[Kinderherzpotenzial] Barnett/Klassen – Sam und Dave graben ein Loch

Es gibt Kinder, für die gibt es kaum etwas Faszinierenderes, als mit einer Schaufel im Sand zu sitzen und einfach zu graben. Immer weiter und weiter. Irgendwann stoßen sie auf dunklere Erde, auf Steine und Wurzeln. Sie lieben die kühle Feuchtigkeit und die Krümel, die sich unter ihren Nägeln festsetzen. Sie fühlen sich wie auf einer wilden Expedition quer durch die Erde, wie Schatzsucher, die nur noch einen Spatenstich machen müssen, um auf einen Piratenschatz zu stoßen. Für all jede Kinder und alle, die diese Faszination näher begreifen möchten, ist dieses Buch.


[lightgrey_box]In der Hoffnung, einen Schatz zu finden, graben die beiden Freunde Sam und Dave ein tiefes Loch. Dabei graben sie sich an wahrhaftigen Schätzen vorbei, bis sie völlig erschöpft einschlafen. Im tiefen Schlaf fallen sie durch die Unendlichkeit. Und wo wachen sie wieder auf? Da, wo ihnen alles vertraut ist. Zu Hause, wo es Schokomilch und Tierkekse gibt.[/lightgrey_box]

Mit dem Titel ist eigentlich schon alles gesagt: Sam und Dave graben ein Loch. Und was für eins! Sie graben und graben und wollen erst aufhören, wenn sie auf etwas Besonderes stoßen. Einen Schatz vielleicht? Wie wäre es mit einem Diamanten, als Leser kann man den sogar schon sehen – nur noch ein paar Schaufelschwünge und sie hätten einen kopfgroßen Edelstein gefunden. Doch die beiden finden, dass sie lange genug nach unten gegraben haben, deshalb graben sie nun weiter zur Seite. Und auf ihrem Weg kreuz und quer durchs Erdreich verpassen sie die immer gewaltigeren Edelsteine. Jedes Mal trennt sie immer nur eine kleine Erdschicht von der großen Entdeckung, doch wie es der Zufall so will, wechseln sie kurz vorher die Grabrichtung.

Für Kinder ist dieses Spiel mit Perspektiven (wo ist oben/unten, was können die Figuren sehen und was sehen wir?) sehr spannend. Den Witz von dem immer knapp verpassten Schatz verstehen auch schon kleine Kinder. Und durch die knappe und prägnante Sprache kann man sich gut auf die Bilder konzentrieren.
Das Buch ist nicht nur sehr schön gezeichnet, sondern auch hochwertig hergestellt worden. Das Papier fühlt sich fest und ein wenig rau wie Fotokarton an, was zu den erdigen Farben und dem flächigen Stil besonders gut passt.
Mir hat besonders gefallen, dass Sam und Dave nicht ständig auf unterschiedliche Schätze stoßen und nicht zu viel im Erdreich versteckt ist, sondern die Gegenstände und Figuren im Buch nur sehr gezielt und reduziert eingesetzt werden. Dadurch bekommt das Buch eine ganz besondere, fast hypnotische Wirkung. Gleichzeitig wird am Schluss genau damit gespielt und die ganze Geschichte durch kleine, gezielte Veränderungen aufgebrochen. So steht zu Beginn des Buches ein anderer Obstbaum vor dem Haus der beiden Jungs und auch die wartende Katze ist leicht verändert. Das Ende ist ein wenig rätselhaft und genau das macht das Buch auch für ältere Kinder und Erwachsene durchaus lesenswert und interessant.

Fazit


Ein sehr cooles Bilderbuch, ungewöhnlicher und puristischer Stil. Die Geschichte ist witzig und mit einer leichten Prise surrealen Augenzwinkern. Wenn doch nur mehr Bilderbücher so einen lässigen Style hätten.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt


Eure Mareike


Marc Barnett, Jon Klassen – Sam und Dave graben ein Loch
Verlag: Nord&Süd
40 Seiten, Gebunden, 14,99 €

Diese Rezension ist in kürzerer Form bereits bei Bücherkinder.de erschienen. Vielen Dank für das Besprechungsexemplar.

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