Joseph O’Connor – Die wilde Ballade vom lauten Leben

[lightgrey_box]Robbie und Fran kennen sich seit der Schule. Sie hängen rum, machen Musik und gründen eine Band, The Ships. Als sie von einer wenig glamourösen Tour durch die Collegebühnen der USA zurückkehren, verändert eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter alles. Auf den kometenhaften Aufstieg folgt ein bitterer Fall, der die Band auseinanderreißt und den Gitarristen Robbie zu Boden ringt. Jahre später berühren sich die Lebengeschichten der vier Bandmitglieder zu einem finalen Comeback.[/lightgrey_box]

1981 lernt der 17-jährige Robbie Goulding den gleichaltrigen Fran an der Universität in Luton kennen. Fran ist ein Querkopf und ein schräger Vogel, trotzdem verstehen sich die beiden auf Anhieb und beginnen, zusammen Musik zu machen. Was eigentlich als Spaß beginnt, wird irgendwie etwas Ernstes und als die Geschwister Sean und Sarah „Trez“ Sherlock dazu stoßen, entsteht scheinbar nebenbei eine Band: The Ships.
Die wilde Ballade vom lauten LebenEs folgt ein ziemliches Auf und Ab. Robbie berichtet aus der Ich-Perspektive von tollen und weniger tollen Auftritten, von Schlägereien, Drogeneskapaden, von Alkohol aber vor allem auch von Freundschaft. Als jedoch ihr erstes Album einen Überraschungserfolg landet, setzt eine Art von Überforderung ein. Es beginnt ein schleichender Prozess der Veränderung, der das Leben der vier Protagonisten ziemlich durcheinander wirbelt. Am Ende trennt sich die Band, die Mitglieder haben nur noch sporadisch oder gar keinen Kontakt mehr zueinander. So werden einige alte Wunden neu aufgerissen, als sich die Band 2012 zu einem Reunion-Konzert wieder trifft.

Musikerromane sind so eine Sache. Es ist einfach wahnsinnig schwer, dieses atemberaubende Rock’n’Roll-Gefühl über so ein (pardon) langsames Medium wie das Buch zu transportieren. Das ist ähnlich wie mit Anekdoten, die auch im Augenblick des Geschehens witziger sind, als beim späteren Nacherzählen. Entsprechend zwiegespalten stand ich dem Buch von Joseph O’Connor gegenüber und genauso unschlüssig lässt es mich zurück.
Der Autor beschreibt eine eigentlich klassische Bandgeschichte der achtziger Jahre. Ich habe auch schon einige Biografien von realen Bands gelesen und habe einige Parallelen ausmachen können. Seien es nun Drogengeschichten oder verpatzte Auftritte, das hier ist keine aalglatte Story eines Bandaufstiegs, sondern vielmehr die harte und gnadenlose Realität. The Ships kämpfen genauso mit Rückschlägen aller Art wie so viele hoffnungsvolle Jungmusiker. Doch so sehr mir das auch Gefallen hat, irgendwann fing es an, sich zu wiederholen. Da halfen auch die humorvoll trockenen und sarkastischen Beschreibungen Robbies und auch das wilde und laute aus dem Titel nichts (was auch im Überfluss vorhanden war), ich habe mich durch die erste Hälfte des Buches ziemlich quälen müssen. Hier hat sich die Geschichte einfach in die Länge gezogen, ohne dass irgendetwas Neues oder Aufregendes passierte.

Und dann kam der bereits oben erwähnte Zeitsprung ins Jahr 2012. An diesem Punkt nahm die Geschichte unglaublich an Fahrt auf, was mich für das Durchhalten mehr als entschädigt hat. Nicht nur die Beschreibung von in die Jahre gekommenen Musikern sind einfach herrlich, sondern auch die Art, wie Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft werden. Robbie blickt hier vor allem auf sein eigenes Leben und sein eigenes Scheitern zurück – völlig schonungslos. Dadurch erhält die Geschichte noch einmal eine völlig neue Seite, die sie sehr ehrlich erscheinen lässt.

Fazit


Ein Buch über das schnelle Leben des Rock’n’Rolls und dessen, was danach kommt. Denn im Showbiz ist nicht alles Glitzer und Glamour, es ist auch viel Dreck. Joseph O’Connor hat in dieser Hinsicht ein sehr ehrliches Buch geschrieben, das aber leider auch seine Längen hat.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leerkleines Herz leer

Eure Maike


Joseph O’Connor – Die wilde Ballade vom lauten Leben
Verlag: S. Fischer
416 Seiten, Hardcover, 22,99 €

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

2 Kommentare

  • Antworten Hauke 12. August 2015 um 16:14

    Ich bin ein Purpler!
    Da ich britische Rockmusik liebe – besonders die guten alten Legenden, hat mich dieser Roman in seinen Bann gezogen. Die Geschichte nimmt gegen Ende des Textes sehr an Geschwindigkeit zu und ich habe Deine genannten Längen wohl überlesen ;-)

  • Antworten Evy 2. September 2015 um 10:38

    Ich hab da Buch neulich in einer Zeitung gesehen – gut, dasss ich gleich ne Kritik dazu lesen kann :) Ich fand „Fake“ war ein schönes Buch – über eine Band, die zerfiel, bevor sie richtig, richtig groß war.

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: