[Rezension] Karen Thompson Walker – Ein Jahr voller Wunder

Ein Jahr voller Wunder ist der Debütroman von Karen Thompson Walker, der bereits als Bestseller in verschiedene Sprachen übersetzt wurde.

Die Grundsituation ist folgende: Eine kleine Familie sitzt in Kalifornien am Frühstückstisch und erfährt, dass die Welt sich immer weiter verlangsamt. Jeder Tag wird ein wenig länger. Innerhalb weniger Wochen ist ein Tag nicht mehr 24, sondern 40, 50, 60 Stunden lang. Der Lebensrhythmus und auch die Umwelt gerät aus den Fugen.
In dieser neuen Welt muss nun die Protagonistin und Ich-Erzählerin einen Weg in einen neuen Alltag finden. Rückblickend erzählt sie von dieser Anfangszeit der Verlangsamung, als sie 11/12 Jahre alt war und den Beginn der Pubertät durchlebt. Sie beschäftigen nämlich neben der globalen Veränderung vor allem auch ihr (sehr kümmerliches und kompliziertes) Sozialleben, die Eheprobleme ihrer Eltern und vor allem der geheimnisvolle coole Skater an der Bushaltestelle.

 Ein Jahr voller Wunder

Stil: Die Ereignisse werden in der Retrospektive der Protagonistin erzählt. Sie beschreibt ca. 10-15 Jahre nach dem Beginn der Verlangsamung wie sich ihr damals die Situation dargestellt hat. Es wird ausführlich auf das Innenleben der damals 11 jährigen eingegangen. Gleichzeitig nimmt die Erzählerin immer wieder voraus, dass es ja noch viel schlimmer werden würde oder es noch keiner ahnte, wie schlimm es wirklich werden würde. Sätze, der sehr häufig fällt und mich irgendwann dann doch sehr störten.

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Cover: Ein sehr schön gestaltetes Buch. Eine in harmonischem Grün-Gelb gehaltene Straße mit einem Sternenhimmel darüber. Mich haben der Titel und auch das hübsche Cover sehr irritiert. „Wunder“ ist für mich ein durchgängig positiv besetztes Wort und passt nicht zu den verheerenden Veränderungen, die die Erzählerin hier beschreibt. Außerdem führte mich das „Jahr“ im Titel noch mehr in die Irre, weil ich ständig davon ausging, dass sich nach einem Jahr alles wieder einrenken würde. Aber eigentlich handelt es sich bei diesem Buch um eine Form von Endzeiterzählung. Im Klappentext heißt es, dass die Menschen weiterhin lieben, streiten etc. und das lies mich hoffen, dass auch MAL etwas Positives geschehen würde. Man wartet händeringend auf etwas Schönes, etwas Erfreuliches, ein Wunder. Das Wunder bleibt aus und ich blieb mit einem schalen Gefühl zurück.

Layout: Die Schrift ist klar und angenehm. Es gibt nummerierte Kapitel, die sich an den Rhythmus der Verlangsamung anpassen. Anfangs sind die Kapitel noch recht kurz und beschreiben noch recht kompakte Zeitabschnitte. Mit der Ausdehnung der Tage werde auch die Kapitel länger und fließender. Ein nettes Detail.

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Fazit: Das Buch ist wirklich nicht schlecht, es ist leise und nachdenklich. Es erzählt sehr einfühlsam aus dem Leben eines einsamen jungen Mädchens, das sich nach Zuneigung und Bindung sehnt. Zugleich ist es ein interessantes Gedankenexperiment, was mit uns und der Umwelt, den Tieren, der Natur passieren würde, wenn ein Tag keine 24 Stunden mehr dauern würde.Ich habe das Gefühl, als habe die Autorin sehr ausführlich und sehr gewissenhaft recherchiert. Leider hatte ich völlig andere Erwartungen an dieses Buch und wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer, ein feines Lächeln, hätten die Lektüre vielleicht etwas unterhaltsamer gestaltet. So war es manchmal etwas quälend und ich bleibe mit einem sehr traurigen Gefühl zurück. Das Buch an sich ist wirklich zu empfehlen. Die Autorin hat ein sehr einfühlsames Portrait eines jungen Mädchens in einer zusammenbrechenden Welt erschaffen und ich bin sehr gespannt, was sie noch für Bücher verfassen wird. Ich war einfach nicht vorbereitet auf ein so ernstes Buch.

Habt ihr schon etwas von diesem Buch gehört? Wie geht ihr mit sehr ernster Lektüre um?

Eure Mareike

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