Fitzgerald – Wir waren furchtbar gute Schauspieler

Als das wohl glamouröseste Paar der Literatur gelten Zelda und F. Scott Fitzgerald. Sie sind Ikonen der Lost Generation und strahlen Glamour und Drama weit über die Literatur hinaus aus. Doch ihre Ehe wurde nicht nur beneidet, schlussendlich waren sie auch ihr gegenseitiger Untergang. So pompös sie in den 20er Jahren lebten und feierten, so gnadenlos bekämpften sie sich in 30ern und starben schließlich beide in den 40er Jahren. F. Scott erleidet verarmt und einsam in Los Angeles einen Herzinfarkt. Zelda kommt bei einem Brand in einer North Carolinaer Nervenklinik um, in der sie nach ihrem Nervenzusammenbruch mit diagnostizierter Schizophrenie lebte.

Nun ist ein Originaldokument vom Psychiater Dr. Thomas Rennie erstmals auf Deutsch erschienen, dass die Abgründe der Fitzgerald-Ehe beleuchtet. 1933 haben sich die beiden mit dem Psychiater getroffen und mit ihm über ihre Ehe gesprochen, in der Hoffnung auf eine Schlichtung. Beide hoffen noch, dass eine Versöhnung und ein gemeinsames Glück nicht unmöglich ist.
Spannend wie ein Krimi führen die drei Sprecher eine intensive Unterhaltung über die Sehnsüchte und Bedürfnisse der berühmten Fitzgeralds.
F. Scott steckt mitten in einer Schaffenskrise: Seit seinem Erfolg mit „Der große Gatsby“ schaut die gesamte Literaturwelt auf ihn. Er gilt als der bestbezahlte Autor von Erzählungen und ermöglicht ihm und Zelda dadurch ein Leben, das nach Außen wie ein einziges rauschendes Fest wirkt, eine große Villa und den Zugang zu den elegantesten Kreisen. Doch er fühlt sich von den Schriftstellerambitionen seiner Frau bedrängt. Er wirft ihr vor, dass sie ihn plagiieren würde, seine Ideen übernehmen würde und fürchtet um sein Ansehen als Autor.

Ein Großteil der Unterhaltungen dieses knapp zweistündigen Hörspiels dreht sich um diesen Verdacht und seine Auflösung. Als Ehemann hat Scott alle Rechte auf seiner Seite, er kann eine Veröffentlichung, besonders wenn sein Name im Spiel ist, verhindern und er versucht seine Frau dazu zu bringen, die Schriftstellerei vollends aufzugeben. Für ihn ist sie ein aufmerksamkeitsheischendes Kind ohne ersichtliches Talent und sie sehnt sich nach künstlerischer und finanzieller Emanzipation.

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Zelda:“Ich will das Recht auf meinen eigenen Willen.“
Scott: „Und das kannst du nicht haben ohne mich zu zerbrechen, also musst du es aufgeben.“

 

Mit sprachlicher Brillanz und scharfzüngiger Analyse geht das Ehepaar aufeinander los, greift jede Schwäche des anderen brutal und offen an. So werden Alkoholismus, Medikamentenmissbrauch, häusliche Gewalt und die Manipulation der gemeinsamen Tochter Scottie ins Feld geführt und beinahe genüsslich vor dem Psychiater ausgebreitet. Doch es gibt auch leisere Töne, in denen man die Liebe und Verbundenheit des Glamourpaares zu erahnen scheint. Schöne Erinnerungen an die berühmte Zeit in Paris und gemeinsame Urlaube erlauben einen kurzen Rückblick auf eine schönere, heilere Zeit im Hause Fitzgerald. Der Respekt vor der gegenseitigen Intelligenz trifft aber immer wieder auf den eigenen sehr stark ausgeprägten Egoismus.
Die Inszenierung von Lutz Hachmeister haucht diesem Dokument intensives, knisterndes Leben ein. Besonders die Sprecherleistung von Birgit Minichmayr ist beeindruckend. Ihre schnarrend, zuweilen heiser-erregte Stimme greift perfekt die Verzweiflung einer Ehefrau der 30er Jahre auf, die eher in eine Anstalt gesperrt wird, bevor man ihr Autonomie zugesteht.

Fazit


Eine herausragend inszenierte Lesung und ein spannender Einblick in eine der bekanntesten Ehen der Literaturgeschichte. Brutal und gnadenlos und doch von höchster sprachlicher Brillanz nehmen F. Scott und Zelda Fitzgerald ihre Ehe Stück für Stück auseinander. Spannend wie ein Krimi!
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Eure Mareike


F. Scott Fitzgerald, Zelda Fitzgerald – Wir waren furchtbar gute Schauspieler. Psychogramm einer Ehe
Gelesen von Birgit Minichmayr, Tobias Moretti, Lutz Hachmeister
Verlag: Der Hörverlag
2 Audio-CDs, Laufzeit: 109 Minuten, 19,99 €

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3 Kommentare

  • Antworten Marina 19. Juni 2015 um 23:46

    Neinneinnein, ich schreibe jetzt keinen Kommentar, das wäre viel zu vorhersehbar …



    Hach, die Fitzgeralds. ♥ Obwohl, eigentlich kann ich das gar nicht in der Mehrzahl sagen, von Zelda hab ich noch nichts gelesen, es steht aber im Bücherregal eine Biografie über sie.
    In die Lesung hab ich gerade mal reingehört, die weibliche Stimme ist echt toll, beim Mann bin ich mir nicht sicher, ob ich dem so lange zuhören mag. Und ich bin eh nicht so der Hörmensch. Mal gucken. Auf meine Merkliste ist die CD trotzdem mal gewandert.

  • Antworten Buchiger Monatsrückblick Juni | Herzpotenzial 1. Juli 2015 um 18:21

    […] schöner, dass beide Lesungen absolut exzellent waren. Über die beeindruckende Inszenierung von „Wir waren furchtbar gute Schauspieler“ habe ich euch bereits berichtet. Und die beeindruckende Stimme von Mechthild Großmann macht […]

  • Antworten Buchiger Monatsrückblick Juli | Herzpotenzial 5. August 2015 um 16:07

    […] natürlich Pflicht. Dazu passend bin ich dank Mareike diesen Monat auch in den Genuss von „Wir waren furchtbar gute Schauspieler“ gekommen. Relativ frisch beendet habe ich Harper Lees „Gehe hin, stelle einen […]

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