Benjamin Lebert – Mitternachtsweg

[lightgrey_box]Johannes Kielland ist ein junger Historiker, der seit seiner Kindheit ein leidenschaftlicher Sammler von Berichten über mystische Begebenheiten ist. Nun wird eine der Geschichten, die er ausgegraben hat, plötzlich lebendig. Die Frau eines in Sylt gestrandeten Toten wendet sich an ihn und erzählt ihm die Geschichte einer mysteriösen Beziehung und eines geheimnisvollen Handschuhs. Immer tiefer verstrickt sich Kielland in das fremde Schicksal, und die Wahrheit, nach der er sucht, erscheint unergründlich und trügerisch.[/lightgrey_box]

Der Lübeker-Lokalredakteur Peter Maydell erhält ein Manuskript von dem jungen Historiker Johannes Kielland, der ihm regelmäßig Berichte über Spukgeschichten und unheimliche Vorkommnisse zukommen lässt. Doch dieses Manuskript ist anders, denn es enthält den Bericht über Kiellands eigene Geschichte und dessen Befürchtungen, bald selbst Opfer eines unheimlichen Unglücks zu werden. Dann beginnt Kiellands Bericht, nur wenige Male von den Gedanken Maydells unterbrochen. Man erfährt von der schönen, geheimnisvollen Helma Brandt, die sich an Kielland wendet, um ihm die Geschichte ihres bei Sylt verschwundenen Partners zu erzählen. Dabei spielt der Friedhof der Heimatlosen eine wichtige Rolle und ein schwarzer Handschuh, der bei einer namenlose Leiche gefunden wurde. Gleich einer Femme Fatale verführt sie Johannes und gibt ihm zugleich immer mehr Rätsel auf…

Lebert Mitternachtsweg CoverVerbindungen zu Werken von Theodor Storm, wie „Hans und Heinz Kirch“ und „Der Schimmelreiter“, sind in Stil und Aufbau deutlich zu spüren. Die ruhige, berichtende Erzählstil, die genauen Landschaftsbeschreibungen und auch der verschachtelte Aufbau von mehreren Erzählebenen reihen dieses Werk in die Tradition von Spätromantik und frühem Realismus ein. An manchen Stellen war ich kurz erstaunt, wenn moderne Gegenstände benutzt wurden, fühlte ich mich doch regelmäßig ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Doch die Verbindung gelingt perfekt: Der junge Johannes Kielland ist als Freund der Gothic-Szene selbst moderner Vertreter des romantischen Lebensgefühls und für die unheimlichen Schwingungen wohl eher empfänglich als viele andere. Besonders gelungen finde ich die Verbindungen der Erzählebenen, die mich wirklich überrascht hat und das Buch zu einem in sich perfekt schlüssigen und abgeschlossenen Erlebnis macht.

„Wann immer wir von einer großen Liebe erzählen, erzählen wir letztlich eine Spukgeschichte.“

Fazit: Benjamin Lebert liefert eine unheimliche und düstere Spukgeschichte und zugleich eine Liebeserklärung an das gesamte Genre der romantischen Spukgeschichten. Ohne unnötige Schnörkel oder Aufdringlichkeiten verweist er immer wieder auf bekannte Muster, benutzt klassische Motive und ehrt ganz beiläufig moderne Meisterwerke wie „Shining“ von Stephen King (Wer die Anspielung findet, bekommt einen Keks!). Zugleich ist seine Erzählung unheimlich vertraut und trotzdem aufregend neu. Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen. Für mich mein Buch des Jahres, weil es jetzt schon ein Klassiker ist.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefüllt
(Ich würde hier tatsächlich gern 5 schwarze Handschuhe vergeben, um der Geschichte gerecht zu werden.)

Benjamin Lebert – Mitternachtsweg
Verlag: Hoffmann & Campe
240 Seiten, Gebunden, 18 Euro
Leseprobe

Rezensionsexemplar, vielen Dank an Hoffmann & Campe.

Eure Mareike

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2 Kommentare

  • Antworten Petzi 9. September 2014 um 16:39

    Dieses Buch rutscht jetzt auf meiner Wunschliste ebenfalls nach ganz oben. Danke für die Vorstellung. :-)

    • Antworten Mareike 9. September 2014 um 16:44

      Ohja, lies es! Ist eine Entdeckung.
      Grüße
      Mareike

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