Ingrid Noll – Halali

Im Herbst ist doch Jagd-Saison, oder? Jedenfalls war das der erste Gedanke, den ich beim Titel von Ingrid Nolls neuem Roman hatte. „Halali“ hat dann aber nichts mit prachtvollen Jagdgesellschaften zu tun, sondern ist vielmehr ein unerwartet knallharter Polit-Thriller.

Karin und Holda sind Kolleginnen und teilen sich das Büro. Vor allem aber verbringen die beiden ihre Freizeit miteinander und teilen ihre Geheimnisse bei der Suche nach dem richtigen Mann. Gerade ist Bonn Hauptstadt geworden, und im Innenministerium gibt es viel zu tun, nicht nur im Vorzimmer, sondern auch in der Dunkelkammer. Ihr Alltag wird immer spannender – und immer gefährlicher: Schon bald haben sie es nicht nur mit toten Briefkästen, sondern auch mit toten Agenten zu tun. Manchmal hilft nur noch Gegenspionage, um die eigene Haut zu retten.
Halali ist eine originelle Mischung aus Kriminalkomödie und Agentenroman. Die große Politik trifft auf die Sehnsucht nach dem kleinen Glück.

Holda, auch Frau Holle genannt, ist schon lange keine junge Sekretärin mehr. Das Alter zwickt hier und da und als Witwe hat man es nicht immer leicht. Doch zum Glück lebt ihre erwachsene Enkelin im gleichen Hochhaus und so ist Holda nicht allein. In Laura hat sie außerdem eine aufmerksame Zuhörerin, der sie vor der wohl aufregendsten Episode ihres Lebens erzählen kann: der Arbeit im noch jungen Bonner Innenministerium und ihre Verwicklung in einen Spionagefall.

Nach Bonn ist die junge Holda hauptsächlich gezogen, um dem kleinstädtischen Mief und der elterlichen Bäckerei zu entkommen. Dabei war es in den 1950er Jahren noch sehr unüblich, dass unverheiratete Frauen aus dem Elternhaus auszogen. Dennoch locken in der neuen Hauptstadt bessere Jobs und vielleicht auch ein passender Heiratskandidat. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Karin erkundet sie die Stadt am Rhein und macht dabei so einige kuriose Entdeckungen. Was zum Beispiel hat es mit der komischen Botschaft auf sich, die die beiden Frauen in einem Starenkasten finden? Und was hat der seltsame Kollege Burkhard Jäger damit zu tun? Ohne es zu merken sammeln sie Informationen, deren Wissen sie noch bereuen werden.

Schreibt Ingrid Noll immer so? Wenn ja habe ich ordentlich Nachholbedarf. Die Geschichte hat genau den richtigen Spannungsgrad (ich kann anschließend schlafen), ist komisch und unterhaltsam. Dabei fängt sie den Zeitgeist der 1950er Jahre hervorragend ein. Noll selbst lebte zu dieser Zeit in Bad Godesheim, genau wie ihre Protagonistin Holda. Ich habe schon Stimmen vernommen, die nach Parallelen zwischen den beiden Biografien fragen, aber das ist wohl ein Geheimnis, das die Autorin für sich behält. Besser so, denn die Geschichte ist wundervoll rätselhaft. Ich möchte sie nicht durch irgendwelche „Insiderinfos“ entzaubert wissen. Denn davon leben Agentenromane am Ende doch auch – sie müssen ein paar Geheimnisse für sich behalten.

Fazit


Lust auf ein etwas anderes Jagdvergnügen? Dann ist „Halali“ genau das richtige Buch für euch. Von der heimischen Couch aus könnt ihr euch auf eine spannende Zeitreise begeben und mit Holda und Karin die Hauptstadt der jungen Bundesrepublik unsicher machen.

Eure Maike

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