Hannah Rothschild – Die Launenhaftigkeit der Liebe

Ein Buch, das in der Kunstszene angesiedelt ist, habe ich noch nie gelesen. Und offen gesagt war ich anfangs auch skeptisch. „Kunstszene“ klingt schon ziemlich staubtrocken und langweilig. Dass mich hier ein spannender Krimi erwartet, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Kleiner Spoiler: Das Buch hat mich auf einen Schlag (also binnen weniger Seiten) überzeugt.

Annie McDee ist nach London gezogen, um nach der Trennung von ihrem langjährigen Freund einen Neuanfang zu wagen. Eines Tages kauft die junge Köchin in einem Trödelladen ein verstaubtes kleines Gemälde, nicht ahnend, dass dieses Bild nur wenige Monate später die internationale Kunstwelt in helle Aufregung versetzen wird. Schwerreiche russische Oligarchen, Staatspräsidenten, die Gattin eines Ölscheichs und ein Gangsta-Rapper werden vor dem altehrwürdigen Auktionshaus Monachorum & Sons Schlange stehen, um den »Verkauf des Jahrhunderts« für sich zu entscheiden. Doch auch Annies Leben wird durch ihren Zufallsfund auf den Kopf gestellt. Unversehens gerät sie ins Zentrum der dunklen Machenschaften skrupelloser Kunsthändler, die zu allem bereit sind, damit ein gut gehütetes Familiengeheimnis nicht ans Tageslicht kommt…

launenhaftigkeitNach dem Ende einer langen Beziehung landet Annie in London. Dort lernt sie zwar schnell einen neuen Mann kennen, der entpuppt sich aber als Niete und kehrt an seinem Geburtstag zu seiner Ex zurück. Annie sitzt allein mit seinem Geburtstagsessen und seinem Geschenk – einem kleinen Bild, das sie in der Ecke eines Trödelladens entdeckt hat. Sie hat keine Ahnung, dass sie „Die Launenhaftigkeit der Liebe“ erworben hat, ein sagenumwobenes Gemälde von Antoine Watteau. Das Bild hat eine ziemlich skandalträchtige Geschichte, war es doch unter anderem im Besitz von Marie Antoinette und Queen Victoria. Doch auch im Hier und Jetzt sorgt es für eine Menge Wirbel. Denn Annies Arbeitgeber sind zufällig die Winkelmans, DIE Kunsthändler schlechthin. Und die ahnen nicht, welchen Schatz ihre Köchin hütet, obwohl sie verzweifelt auf der Suche nach eben jenem Bild sind. Das Bild ist auf seltsame Art und Weise mit dem Schicksal der Familie verflochten, auch wenn Memling Winkelman – der Gründer und Patriarch des Unternehmens – sich dazu in Schweigen hüllt.

Wenn dieses Buch auch nur ein Fünkchen Wahrheit über die Kunstszene beinhaltet, dann kann ich nur sagen: mein lieber Scholli. Denn da ist es so gar nicht langweilig, eher im Gegenteil. Wer hin und wieder die Nachrichten schaut, sieht dort auch gelegentlich Berichte über Versteigerungen in berühmten Auktionshäusern, in denen gerade irgendein Meisterwerk den Besitzer wechselt. Dabei werden unglaubliche Summen aufgerufen. Das scheinen keine Ausnahmen, sondern eher die Regel zu sein. Natürlich, die Nachfrage bestimmt den Preis. Und wenn es von jedem Künstler nur eine begrenzte Zahl an Originalen gibt (und die Herrschaften in der Regel auch nicht mehr nachliefern) und jedes Stück ein Unikat ist, dann erklärt das natürlich den Wert. Rothschild beleuchtet das System dahinter auf eine ganz interessante Art und Weise. Sie lässt auch diejenigen zu Wort kommen, die den Superreichen die Kunst näher bringen und ihnen gewisse Dinge regelrecht „aufschwatzen“.  Dabei gelingt es der Autorin, auch die Geschichten der einzelnen Protagonisten zu erzählen und miteinander zu verknüpfen. Man kennt sich und pflegt eine gesunde Konkurrenz um begehrte Bilder, Freunde und wofür man sich sonst so interessiert. Dabei spielen sich auch viele kleine und große Dramen ab, die Rothschild nach und nach einfließen lässt.
Besonders aber gefällt mir das Bild selbst, das ebenfalls zu Wort kommt. Nicht nur schildert es immer wieder seine gegenwärtige Situation, sondern es erzählt auch seine Geschichte. Man erfährt, warum es gemalt wurde, wie es auf Wanderschaft ging und wo es überall Station machte. Ein Kurztrip durch die Geschichte mit einigen pikanten Einblicken.

Fazit


Dieser spannende Kunstkrimi beweist, dass klassische Kunst alles andere als langweilig ist. Und dank eines redseligen Bildes lernt man auch noch etwas über Kunst.  Großartige Unterhaltung, die bis zur letzten Seite spannend ist.

 

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt

Eure Maike


Hannah Rothschild – Die Launenhaftigkeit der Liebe
Verlag: DVA
512 Seiten, gebunden, 21,99 €

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2 Kommentare

  • Antworten nettebuecherkiste 15. Oktober 2016 um 14:25

    Habe ich auch auf der Liste! :-)

  • Antworten literatewanderlust 16. Oktober 2016 um 19:29

    Ich habe das Buch im Frühjahr bereits auf Englisch gelesen und mich hat es auch absolut begeistert! Für mich eines meiner Lesehighlights dieses Jahr – oder auch überhaupt. :-) Ich habe es auch schon oft empfohlen.

    https://literatewanderlust.wordpress.com/2016/07/01/rezensionreview-the-improbability-of-love-hannah-rothschild/

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