Hello London – auf kulinarischer Reise mit Miss Violet

„Die besten Rezepte und Storys aus der City“ – der Untertitel des Buches klingt doch verheißungsvoll. Und so viel kann ich vorweg schon einmal sagen, das Buch bringt tatsächlich ein wenig London-Feeling nach Hause! Ich hab es zwar so gar nicht mit Kochen, stöbere aber wahnsinnig gerne in Kochbüchern. Genau genommen lese ich sie tatsächlich wie normale Romane – jeder hat eine Schwäche, was? Und wenn es sich dann auch noch um Werke britischer Köche handelt, bin ich restlos begeistert. „Miss Violet goes London“ war somit für mich ein echtes Must-Have. 

Die Autorin Violet Kiani hat es nach London verschlagen, wo sie sich nun auf die Suche nach typisch Britischem macht: Rezepte, Anekdoten, Tipps für Touristen und viele kleine Storys von Einheimischen, alles mit einem kulinarischen Einschlag. Doch anders als ich aufgrund des Untertitels gedacht hatte, sind nicht die Rezepte das Herausragende an diesem Buch. Es wurden auf jeden Fall Rezepte ausgewählt, die auf mich unglaublich britisch wirken: Lamm mit Minzsauce, Eton Mess, Cottage Pie oder Bloody Mary, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Aber es handelt sich dabei keinesfalls um einfach nachzukochende Rezepte, in der Regel benötigt man dazu besondere Zutaten. Ich hatte z.B. nicht mal die passenden Zutaten für die verdammt appetitlich aussehenden „Slut’s Spaghetti“ à la Nigella Lawson im Haus! Eigentlich schade, denn die Bilder zu den Rezepten machen unendlich hungrig und ich hatte beim Lesen immer wieder den Geruch von Fish & Chips in der Nase.

Viel besser gefällt mir da der Story-Teil des Buches. Ob nun in Elaine Chambers Restaurant im West End oder beim Besuch der Torten-Designerin Lily Vanilli – Volet Kiani entführt ihre Leser mühelos in unterschiedliche Viertel der Stadt. Sie berichtet von Spannendem, Wissenswertem und ganz Alltäglichem mit diesem ganz besonderen Charme, der dieses Buch ausmacht. Man hat direkt Lust, zusammen mit ihr durch Soho zu flanieren oder den Borough Market zu besuchen. Außerdem erfährt man viel über die Menschen dahinter, für sie ist ein Restaurant nicht nur ein Ort, an dem man etwas zu Essen bekommt. So stellt sie immer wieder Köche und Köchinnen in ihrem „natürlichen Lebensraum“ vor. Da unterscheidet sich das Buch von klassischen Reiseführer, es haucht ihm echtes Londoner Leben ein. Man möchte sich direkt mit in die Küche stellen und, während man die Zubereitung seines Essens beobachtet, einen kleinen Plausch halten.
Jedem Kapitel sind dabei wichtige Tipps angehängt. Einerseits sind das ganz grundlegende Dinge, wie Adressen und Öffnungszeiten von den beschriebenen Restaurants und anderen empfehlenswerten Lokalitäten. Darüber hinaus gibt sie aber andere Tipps, z.B. Verhaltensregeln im Pub. Ich persönlich sehe darin die Fettnäpfchen-Falle Nr. 1 und lege besonders diese Lektüre jedem England-Reisenden ans Herz.

Fazit: Das Buch ist eine Mischung aus Kochbuch und Reiseführer, aber dabei doch soviel mehr! Denn Miss Violet zeigt nicht nur Orte, sondern vor allen Dingen die Menschen dahinter. Dadurch verleiht sie dem Buch eine Lebendigkeit, die man so bei einem Sachbuch nicht erwartet. Da stört es mich gar nicht, dass die Rezepte nicht ganz so sind, wie ich es mir erhofft hatte. Denn auch in allen anderen Teilen des Buches, überwiegt der kulinarische Aspekt.
Auch wenn man Adressen und Öffnungszeiten vor einem Trip nach London noch mal recherchieren sollte (alles in London ist ständig in Bewegung), ist dieses Buch eine hervorragende Vorbereitung auf die Reise und versetzt einen auf jeden Fall in die richtige Stimmung. Zum Mitnehmen wäre es mir persönlich zu schwer, aber wer weiß, vielleicht erscheint ja noch mal eine EBook-Version!

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Violet Kiani – Miss Violet goes London
Umschau Verlag
144 Seiten, Hardcover, 19,99 €

Eure Maike

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

Keine Kommentare

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: