Ernest Hemingway & F. Scott Fitzgerald – Wir sind verdammt lausige Akrobaten

Hemingway. Mal wieder. Dieses Mal aber nicht als Autor eines Romans, sondern als engagierter Briefschreiber. Sein Gegenpart ist hier F. Scott Fitzgerald. Die beiden Schriftsteller waren seit ihrer gemeinsamen Zeit in Paris befreundet und standen auch in der Zeit danach im regen Austausch miteinander und zwar überwiegend auf dem Postweg. Ich habe das Buch übrigens letztes Jahr von Mareike geschenkt bekommen – die damit mal wieder bewiesen hat, dass sie mich einfach zu gut kennt.

Herausgegeben wurde der Band von Benjamin Lebert, der auch die Einleitung verfasst hat. Dort gibt er vor allen Dingen einen Überblick über die beiden Protagonisten und erklärt, was sie ein Leben lang verband. Dadurch bekommt der Leser einen guten Überblick und gewissermaßen einen Leitfaden für die Lektüre des Buches. Denn wie das bei Briefen nun mal so ist: es gibt auch viel Ungesagtes, was man als Außenstehender nicht so recht zu verstehen mag. Dem wirkt Lebert zwar mit einer Vielzahl durchaus hilfreicher Anmerkungen entgegen, aber alles wird auch da nicht erklärt. Das liegt vor allen Dingen an den teilweise recht großen Lücken im Briefwechsel, denn natürlich wurde nicht jeder Brief, den die Beiden wechselten, auch aufgehoben. Wie auch immer es sich erklären lässt, Hemingway kommt eindeutig öfters zu Wort. Ich persönlich bin überzeugt, dass Fitzgerald die Briefe beantwortet hat. Aber vielleicht fiel es Hemingway leichter, Dinge wegzuschmeißen, vielleicht sah er das bei seinen Umzügen als Last an? Oder sie sind während der Kuba-Zeit verloren gegangen, darüber kann ich nur spekulieren. Doch leider hat das mein Lesevergnügen etwas geschmälert, denn viele der Briefe wirkten für mich aus dem Zusammenhang gerissen und dadurch leicht „belanglos“. Beim Untertitel „Eine Freundschaft in Briefen“ hatte ich einfach etwas mehr wechselseitigen Austausch erwartet.

Wir sind verdammt lausige AkrobatenThema der beiden war vor allen Dingen ihre Arbeit. Sie lobten, kritisierten, gaben einander Ratschläge und nahmen dabei nie ein Blatt vor den Mund. Wenn sie fanden, der andere hätte etwas besser machen können, dann sagten sie es – und schoben in der Regel den passenden Tipp direkt hinterher. Pedantisch wie sie beide waren, nahmen sie einige Ideen dankend an, andere lehnten sie erklärungsreich ab. Und natürlich galt dieses Verhalten nicht nur für ihre eigenen Werke. Auch über aktuelle Erscheinungen tauschten sich die beiden immer wieder angeregt aus. Dabei ging es häufig auch mal etwas rauer zu, wenn die beiden sich über die Nuancen ihrer Meinungen uneins waren.
Wie gut die zwei sich verstanden, zeigt sich in den teilweise liebevollen, aber immer kreativ formulierten Schlussformeln. Dort zeigt sich immer wieder die große Verbundenheit der beiden, egal wie heftig die voran gegangene Diskussion war. Aufgelockert werden die Briefe durch Fotos, die beide in ihrer Entwicklung über die Jahre zeigen. Wenn die Familie aus den Briefen auch in der Regel ausgeschlossen sind (das war scheinbar kein Thema von Interesse), so tauchen sie doch immerhin in dieser Form im Buch auf.

Fazit


Zugegeben, das hier ist schon ein Buch für Fans der beiden Autoren oder von Briefsammlungen. Wer aber zu einer dieser beiden Gruppen gehört, der wird seine Freude an dem Bändchen haben.

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Eure Maike


Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald – Wir sind verdammt lausige Akrobaten
Verlag: Hoffmann und Campe
160 Seiten, gebunden, 17,99 €

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2 Kommentare

  • Antworten Marina 13. September 2015 um 14:09

    Fan von Fitzgerald – Check
    Fan von Briefwechseln – Check.

    Yes, total mein Buch! Das muss ich mir echt mal näher angucken. Aufgrund meiner Masterarbeit, bei der ich mich mit einem Briefwechsel auseinander gesetzt habe, kann ich bestätigen, dass es manchmal echt frustrierend ist, wenn nicht alle Briefe der Korrespondenz erhalten sind. Und mich würde so oft noch das große Ganze außenrum interessieren, manchmal reicht da ein Stellenkommentar nicht aus, um alles zu erklären.

    • Antworten Maike 13. September 2015 um 18:25

      Hey Marina,

      genau so ist es! Aber lies das Buch trotzdem unbedingt, ich glaube, du hast verdammt viel Spaß daran.
      Liebe Grüße, Maike

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