Kurztipp | Barney Norris – Hier treffen sich fünf Flüsse

Der Debütroman von Barney Norris liest sich wie ein buchgewordener Film. Das mag daran liegen, dass Norris vor „Hier treffen sich fünf Flüsse“ sehr erfolgreiche Theaterstücke geschrieben hat. Fünf sehr unterschiedliche Menschen und ihre Schicksale kreuzen sich bei einem schicksalhaften Unfall in Salisbury. Jeder Person und ihrer Lebenswelt wird ein Teil des Buches gewidmet. Eine dealende, alte Floristin, ein Junge, der sich zum ersten Mal verliebt oder der frisch verwitwete alte Farmer: Die Figuren und ihre Lebenswelten könnten kaum unterschiedlicher sein und doch ist das Buch durchdrungen von einer soghaften Melancholie. Man will einfach wissen, was sie miteinander verbindet. Wer sie eigentlich sind und ob es ihnen schlussendlich gelingt, das Gefühl der stillen Einsamkeit abzulegen.Fiel mir der Einstieg mit der dealenden Blumenhändlerin noch etwas schwer, konnte ich ab dem zweiten Abschnitt über den frisch verliebten Jungen das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zu viele überraschend scharfsinnige Alltagsbeobachtungen flossen wie nebenbei in die Geschichten mit ein. So schöne Erkenntnisse wie:
„In einer Frauenrolle kommt man sich im Hamlet ein wenig vor wie jemand, der an der Tür lauscht (…) Man sieht gleich, eine Frau war Shakespeare nicht, wer auch immer er war.“
Ja, Barney Norris kann seine Theaterherkunft nicht verleugnen – jede Figur, die auf die hier die literarische Bühne betritt und ihren ganz eigenen Monolog beginnt, klingt so eindringlich und weise, wie es wohl nur eben tragische Helden können.

Kurzweilig und doch voller Poesie.

Eure Mareike


Barney Norris – Hier treffen sich fünf Flüsse
Verlag: Dumont
Gebunden, 320 Seiten, ca. 22 Euro

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