Connie Palmen – Du sagst es

Ted Hughes und Sylvia Plath – einige bezeichnen sie als das berühmteste Schriftstellerpaar der Moderne. Ich denke aber, man sollte schon erwähnen, wer diese beiden Menschen waren. Sylvia Plath ist mit ihrem autobiographischen Roman „Die Glasglocke/The Bell Jar“ zum Kult geworden. Wir beide sehen ihren Roman als eines der 100 wichtigsten Bücher, die man gelesen haben sollte. Doch müssen wir zugeben, dass wir über ihren Ehemann Ted Hughes und ihre siebenjährige, recht dramatische Ehe vor dem jetzt erschienenen Roman von Connie Palmen noch nichts gehört hatten. Kein Vergleich mit dem nahezu ikonischen Glamourpaar Zelda und F. Scott Fitzgerald, die auf diesem Blog schon in unterschiedlichster Form in Erscheinung getreten sind.
Trotzdem, oder gerade wegen meiner persönlichen Wissenslücke über diese Ehe, war ich mehr als gespannt auf „Du sagst es“. Connie Palmen wählte bewusst die Sicht von Ted Hughes, um die Ereignisse der schwierigen Ehe zu beschreiben. Das junge Schriftstellerpaar startet mit besten Vorraussetzungen: Er, britischer Student aus gutem Haus mit einem Hang zur Lyrik, trifft auf die amerikanische Autorin erster erfolgreicher Kurzgeschichten. Beide sind  gut aussehend und haben einen Hang zur Spiritualität und starker Leidenschaft. Doch schnell wird klar, dass sie mit starken psychischen Problemen kämpft.

Der intensive konfessionelle Stil, dem Hughes sich sein Leben lang verweigert hat und erst in seinen letzten Jahren mit den Birthday Letters hingewendet hat, wird hier von Connie Palmen aufgegriffen und benutzt, um in einer sehr dichten, intimen Weise Hughes selbst zu Wort kommen zu lassen. In einem gut 260-seitigen Monolog durchlebt man mit ihm die Stationen von ihrer ersten Begegnung, über die problematischen Ehejahre bis hin zu ihrem Selbstmord und der damit verbundenen Hexenjagd auf ihn.

Etwas irritiert war ich von der intensiven Beschäftigung mit der Astrologie und der spirituellen Geisterwelt. Aus heutiger Sicht vermutlich etwas schwer zu verstehen – doch beschäftigt man sich mit den Dichtern und Texten der Zeit, war die Suche nach einem neuen Zugang zur Mythologie und einer tiefen Spiritualität ein wichtiges Muster. Man findet es auch bei Ginsterberg, Bob Dylan und vielen anderen Lyrikern der Zeit.

Es ist Palmens Lebensthema, das in diesem Buch erzählt wird. Ihre eigene manisch-symbiotische Beziehung zu Hans van Mierlo endete ebenfalls tragisch und wird in vielen ihrer Werke behandelt. Selbstmord und die Bürde, mit der der zurückgelassene Partner sein Leben lang zu kämpfen hat, hat sie bereits in einigen Büchern beleuchtet, doch stets aus ihrer eigenen Perspektive. In diesem Roman wendet sie sich erstmals einem anderen Ehepaar mit einem ähnlichen Schicksal zu.

ConniePalmen_Dusagstes_Cover_Diogenes_2Zum leichteren Verständnis empfehle ich vor diesem Buch unbedingt „The Bell Jar“ zu lesen. Sylvia Plaths zentrales Werk spielt durchgehend eine Rolle und ist intensiv in diesen Roman eingewoben. Ich denke, dass mir gerade Sylvia wesentlich unsympathischer und unverständlicher vorgekommen wäre, wenn ich nichts über ihre Zeit in der Psychiatrie und ihren Selbstmordversuch gelesen hätte. Sie war ein Ausnahmetalent, bei dem sich Leben und literarisches Werk auf unvergleichliche Weise miteinander verbunden haben. Sie schrieb stets über sich selbst und was sie schrieb nahm zugleich intensiv Einfluss auf ihren Alltag.
Gerade diesen Aspekt hat Palmen wunderbar – ja, wahrhaftig meisterhaft – in ihrem Roman eingefangen. Denn genau darauf verweist der Titel: „Du sagst es“.
Ihr Selbstmord, ihre Todessehnsucht, all ihr Leid findet man in ihren Texten. Und Hughes wird sich nach Palmens Interpretation niemals von dieser Tatsache erholt haben: Sylvia Plath hat mehr als einmal in ihren Texten von ihrem Ende gesprochen und er hat es nicht geschafft, sie davon abzuhalten.

Fazit


Es ist keine Freisprechung von aller Schuld, doch ein Bild voller Schattierungen. Die Ehe des Dichterpaares war intensiv und selbstzerstörerisch. Sie brauchten einander so sehr, dass die Sehnsucht nach gegenseitiger Selbstbestätigung irgendwann in Hass umschlug. Wer nun an Zelda und F. Scott Fitzgerald denken muss, liegt gar nicht so verkehrt. Auch in dieser Ehe trafen zwei ambitionierte Geister aufeinander, die sich in ihrer intensiven Symbiose fast gegenseitig erstickten.

Eure Mareike


Connie Palmen – Du sagst es
Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
Verlag: Diogenes
Gebunden, 288 Seiten, 22 €

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2 Kommentare

  • Antworten Cora 6. September 2016 um 16:48

    Das klingt unglaublich interessant! Die Glasglocke habe ich noch nicht gelesen, aber das Buch steht schon seit einer Ewigkeit auf meiner Wunschliste. Du sagst es klingt in diesem Zusammenhang natürlich noch interessanter und das Werk über Zelda und F. Scott Fitzgerald muss ich mir unbedingt mal anschauen.
    Liebe Grüße,
    Cora

    http://oh-fitzgerald.blogspot.de/

  • Antworten Buchstabenträumerin 6. September 2016 um 17:24

    Liebe Mareike,
    dieses Buch ist ein absolutes Muss für mich. Vor allem, da aus der Sicht von Ted Hughes erzählt wird. Von Sylvia Plath las ich „The Bell Jar“ und die Biografie – nun finde ich es ungeheuer interessant, die Perspektive zu wechseln. Lieben Dank für die schöne Rezension, die mich nur darin bestätigt hat, mir das Buch möglichst schnell zuzulegen :-)
    Liebe Grüße,
    Anna

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