[Rezension] Erich M. Remarque – Im Westen nichts Neues

Im Westen nichts Neues habe ich aus Anlass eines traurigen Jubiläums gelesen: In diesem Jahr jährt sich der Beginn des ersten Weltkrieges zum 100. Mal.

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Erich Maria Remarques Buch gilt als beispielloser Anti-Kriegs-Roman. Das Buch spielt überwiegend an der Westfront oder in den Lagern hinter den Linien. Erzählt wird die Geschichte von Paul, der einer der ersten Kriegsfreiwilligen ist. Er geht mit neunzehn Jahren direkt von der Schule ohne Abschluss an die Front, begleitet von vielen Klassenkameraden und getrieben vom Siegeswillen. Doch bereits nach kürzester Zeit setzt die Ernüchterung ein, sie stellen fest, dass ein Krieg eben nicht über Nacht zu gewinnen ist und keineswegs so romantisch verklärt ist, wie sie sich das vorgestellt haben. Denn Menschen sterben, auch Freund und nicht nur  „der Feind“.

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Besonders beeindruckt hat mich, wie Banalität und Grauenhaftes immer wieder nahtlos ineinander übergehen. So berichtet Paul einerseits in vollkommen harmlosen Episoden von der Langeweile abseits der Front. Andererseits besuchen sie verletzte und sterbende Freunde im Lazarett. Und auch an der Front zeigt sich diese Zweischneidigkeit. Einerseits das ruhige Warten in einem Bunker auf das Kommando zum Angriff und dann wieder die Aggression und der Hass im Kampf, wo sie ohne zu Zögern töten. Zeit zum Nachdenken nimmt man sich nicht, denn das würde sie zu einem leichten Ziel für den Gegner machen. Der Krieg ist allgegenwärtig und durchdringt alles. Keiner der Männer kann ihn abschütteln, weder abseits der Front noch bei den raren Heimaturlauben. Sie verinnerlichen ihre „neuen“ alltäglichen Handlungen und so auch den Krieg, und bei aller Grauenhaftigkeit gibt er ihnen Struktur und Sicherheit. Doch unter allem schimmert immer wieder Menschlichkeit hervor, die man bei all der brachialen Gewalt gar nicht mehr erwartet.
Remarque zeigt schonungslos die Grausamkeiten des Krieges. Das wird besonders am Einsatz von Chemiewaffen deutlich, die erstmals im ersten Weltkrieg genutzt wurden. In der Regel handelte es sich um Chlorgasbomben, gegen die man sich nur durch Atemschutzmasken schützen kann. Wird man vom Angriff überrascht oder legt die Maske nicht korrekt an, wird einem die Lunge bei lebendigem Leib verätzt.

Fazit: „Im Westen nichts Neues“ zeichnet ein sehr eindrückliches Bild vom Krieg. Die Hilflosigkeit der Akteure, die doch nur kleine Teilchen im großen Getriebe des Krieges sind und gleichzeitig das eigene Schicksal in den Händen halten, haben mich nachhaltig beeindruckt.

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Erich Maria Remarque – Im Westen nichts Neues
KiWi Verlag
336 Seiten, Taschenbuch, 6,99€
Leseprobe

Eure Maike

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1 Kommentar

  • Antworten Tobi 8. Januar 2015 um 13:46

    Ich habe das Buch mal vor langer Zeit als Lektüre lesen müssen. So schonungslose Geschichten vom Krieg sind eine sehr schwere Kost. Nochmal würde ich es wohl nicht lesen, denn so ein Buch führt bei mir immer zu einem gewissen Schwermut.

    Sehr gut Zusammengefasst, mir gefällt deine Art zu schreiben.

    Liebe Grüße
    Tobi

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