dieses Buch immer wieder an die preisgekrönte Serie „Girls“ von und mit Lena Dunham. Ähnlich ungeschönt und offen wird hier über Liebe, Beziehung und Monatsblutung gesprochen. Doch anders als in der Serie, wird hier noch ein weiteres Schlachtfeld eröffnet: Die Beziehung zu den besten Freundinnen. Keine der Figuren ist in der Lage eine tiefere Bindung per se einzugehen. Alles dreht sich um die eigenen Befindlichkeiten. Nicht einmal dem Leser wird ein völliger Zugang zur Erlebnis- oder Gefühlswelt ermöglicht.
Kein Wunder also, dass man sich stets außen vor wähnt. Besonders als psychisch stabiler Mensch, mit liebenden Partner und vor allem: tollen Freundinnen. Mir blieb die beschriebene Lebenswelt fremd und mein Verständnis für die Protagonistinnen war eher gering. Deshalb habe ich mich durch das letzte Drittel des doch dünnen Büchleins eher gequält habe.

Fazit


Rasant und voller surealer Elemente erzählt die junge Autorin von den Problemen neurotischer Großstadtsingles. Leider bleiben die Gedankenwelten verworren und teilweise kryptisch, was das Leseerlebnis erheblich geschmälert hat.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leerkleines Herz leerkleines Herz leer

Eure Mareike

Mir stimmt Katharina von Ein eigenes Zimmer vollkommen zu ;)


Dorota Maslowska – Liebling, ich habe die Katzen getötet
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Gebunden, 176 Seiten, 17,99 €

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3 Kommentare

  • Antworten Kathrin 16. Dezember 2015 um 17:42

    Hallo Mareike!

    Nachdem ich erst vor ein paar Tagen Katarinas Besprechung gelesen habe, war ich nun umso neugieriger, was du über das Buch schreiben würdest. Du hast hier noch ein paar andere Punkte erwähnt und mein Bild über das Buch ein wenig erweitert. Aber damit hast du auch meine Einschätzung nach Katarinas Artikel bestätigt: Von diesem Buch lasse ich besser die Finger. Eigentlich schade, denn auf den ersten Blick klang die Geschichte wirklich interessant…

    Liebe Grüße
    Kathrin

    • Antworten Mareike 16. Dezember 2015 um 22:09

      Liebe Kathrin,

      manchmal ist es doch recht praktisch, wenn einem Rezensionen vor einer Enttäuschung bewahren können. Die Wunschlisten sind ja meist eh gut gefüllt. ;)
      Liebe Grüße
      Mareike

  • Antworten [Die Sonntagsleserin] Dezember 2015 | Phantásienreisen 3. Januar 2016 um 08:00

    […] Katarina von Ein eigenes Zimmer als auch Mareike von Herzpotenzial haben sich im Dezember Dorota Maslowskas „Liebling, ich habe die Katzen getötet“ […]

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