[Rezension] E.M. Forster: Zimmer mit Aussicht

Der Roman „Zimmer mit Aussicht“  von E.M.Forster erschien 1908.

Der erste Teil spielt 1907 in Florenz und Umgebung. Die junge Miss Lucy Honeychurch (Was für ein Name!) ist mit ihrer ältlichen Cousine Charlotte Bartlett als Anstandsdame auf Reisen. Charlotte lässt sich beim Abendessen in der Pension sehr lautstark darüber aus, dass man ihnen keine Zimmer mit Aussicht auf den Arno bereit gestellt habe, wie es verabredet gewesen sei.

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Gäste vom Nachbartisch, Mr. Emerson und sein Sohn George bieten den Damen daraufhin ihre Zimmer an, die eben diese Aussicht hätten.
Pikiert lehnt Miss Bartlett ab, denn sie sieht in diesem Angebot eine anrüchige Verletzung der gesellschaftlichen Anstandsregeln. Nach dem Eingreifen des ebenfalls in der Pension residierenden Reverend Beebe, nehmen die beiden Damen das Angebot des Zimmertauschs doch an.

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Ich möchte nicht zu viel verraten, aber nach einigen Ereignissen reisen Lucy und Charlotte überstürzt nach England zurück. Dort spielt der zweite Teil. Lucy verlobt sich mit einem sehr gebildeten Ästheten namens Cecil und der Reverend Beebe, sowie die eher unkonventionellen Emersons ziehen in ihr beschauliches Dorf.

Mir hat die Sprache des Buches sehr gut gefallen. Sie ist witzig, leicht und pointiert. Die Figuren sind skuril und eigenwillig. Dadurch gewinnt man sie sehr schnell gern. Das schöne an der Reisesituation ist, dass Personen aus sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen aufeinander treffen. Die Autorin von Liebesromanen, die reichen alten Jungfern, der romantische Anarchist, die naive Jungfer aus besseren Kreisen. Diese bunte Mischung lässt sehr unterhaltsame Dialoge entstehen und es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Figuren mit der italienischen Kultur und deren Eigenheiten umgeht.

Wir haben dieses Buch übrigens in den Kulturwissenschaften in einem Seminar über Tourismus behandelt. Denn die eben genannten Figuren stellen ganz typische Touristen-Typen dar. Es ist sehr spannend, zu beobachten, wie sich der eine mit Baedeker bewaffnet von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hangelt, der nächste wie ein Schaf in der Stadtführungsherde herumtrottet und sich der dritte bewusst abseits der Wege auf Abenteuer begibt.

Die Verfilmung von 1985 mit Maggie Smith, Judi Dench und Helena Bonham-Carter ist unglaublich nah am Buch und greift die Atmosphäre sehr gut auf. Gerade für diese Genauigkeit hat er auch mehrere Oscars bekommen. Der Film lohnt sich auf jeden Fall!

 

Fazit: Charmant, bissig, mit wundervollem britischem Humor und Feinsinn. Man erfährt viel über das Reiseverhalten, aber auch das Wesen der Briten. Es gibt für mich einige unglaublich komische Szenen, bei denen ich laut lachen musste und vieles, was einen überrascht. Das Buch ist romantisch, leicht und  komisch. Ich liebe es und kann es euch nur sehr warm ans Herz legen.

Eure Mareike

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