Der Fänger im Roggen – JD Salinger

Der Fänger im Roggen (The catcher in the rye) ist ein von J.D. Salinger verfasster Roman, der 1951 veröffentlicht wurde. Ich habe das Buch im englischen Original gelesen.

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Inhalt: Der Ich-Erzähler der Geschichte, Holden Caulfield, berichtet rückblickend über die Ereignisse an drei Tagen. Er beginnt die Erzählung mit seinem Schulverweis von der Pencey Prep, einer ziemlich exklusiven Privatschule in Agerstown, Pennsylvania, an einem Samstagmorgen kurz vor Weihnachten. Er verabschiedet sich von seinem Lehrer Spencer und kehrt auf sein Zimmer zurück. Dort erfährt er von seinem Zimmergenossen Stradlater, dass dieser ein Date mit Jane Gallagher hat. Das versetzt Holden ziemlich in Aufregung, da er selbst an Jane interessiert ist. Nach einigen enttäuschen Unterhaltungen mit Mitschülern will er nicht länger im Internat bleiben, aber auch noch nicht in die Wohnung seiner Eltern in der 71. Straße in New York fahren. Also macht er sich ziellos auf den Weg nach Manhattan und quartiert sich in einem Hotel ein. Er telefoniert mit einer Ex-Stripperin, lernt in der Hotelbar drei amerikanische Touristinnen kennen und bezahlt eine Prostituierte, damit sie nicht mit ihm schläft. Am Sonntag trifft er beim Frühstück zwei Nonnen, anschließend kauft er für seine kleine Schwester Phoebe eine Schallplatte, die jedoch im weiteren Verlauf des Tages kaputt geht. Nachmittags trifft er sich mit einer alten Schulfreundin, die beiden gehen ins Theater. Das Date endet jedoch im Streit, nachdem Holden vorschlägt, dass sie gemeinsam durchbrennen könnten. In der Nacht dieses Tages schleicht er in die Wohnung seiner zu diesem Zeitpunkt abwesenden Eltern, um seine kleine Schwester Phoebe zu sehen. Nachdem er nach der Rückkehr seiner Eltern die Wohnung fluchtartig verlässt, um nicht entdeckt zu werden, findet er Obdach bei seinem alten Lehrer Mr. Antolini und dessen Frau. Auch diese Wohnung verlässt er überstürzt, als er davon aufwacht, dass Mr. Antolini hinter seinem Bett steht und seinen Kopf streichelt. Den Rest der Nacht verbringt er im Warteraum der Grand Central Station. Nachdem er diesen verlassen hat und wieder durch New York wandert stellt er fest, dass das Überqueren von Straßen Panikattacken bei ihm auslöst. Daraufhin beschließt er, sofort Richtung Westen abzuhauen und sich dort als Tankwart durchzuschlagen. Vorher will er sich nur noch von seiner Schwester verabschieden. Diese will ihn jedoch auf jeden Fall begleiten. Holden gelingt es mehr oder weniger sie davon abzubringen, sie gehen stattdessen in den Zoo.

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Das Buch war ursprünglich für Erwachsene gedacht, wurde es im Laufe der Zeit immer populärer bei jungen Lesern. Dies liegt auch an der Hauptfigur Holden Caulfield. Salinger konfrontiert seinen Protagonisten mit klassischen Teenagerängsten und dem Gefühl des „zwischen-den-Stühlen-Sitzens“. Dieser reagiert darauf mit Rebellion. Das spiegelt sich zum Beispiel in der Sprache wieder. Abgesehen davon, dass Holden in nahezu jedem Satz flucht, betitelt er alles, was er verabscheut als „phony“ (verlogen) oder „corny“ (affektiert). Damit teilt er seine Welt gewissermaßen in eine positive und eine negative Seite auf. Negativ und „phony“ sind fast alle Erwachsenen und seine Mitschüler, da diese sich in seinen Augen mit ihrer Falschheit aufspielen. Hier zeigt sich auch Holdens Zerrissenheit über seine Position in der Gesellschaft. Positiv sind z.B. die beiden Nonnen oder seine Schwester, diese Figuren tauchen daher immer wieder in seiner Erzählung auf. Diese Figuren bewundert er für ihre Fähigkeit, Mitleid zu empfinden. Dieses Motiv findet sich auch in Holdens wiederholten Frage, was im Winter mit den Enten im Teich des Central Parks geschehe. Keiner der Befragten kann ihm eine Antwort darauf geben, alle Personen werden von Holden negativ eingeschätzt. Er selbst macht sich im betrunkenen Zustand auf die Suche nach den Enten, was ein weiteres Motiv des Romans zeigt: den Wunsch, andere zu beschützen. Darauf spielt auch der Titel des Buches an. Es ist eine Zeile eines Kinderliedes, dass Holden missversteht.

Ich habe das Buch im Original gelesen und bin im Endeffekt sehr froh darüber. Salinger setzt Sprache und Slang sehr bewusst ein und lässt seinen Protagonisten dadurch als etwas erscheinen, was man heute als klassischen Teenie-Rebellen bezeichnen würde. Die Erzählung ist unglaublich dicht, da der Leser die Hauptfigur auf Schritt und Tritt begleitet. Holdens Interpretationen der Realität und seine inneren Konflikte lassen sich sehr gut nachvollziehen. Besonders seine Argumente gegen die Falschheit der Erwachsenen gaben mir beim Lesen durchaus immer wieder zu Denken. Ich glaube, gerade diese Punkte lassen sich auch problemlos in einem aktuellen Kontext denken. Absolute Leseempfehlung von meiner Seite!!

Eure Maike

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1 Kommentar

  • Antworten Skaldenmet 8. Oktober 2015 um 16:44

    Hallo, mir hat „Der Fänger im Roggen“ auch gut gefallen. Ich habe ihn tatsächlich damals als Teenager gelesen. Ich finde, er hat sein weibliches Pendant in „The Bell Jar“ von Sylvia Plath (das habe ich vor einiger Zeit rezensiert) auch, wenn ich das bisher noch niemanden sonst habe sagen hören. Einen Gruß!

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