[Lieblingsbücher-Challenge] Christoph Marzi – Lycidas

Im Rahmen der “Lieblingsbücher-Challenge” liest jede von uns noch einmal 12 ihrer Lieblingsbücher und präsentiert sie hier. 100-004

[lightgrey_box]Als die kleine Emily eines Nachts Besuch von einer sprechenden Ratte erhält, weiß sie, dass nichts in ihrem Leben so bleiben wird, wie es einmal war. Nicht, dass sie ein gutes Leben in dem kleinen Waisenhaus in einem Armenviertel Londons führen würde. Doch dass sie auf der Suche nach dem Geheimnis ihrer Herkunft eine phantastische Stadt unter den Straßen Londons entdecken würde und schon bald von den seltsamsten Wesen verfolgt wird – das hätte sich Emily selbst in ihren kühnsten Träumen nicht ausgedacht.

Tauchen Sie ein in diese wundervolle Geschichte, die die viktorianische Atmosphäre eines Charles Dickens mit dem Zauber von Harry Potter verwebt.
Für Leser aller Altersschichten![/lightgrey_box]

Wir sind nun fast durch mit dieser Challenge. Heute präsentiere ich euch mein 10. Lieblingsbuch. Vielleicht habe ich es unterbewusst fast bis zum Schluss geschoben, weil ich ahnte, was kommen würde: Ich habe es abgebrochen. Ich weiß nicht, ob das nun schummeln ist oder irgendwie gegen die Regeln verstößt, aber es ist nunmal so. Ich hatte einfach nicht die Geduld für dieses Buch. Ich habe die Reihe um die Uralte Metropole von Christoph Marzi vor etwa 5 Jahren zufällig auf Audible gefunden und mich damals sofort in die knarrende Stimme von Helmut Krauss verliebt, der einfach absolut perfekt zu dem Erzähler Lichtenstein passt. Ich finde, dass die Bücher unheimlich durch ihn gewinnen. Es ist eine sehr ungewöhnliche Wahl einen so „parteiischen“ und verschrobenen Erzähler, wie den alten Alchemisten Lichtenstein auszuwählen, um die Geschichte der 13-jährigen Emily Laing zu erzählen. Lycidas von Christoph MarziDer Erzählstil ist entsprechend ungewöhnlich, weitschweifend, altertümlich und an einigen Stellen bewusst wiederholend. Er gibt Grundwahrheiten wie „Die Welt ist grausam und sie frisst ihre Kinder“ oder „Es gibt keine Zufälle“, die sich durch die ganze Reihe sprachlich wie inhaltlich ziehen und immer wieder deutlich machen, was diese Erzählungen und letzten Endes alles ist: Ein Gewebe. Alles ist miteinander verwoben, mal ist der Faden – die Verbindung deutlich sichtbar, manchmal kann man sie nur erahnen. Christoph Marzi gelingt es in einer für mich einzigartigen wie alles umfassenden Weise moderne Popkultur mit Mythen, christlicher Mystik, alten Religionen, historischen Ereignissen, Figuren aus Kunst und Politik miteinander zu verbinden, dass es einfach nur ein Fest ist, ihn dabei zu begleiten. Dass er dabei auch noch eine völlig neue Welt, Städte unter den Städten, Geschichten in den Geschichten erschafft, verdient meiner Meinung nach viel mehr Beachtung, als ihm bisher geschenkt wurde. Warum ich trotz all dieser Liebe für sein Werk das Buch abgebrochen habe? Vermutlich der Gedanke, dass ich eigentlich keine Geduld für diese umfassende, fast epische Reihe habe. Es gibt so viele neue Bücher, so viele noch ungelesene bei mir im Schrank, dass ich mich nicht wirklich in die Erzählungen fallen lassen konnte. Ich überflog oberflächlich die Kapitel und war recht schnell verwirrt, stieß immer nur auf die wiederholenden Passagen und sehnte mich nach Übersichtstabellen und Namenregister. Fazit: Diese Reihe ist genial und jeder mit einem Interesse für Geschichte, Sagen oder alte Kulturen wird hier auf jeder Seite auf bekannte Figuren stoßen und nach jedem Kapitel ein leises „Wow“ flüstern. Doch die Werke um Emily Laing und ihre Freunde sind auch fordernd. Sie erfordern Zeit, Geduld und viel Konzentration. Wenn man bereit ist, den Büchern den Raum zu geben, den sie fordern, wird man mit einer ungewöhnlichen wie anspruchsvollen Fantasyreihe belohnt.

Eure gerade unkonzentrierte Mareike

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2 Kommentare

  • Antworten Alesha Linwell 27. Juli 2014 um 19:40

    Hi,
    Das klingt richtig interessant. Schade, dass du es dann doch abgebrochen hast, aber manchmal hat man einfach so Phasen, in denen man sich nicht auf so ausladende, langsame Geschichten einlassen kann. Vielleicht kommt ja irgendwann der Tag, an dem du es nochmal in die Hand nimmst und zu Ende liest. Ich behalts mal im Hinterkopf für meine Phasen, in denen ich einfach weitschweifige Geschichten haben will. Danke für den Tipp!
    lg
    Alesha

    • Antworten Mareike 27. Juli 2014 um 19:50

      Liebe Alesha,

      da ich die gesamte Reihe ja schon komplett gelesen habe, lässt sich der Abbruch ganz gut verschmerzen(ich weiß ja, was passiert). Die Reihe ist großartig und ich kann sie dir wirklich empfehlen.
      Liebe Grüße
      Mareike

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