Ein Tag in Berlin auf Spreepartie

Vergangenen Samstag hat es mich nach Berlin verschlagen – leider ohne Maike, die verhindert war. Der Grund dafür war eine Einladung zu einem Blogger-Event der besonderen Art. Unter dem Motto „Spreepartie“ lud die PR-Agentur Kirchner Kommunikation einige Buchblogger in die Hauptstadt ein, um vier ihrer betreuten Verlage zu besuchen und dort über Buchprojekte aus dem Herbstprogramm zu sprechen.„Festes Schuhwerk“ wurde mir schon im Vorfeld empfohlen, denn wir hatten ein straffes Programm vor uns. Ein wenig tat mir das leid, schließlich tobte zu diesem Zeitpunkt die Berliner Fashion Week und wir begaben uns mehrfach in die szenigen Stadtteile, da hätte ich natürlich mehr auf hübsch als auf praktisch gesetzt.

Wir waren eine sehr kleine Runde. Neben mir waren noch Constanze von Zeichen & Zeiten, Marina von Literaturleuchtet, Jacqueline von masuko13, Elina von Schnitzel & Schminke sowie Jochen von lustauflesen.de und Gérard von Sound&Books mit von der Partie. Eine bewusste Entscheidung der Agentur, die sich als ideal erwies, um mit jedem einmal ins Gespräch zu kommen und sich in entspannten Gesprächen mit Verlagsmitarbeitern, Autoren und allen anderen Beteiligten auszutauschen. Ich fühle mich wirklich geehrt, zwischen all diesen exzellenten Bloggern zu den wenigen Eingeladenen gehört zu haben.

1 . Station: Kirchner Kommunikation | Kreuzberg

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Morgens wurden wir mit leckerem Frühstück und strahlenden Gesichtern in den Räumen der Agentur Kirchner Kommunikation begrüßt. Ich war leider etwas spät dran, deshalb konnte ich nicht noch etwas durch die Räume stöbern. Doch ich war genau pünktlich, um bei dem Gespräch mit der jungen Illustratorin Christina Röckl dabei zu sein. Sie erzählte von ihrer Recherchereise in die Provence für das Buch „Liegender Akt in Blau“ von Nathalie Chaix: Ein vielversprechender Roman über den Maler Nicolas de Staël und seine letzte Muse. Sie malt für dieses Buch auf Holzplatten (weil man damit besser reisen kann), die sie uns zeigen konnte und ich war begeistert von der Intensität der Farben.

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Spontan verliebt habe ich mich in diese beeindruckende 3D-Version (!) von Patricia Highsmiths „Der talentierte Mr. Ripley“ aus der Edition Büchergilde. Wie cool ist denn bitte das?!

2. Station: Buchhandlung Hedayat│Charlottenburg

Unsere nächste Station war die größte iranische Buchhandlung in Europa und ihr Besitzer Abbas Maroufi. Sein neuer Roman „Fereydun hatte drei Söhne“ erscheint im Herbst in der Edition Büchergilde. Gemeinsam mit seiner Lektorin stellte er uns den Roman und seine politischen Hintergründe vor. Richtig spannend wurde es, als Abbas Maroufi aus seinem bewegten Leben erzählte. Bescheiden und mit leiser Stimme berichtete er von seiner Flucht aus dem Iran, seinen harten ersten Jahren in Deutschland und  seinem täglichen Einsatz für die iranische Kultur. Wie er nach Ladenschluss Online-Vorlesungen hält, deutsche Klassiker ins Persische übersetzt und ganz nebenbei eigene Romane schreibt – all dies beschrieb er in klaren und doch fesselnden Worten. Man merkte an jedem Satz: Hier sitzt ein wahrer Geschichtenerzähler vor uns.

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3. Station: Berenberg Verlag│Mitte

Dann folgte mein persönliches Highlight: Die Journalistin Bettina Baltischen sprach mit uns über ihr erzählendes Sachbuch „Hölle und Paradies. Amsterdam, Querido und die deutsche Exilliteratur“ im Berenberg Verlag. Ein Buch, das dort ansetzt, wo Weidermanns „Ostende“ aufhört. Eine ideale Ergänzung also für alle, die sich über die Exilautoren und ihre Jahre während des Zweiten Weltkriegs interessieren.

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Hier erklärt uns Lektorin Beatrice Faßbender das Konzept und die Entstehungsgeschichte des Berenberg Verlags.
Danach durften wir noch ein wenig in den Regalen den Berenberg Verlags stöbern und ich habe einige Schätze entdecken können, die mir bisher entgangen sind:
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4. Station: Essen im District Mot und Kaffee in der Buchhandlung Ocelot

Wichtigste Station: Essen! Wir wurden in ein spannendes, offenkundig sehr authentisches vietnamesisches Restaurant geführt, in dem man von experimentell bis traditionell eine Menge Auswahl hatte. Nach einem leckeren Essen hatten wir aber noch so viel Zeit, dass wir uns spontan für einen Zwischenstopp in der Buchhandlung Ocelot entschieden haben. Mein erster Besuch dort und es hat sich wirklich gelohnt. Wenn ihr mal in Berlin seid: Schaut dort unbedingt mal vorbei.

5. Station: Verlagshaus Berlin│Prenzlauer Berg

Unsere letzte Station an diesem Tag führte uns in das Verlagshaus Berlin. Bekannt für seine Lyrikbände und seine ziemliche coolen Werbesprüche.
Hier hat man uns nicht nur mit einem unheimlich liebevoll gedeckten Tisch (alles thematisch passend!) empfangen, sondern auch mit einer süßen Goodiebag.
Dann entführte uns Lea Schneider, Lyrikerin und Sinologin, in die moderne Poetenszene Chinas. Sie zeigt, welchen Einfluss Übersetzer haben – nicht nur auf den Text an sich, sondern auch auf die Textauswahl und somit das Chinabild, das dadurch transportiert wird. Ihre Lyriksammlung „Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik“ versucht einen ausgewogenen Überblick über die aktuelle chinesische Dichtung zu geben. Eine beeindruckende Herausforderung, für die die junge Sinologin selbst viele Male nach China gereist ist und dort selbst ein Lyrikfestival mitorganisiert hat.

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Hier könnt ihr die Entwürfe zu den geplanten Illustrationen der „Chinabox“ sehen. Ich mag den kraftvollen, modernen Stil.

Zum Abschluss noch ein verwackeltes Gruppenbild mit Constanze, Gérard, Jochen und mir. Es war vielleicht nicht unbedingt die beste Idee, während der Fahrt in der S-Bahn als kleinste Person mit den kürzesten Armen das Bild machen zu wollen. Aber es ist der Gedanke der zählt – schließlich wollte ich diesen schönen Tag unbedingt in einem persönlichen Bild festhalten.

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Ich kann nach einem langen und intensiven Tag sagen, dass ich sehr viele neue Bücher und Autoren kennengelernt, einen Zugang zur iranischen Kultur gefunden, in Berenberg einen weiteren Lieblingsverlag entdeckt und nun einen neuen Blick auf chinesische Künstler habe.
Und ja: Die praktischen Schuhe stellten sich nach rund neun Stunden Programm quer durch Berlin als die richtige Entscheidung heraus. ;)

Eure Mareike

P.S.: Vielen Dank an die charmanten und engagierten Damen von Kirchner Kommunikation, die mit sehr viel Herzblut und Sinn für Timings diesen Tag perfekt organisiert haben.

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5 Kommentare

  • Antworten Buchstabenträumerin 6. Juli 2016 um 20:56

    Liebe Mareike,
    das klingt nach einem fantastischen Ausflug :-) Ich freue mich total mit dir bzw. natürlich euch, dass ihr eingeladen wurdet! Spätestens wenn ich nächstes Jahr wieder Urlaub in Berlin machen werde, suche ich mir deine ganzen Tipps wieder raus :-)
    Liebe Grüße,
    Anna

  • Antworten Tobi 7. Juli 2016 um 08:46

    Liebe Mareike,

    vielen Dank für den Beitrag und Einblick in eure kleine Rundreise der Literatur durch Berlin. Das hört sich sehr spannend an. Die Station in der iranischen Buchhandlung hätte mich auch echt interessiert.

    Liebe Grüße
    Tobi

    • Antworten Mareike 7. Juli 2016 um 17:12

      Lieber Tobi,

      ich muss gestehen, dass ich das vorher als den langweiligsten Punkt eingestuft hatte und dann wurde ich so umgehauen. Wenn du mal in Berlin unterwegs bist, schau dort vorbei. Es ist spannend.

      Liebe Grüße
      Mareike

  • Antworten Lotta 11. Juli 2016 um 17:45

    Liebe Mareike,
    das scheint ein wirklich aufregender und toller Tag gewesen zu sein. Ich glaube, dass es nichts für mich gewesen wäre, aber wenn mich einer gefragt hätte, wen ich für so eine Tour vorschlagen würde, dann hätte ich sofort an euch gedacht! :D
    Ich fand es aber sehr interessant deinen Beitrag zu lesen und freue mich jedes Mal auch neues zu erfahren und nicht nur gehyptes. ;)

    Liebst, Lotta

    • Antworten Mareike 11. Juli 2016 um 21:15

      Meine liebste Lotta,

      schön, von dir zu hören! Ich denke auch, dass die Themen weniger dein Geschmack gewesen wären. Doch auch dich hätte sicherlich der Besuch bei Herrn Maroufi nachhaltig beeindruckt. Dieser Mann ist unglaublich und so bescheiden dabei!
      Ich habe auch an diesem Tag über meinen Tellerrand geschaut und bin froh darüber und dafür danke ich den Kirchner-Damen. :)

      Ganz liebe Grüße
      Mareike

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