Kleine Liebeserklärung | BLUMENBAR

Ein kleiner Verlag hat sich in den vergangenen Jahren ganz leise in mein Herz geschlichen. Die Bücher in diesem Verlag sind ungewöhnlich, gern provokant und in einer ganz besonderen Ausstattung. Ich liebe die am Cover befestigten Umschlagseiten. Sie verbinden die wichtigen Informationen eines Schutzumschlags mit den Vorteilen eines fest verklebten, nicht verrutschenden oder gar einreißenden Umschlags. Das offene Papier ist gern in kräftigen Farben gestaltet und fühlt sich unheimlich gut an den Fingern an. Das Papier ist dicker als gewöhnliches, die Schriften stets gut gesetzt und klar gedruckt. Sprich: Hier hat man bei der Herstellung alles richtig gemacht. Wenn man ein Buch vom Blumenbar Verlag in der Hand hält, geht man stets ein wenig ehrfürchtiger damit um, denn es wirkt sehr wertig. Gleichzeitig haben sie bei der Covergestaltung einen ziemlich coolen Retro-Charme, der sich durch das gesamte Verlagsprogramm zieht. Man erkennt ein Blumenbar-Buch sofort. Mein Marketing-Herz tanzt bei sowas Samba.
Doch was ist das eigentlich, die Blumenbar? 2002 gegründet, entstand dieser Verlag aus einem Wohnzimmer-Kultursalon in München. Ja, einem richtigen Salon – ich stelle mir das ganz fabelhaft vor. Wie da in den 90ern rauchend und mit Bierflaschen in der Hand über Literatur diskutiert wurde. Als Independent-Vorreiter gründeten sie die Hotlist für Indie-Verlage und brachten Schwung und jede Menge Selbstbewusstsein in die Indie-Szene (soweit ich das rückblickend beurteilen kann).
Seit 2013 gehören sie als Imprint zum Aufbau Verlag, haben aber ihr rockiges Programm und ihre außergewöhnliche Buchgestaltung beibehalten.

Drei meiner Favoriten aus dem Programm sind |

 

 

John Fante | 1933 WAR EIN SCHLIMMMES JAHR

Ein wiederentdeckter, neu (von Alex Capus) übersetzter Klassiker für alle Fans von Jack Kerouac und sehr unmittelbarer Sprache. Ich war hingerissen von diesem frischen Stil, der authentischen Art der Erzählung, die so nah am Mündlichen wirkt und doch voller Kunst ist. Mehr John Fante für alle! Übrigens erscheint im Herbst ein weiterer Titel: Der Weg nach Los Angeles. 

 

 

 

 

 

Heike-Melba Fendel | ZEHN TAGE IM FEBRUAR

Wenn eine Frau lieber auf die Berlinale geht und dort ihrer großen Filmleidenschaft fröhnt und kurz nochmal zum Groupie wird, hat das schon Unterhaltungswert. Dass sie eigentlich gerade verlassen wurde – oder zumindest temporär – lässt sie nicht zusammenbrechen und an sich selbst zweifeln. Herrlich, dass es in der Literatur auch solche Frauenfiguren gibt. Wenn man nebenbei auch noch mindestens 20 Filmempfehlungen serviert bekommt, tanzt mein Herz.

 

 

 

 

DBC Pierre | FRÜHSTÜCK MIT DEN BORGIAS

Eine Geistergeschichte in einem skurrilen Schloss oder doch eine Beziehungs- und Verwechslungskomödie im digitalen Zeitalter? DBC Pierre verbindet beides auf eine so wundervolle Weise, dass sich WhatsApp-Chats und Geisterhände wunderbar zu einem Gesamtbild fügen. Voller schwarzem Humor, seltsamster Menschen (die Borgias bleiben für immer im Gedächtnis!) und dem düsteren Horror, keinen Empfang zu haben.

Hier geht es zu meiner Besprechung dazu.

 

Sucht ihr also mal nach einem Buch, das euch nachhaltig begeistert, mit dem ihr aber gleichzeitig auf der nächsten Cocktailparty angeben wollt: Im Blumenbar Verlag solltet ihr fündig werden.

Eure Mareike

 

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2 Kommentare

  • Antworten Bookster HRO 26. Juni 2017 um 07:38

    Schöne Liebeserklärung, kann ich nur unterschreiben. Bin seit Jahren treuer Leser. In meiner Bücherwand gibt’s eine extra Blumenbar-Abteilung mit mehreren Dutzend Titeln. Starke Romane mit schönem Design.
    Beste Grüße vom Bookster!

  • Antworten Renate 29. Juni 2017 um 16:26

    Hallo Mareike,

    Das war eine wunderschöne Liebeserklärung! Ich kannte den Verlag bis jetzt gar nicht, aber nachdem ich deine Zeilen gelesen habe werde ich mir in jeden Fall es mir mal näher anschauen. Vor allem deine Zusammenfassung von „Frühstück mit den Borgias“ hat mein Neugier geweckt.

    Liebst,
    Renate

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