Kinderherzpotenzial | Christian Gutendorf – Hicks!

Vermutlich kennt ihr den Loriot-Klassiker „Pappa ante portas“ über den Frührentner Herrn Lohse und seine Familie. Gemeinsam besuchen sie eine Lesung eines Lyrikers, der sein erstes Gedicht huldvoll und voller Pathos vorzutragen gedenkt. Doch plötzlich schüttelt es ihn und es macht „Hicks!“. Der Mann leidet unter einem grauenhaften Schluckauf, der ihn jedes Mal fast vom Stuhl fegt. Auch wenn man Mitgefühl mit ihm hat und dieses Leid kennt, so sind die Hickser einfach zu komisch. Man muss einfach lachen.

In dem Bilderbuch „Hicks!“ geht es um ein kleines Krokodil, das ganz genauso ernst und dramatisch an seinem Schluckauf leidet wie der Lyriker in „Pappa ante portas“. Die riesigen Krokodilsaugen reißt er bei jedem neuen Hickser dramatisch und gequält auf – ach, es ist schrecklich. Doch als (Vor-)Leser dieses süßen Bilderbuchs muss man einfach schmunzeln.

Das kleine Krokodil Egbert (SO und nicht anders sollte ein kleines Krokodil heißen!) liegt entspannt in der Sonne auf dem Rücken seiner Mama, als es abseits seines Geheges ordentlich scheppert. Egbert fällt vor Schreck vom schuppigen Rücken seiner Mama und HICKS! – da war der Schluckauf. Verzweifelt versucht er nun, diesen grässlichen Schluckser wieder loszuwerden. Doch nichts scheint zu helfen. Jedes Tier im Zoo hat einen anderen Tipp, ein anderes geheimes Rezept für die Entfernung von Schluckauf für ihn parat. Es werden all die klassischen Schluckauf-Tricks aufgelistet: Vom Zucker von Löffeln schlucken, Luft anhalten, Wassertrinken bis hin zum Erschrecken wird alles ausprobiert. Doch nichts hilft dem kleinen Kroko. Also muss er sich wohl zum Tierarzt begeben (Achtung, dieser Teil ist etwas gruselig!). Doch zum Glück gibt es ein Happy End mit einer recht überraschenden und komischen Wendung.

Normalerweise bin ich kein Fan von gereimten Kinderbüchern. Besonders, wenn es sich um Übersetzungen handelt, klingen die Reime schnell radebrechend und erzwungen. Als Vorleser kann man sich bei sowas schnell in einem gruseligen Singsang verlieren, den ich persönlich ganz lieblos und langweilig finde. So muss man Christian Gutendorf wirklich ein großes Lob aussprechen, dass seine Reime flüssig, lebendig und tatsächlich überraschend witzig sind.
Der Zeichenstil ist etwas krakelig und düster (jeder scheint hier an Schlafmangel und Glubschaugen zu leiden) und erinnert eher an Karikaturen als an typische Bilderbücher. Nein, süß und lieblich sind die Figuren sicherlich nicht. Doch passt dies zur Geschichte, die durchaus einige etwas rauere Momente hat.

FAZIT|


„Hicks! Ein Krokodil hat Schluckauf“ von Christian Gutendorf ist eines dieser Bilderbücher, bei denen man als Erwachsener ebenso viel Spaß hat wie als Kind. Kindern, die zu einem etwas düsteren Humor neigen (und ab einem gewissen Alter mögen das ja viele Kinder), kann ich dieses Bilderbuch sehr empfehlen. Das Goldkind und ich hatten eine Menge Spaß mit Egbert und den anderen Zoobewohnern.

Eure Mareike


Christian Gutendorf – „Hicks! Ein Krokodil hat Schluckauf“
Verlag: Carlsen
Gebunden, 32 Seiten, 12,99€

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

Keine Kommentare

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: