Lena Dunham – Not that kind of girl

Lena Dunham gilt ja irgendwie als das Sprachrohr der Frauen meiner Generation. Bisher begründete sich diese Meinung auf ihrer unglaublich erfolgreichen Serie „Girls“. Ich selbst hatte bisher keine wirkliche Meinung von ihr, denn ich kenne die Serie nur vom Hören-Sagen. Aber jetzt hat sie auch ein Buch geschrieben, so eine Art frühe Memoiren und Ratgeber. Für mich war das Buch ein Must-Have, es hat mich wahnsinnig interessiert. Außerdem war es ein Buch, bei dem ich wirklich mitreden wollte. Doch nach dem ersten Hören des Hörbuchs habe ich mich mit meiner Meinung wirklich schwer getan. Entsprechend lag der fertige Beitrag über zwei Monate in meinen Entwürfen. Aber während unserer Kehrwoche habe ich ihn noch einmal gelesen und ja – nun kann er online gehen :-)

Not That Kind Of GirlAufgeteilt ist das Buch in die Überpunkte Liebe und Sex, Körper, Freundschaft, Arbeit und das große Ganze. Dunham berichtet darin von Episoden aus ihrem eigenen Leben und ist dabei vor allen Dingen eines: schonungslos. Sie beschönigt nichts, sondern stellt alles in einer sehr deutlichen Sprache dar, nie nimmt sie ein Blatt vor den Mund oder schont sich oder andere in ihren Beschreibungen. Vor allen Dingen am Anfang fand ich das gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit habe ich mich aber daran gewöhnt. Zum Ende hin war es dann so weit, dass mir ihre Sprache sogar ein wenig über war. Es kam mir eher so vor, als wäre das bewusst so gemacht und als Element des Schockierens und Provozierens eingesetzt. Besonders beim zweiten Hören hatte ich ernsthafte Probleme, der Erzählung unvoreingenommen zu lauschen. Denn ja: Ich finde es seltsam und gewöhnungsbedürftig, wenn jemand über seine Handtasche mit dem gleichen Tonfall spricht, wie über seine Gebärmutter.

Die Themen, die Dunham behandelt, kann man sehr schlecht zusammen fassen. Neben Sex im Allgemeinen geht es auch um das gemeinsam in einem Bett schlafen, Diäten, Psychotherapien, das Leben in New York oder ihre Schwester. Dabei geben die Oberkapitel nur scheinbar eine innere Logik vor. Beim Hören wirkte es eher wie eine wahllose Aneinanderreihung ohne roten Faden. Während ich bei vielen Erzählungen nicht wusste, wie ich sie einordnen soll, kamen aber auch immer wieder Themen zur Sprache, bei denen ich einfach nur „JA“ dachte. So zum Beispiel als sie davon berichtet, wie sie ihren Weg in die berufliche Unabhängigkeit gefunden hat – in der immer noch von Männern dominierten Film-Branche. Das ist ein Thema, dass auch andere so bewegt wie Dunham und zwar branchenübergreifend. Überrascht hat mich, dass sie nach der offenen Darstellung vieler Beziehungen und One-Night-Stands ihre jetzige sehr glückliche Beziehung aus Liebe außen vor lässt und keine Details preis gibt. Nach dem doch sehr irritierenden Kapitel „Liebe und Sex“ war das ein schöner Abschluss und wirkte irgendwie sehr reif.

Gelesen wird das Hörbuch von Nora Tschirner. Sie ist mir vor allen Dingen als Moderatorin bei MTV bekannt. Ich habe von Stimmen zwar nicht so viel Ahnung wie Mareike, dennoch hatte ich mit ihrer Art zu Lesen immer mal wieder Probleme. Für meinen Geschmack näselte sie zu sehr und war auch recht emotionslos. Das hat das aufmerksame Zuhören für mich zusätzlich erschwert. Was mir jedoch gefiel war Tschirners naive Art vorzulesen, irgendwie fand ich, dass das zu Dunham passte.

Fazit: Lena Dunham legt ein schonungsloses Zeugnis ihrer Jahre seit dem College ab. Sie lässt wenig aus und ist dem Leser gegenüber immer offen. Durch die bunte Auswahl der Themen ist das Buch sehr abwechslungsreich gestaltet. Dennoch bin ich mir nicht sicher, ob ich irgendeine Lektion aus ihren Geschichten ziehen kann, das Buch wirkt in vielen Teilen eher wie eine Beichte. Doch vor allen Dingen glaube ich, dass das Buch beim Lesen heftige Reaktionen nach sich zieht. Und ich glaube, dass genau dies das Ziel der Autorin war.

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Lena Dunham – Not that kind of girl
Verlag: Argon
Ungekürzte Lesung, Hörbuch, 19,95 €

Eine weitere Rezension, die ich so unterschreiben würde, findet ihr bei Mara.

Eure Maike

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