Günther Jakobs – Schnabbeldiplapp

„Schnabbeldiplapp – Ein wasserscheues Bilderbuch“ von Günther Jakobs hat zwar einen eher zungenbrecherischen Titel, doch der Inhalt ist herzerwärmend.
Als wir vor etwa zwei Monaten mit dem Goldkind einen Schwimmkurs anfingen, gab es bei ihr im Vorfeld einige Ängste: Was, wenn das Wasser kalt ist oder in den Augen brennt? Mussten sie vielleicht vom Beckenrand springen? Was, wenn der oder die Schwimmtrainer nicht nett sind? Vielleicht sind sie sogar streng und sehen nicht, wenn man nicht mehr kann? Und sowieso: Mit Schwimmflügeln klappt das doch ganz gut. Wieso ein funktionierendes System verändern?

Wenn man sich einer neuen Herausforderung stellen muss, dann kommen gern mal Zweifel. Wir kennen das alle. In dieser zauberhaften Geschichte ist es ein kleiner Erpel, der ebenfalls mit Selbstzweifeln zu kämpfen hat.  Henry Schwan genießt das sonnige Wetter und springt mit begeistertem Kopfsprung in den kühlen See. Bis er eine traurig dreinblickende Ente am Ufer entdeckt. Der kleine Erpel heißt Emil und traut sich nicht ins Wasser. Henry ist ganz verblüfft: Eine Ente, die sich nicht ins Wasser traut? Etwa, weil sie nicht schwimmen kann? Sowas hat der schöne Schwan noch nie gehört. Doch statt lange zu überlegen, ruft er „Schnabeldiplapp, das kann doch gar nicht sein.“ , schnappt sich Emil kurzerhand und fährt in seiner quietschgelben Ente Richtung Schwimmbad.

Nachdem Emil immer wieder Ausreden und Verzögerungstaktiken vorgeschützt hat, gelingt es dem Schwan endlich seinen neuen, wasserscheuen Freund ins Schwimmbecken zu bekommen. Und plötzlich – mit viel Feingefühl und ein paar kleinen Kunststücken hat er Erfolg!
Denn wie es nun mal oft so ist: Die Gedanken im Vorfeld sind oft viel dramatischer, als einfach mal (in diesem Fall wörtlich) ins kalte Wasser zu springen.

In lustigen Bildern und mit viel Situationskomik erweckt Günther Jakobs hier in Text und Illustration eine farbenprächtige Tierwelt zum Leben. Das Schwimmbad wimmelt vor lustigen Tierkindern mit Schwimmnudeln und Badekappen. In abwechslungsreichen Bildern (mal ganzseitig, mal im comicstil mit mehreren Fenstern), wird hier von Aufregung, Selbstzweifel und Überwindung erzählt, ohne dabei je die Leichtigkeit zu verlieren. Die Texte sind teilweise etwas lang und das häufig auftauchende „Schnabbeldiplapp“ geht mir wirklich nicht leicht von den Lippen.
Doch jedes Kind findet sich wohl in der kleinen Ente Emil und seinen Unsicherheiten wieder. Das perfekte Buch zum Mut-machen, ohne ein „Mutmach-Buch“(Brr…) zu sein.

Eure Mareike

P.S.:
Hier könnt ihr den Entstehungsprozess von einer der Zeichnungen sehen. Sehr spannend, wie ich finde.


Günther Jakobs – Schnabbeldipapp
Verlag: Carlsen
Gebunden, 32 Seiten, 12,99 €

MerkenMerken

MerkenMerken

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

Keine Kommentare

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: