Banana Yoshimoto – Moshi Moshi

Bisher kannte ich von Banana Yoshimoto nur „Kitchen“, dieses Buch verehre ich jedoch. Als ich in der Vorschau von Diogenes die Inhaltsangabe zu „Moshi Moshi“ las, fühlte ich mich daran erinnert und habe mich auf die Veröffentlichung gefreut.

[lightgrey_box]Die zwanzigjährige Yotchan steht vor dem Nichts, als ihr Vater, Leader einer Rockband, plötzlich zusammen mit einer wildfremden Frau Selbstmord begeht. Mit ihrer Mutter findet sie Zuflucht in einer ungewöhnlichen WG in Tokios Künstler- und Szeneviertel Shimokitazawa. Dort findet jede auf ihre Art zu neuer Lebensfreude zurück, getragen von dem authentischen Stadtviertel und seinen Bewohnern. Kochkunst, Essenslust und eine bewegte Reifungs- und Liebesgeschichte – eine asiatisch weise Verführung zum Leben.[/lightgrey_box]

Moshi MoshiBanana Yoshimoto widmet sich einem für sie typischen Thema: Wie gehen wir mit Verlust und Schmerz um? Die Hauptprotagonistin Yotchan ist Anfang 20, als sich ihr Vater mit seiner Geliebten das Leben nimmt und sie und ihre Mutter allein und ratlos zurücklässt. Es gab keine Anzeichen, dass er sich umbringen wollte und es gibt keinen Abschiedsbrief. Allgemein deutet alles darauf hin, dass er sich nicht umbringen wollte, sondern als hätte er es mehr für seine Geliebte getan. Die Umstände seines Todes machen es für Yotchan und ihre Mutter besonders schwer, den Verlust zu akzeptieren und zu verarbeiten. Erst nach und nach beginnt bei den beiden Frauen der Heilungsprozess. Für Yotchan beginnt dieser mit dem Auszug aus der elterlichen Wohnung. Sie lässt sich in Shimokitazawa nieder, wo sie eine kleine Wohnung und einen Job in einem Bistro gefunden hat. In diesem ihr unbekannten Viertel von Tokio kann sie einen Neustart wagen. Nach und nach findet sie wieder in ein geregeltes Leben zurück, dass nicht nur von Trauer und Antriebslosigkeit bestimmt wird. Eines Tages steht ihre Mutter vor der Tür und zieht bei ihr ein. Die beiden Frauen rücken in der kleinen Wohnung wieder näher zusammen, lernen aneinander neue Seiten kennen und führen viele offene Gespräche auf Augenhöhe. Sie helfen sich nicht nur gegenseitig über die Phase der Trauer hinweg, sondern definieren auch ihre Mutter-Tochter-Beziehung neu. Alle Gespräche werden in dem ruhigen Ton geführt, den ich schon bei „Kitchen“ geliebt habe. Denn gerade durch diese Ruhe wird der Inhalt der Dialoge in den Vordergrund gestellt. 

Wenn es nicht ums Reden geht, dann geht es ums Essen.  Bei ihrer Arbeit im Bistro merkt man, wie aufgehoben Yotchan sich dort fühlt. Ihre Arbeit gibt ihr Geborgenheit, die Vertrautheit der Abläufe gibt ihrem Leben die benötigte Ruhe und Routine. Im Bistro „Les Liens“, in dem sie arbeitet, ist sie zusammen mit ihrer Mutter nach dem Tod ihres Vaters oft eingekehrt. Der dort servierte Salat und das Eis waren über lange Zeit das einzige, was die beiden mit einem gewissen Genuss zu sich nahmen. Allgemein sind Kneipen, Bistros und Cafés sehr häufig Schauplatz in diesem Roman von Yoshimoto. Dadurch hebt sie die Bedeutung von Essen für den Menschen hervor: es bedeutet Regelmäßigkeit, Alltag und soziales Leben. Gleichzeitig schafft die Autorin ein sehr schönes (und sicher auch authentisches) Bild von Shimokitazawa.

Fazit


Yoshimoto hat einen ruhigen und über weite Strecken melancholischen Roman geschrieben. Sie variiert ein ihr bekanntes Grundthema auf eine sichere und fließende Art. Als Leser muss man bereit sein, sich auf die Ruhe ihres Stils einzulassen. Dann findet man dort viele kluge Gedanken, die einem – so kitschig das auch klingen mag – auch im eigenen Leben helfen. Wie so viele andere auch, werde ich bei Yoshimoto immer ganz ruhig und konzentriert. Auch wenn mich dieses Mal das Ende, das für mich so gar nicht ins Gesamtbild passte, etwas herausgerissen hat, fand meine Liebe zur Autorin auch hier wieder Bestätigung.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Maike


Banana Yoshimoto – Moshi Moshi
Verlag: Diogenes

304 Seiten, Hardcover, 21,90€

Vorherige Beiträge Nächste Beiträge

Vielleicht gefällt dir auch

1 Kommentar

  • Antworten Marina 8. April 2015 um 19:56

    Um das Buch bin ich ja vorletzten Samstag auch rumgeschlichen, bis ich mich dann für Sibylle Berg und Julia Wolf entschieden habe. Ich bin mir einfach unsicher, ob ich den Schreibstil mag. Aber eigentlich klingt es auch interessant und wäre mal was anderes. Neuer Kulturkreis und so.
    Naja. Steht ja noch etwas länger in den Läden.

  • Kommentar verfassen

    %d Bloggern gefällt das: