Auf einen Cocktail mit Hemingway

Meine Liebe zu Hemingway und seinen Werken ist ja mittlerweile allgemein bekannt. Doch ich war mir immer sicher: Mein Bild des Autors ist ein ziemlich verklärtes! Auch wenn ich ihn für einen eher schwierigen Zeitgenossen halte, der sich vor allen Dingen durch seine Worte Feinde machte, ich würde gerne mal mit ihm ein paar Cocktails trinken gehen!
Aber jetzt wollte ich es doch etwas genauer wissen: Wer genau war eigentlich die Person, der ich so viel Zuneigung / Bewunderung / Liebe entgegenbringe und was hat sie außer Schreiben alles im Leben erreicht? In solchen Momenten lautet für mich der logische Schritt, dass ich zu einer Biografie greife. Denn ich kann ja leider nicht mehr mit Hemingway persönlich um die Häuser ziehen und mir von ihm aus seinem Leben erzählen lassen.

Hemingway - Ein Mann mit Stil

„Hemingway – Ein Mann mit Stil“ erwies sich hier als perfekte Wahl. Denn Thomas Fuchs ist keiner dieser Hardcore-Fans, die alles hypen, was Hemingway jemals getan, gesagt oder geschrieben hat. Ganz im Gegenteil, er ist ein sehr kritischer Beobachter und Leser. Dabei ist er selbst seit frühester Jugend ein Fan des Schriftstellers. Doch er beschreibt sehr schön, wie sich im Laufe der Zeit sein Blick auf das Oeuvre Hemingways verändert hat.
Dieser Stil zieht sich durch das gesamte Buch. Fuchs arbeitet nicht einfach Hemingways Leben durch, sondern gibt auch zahlreiche persönliche Anmerkungen und tut ganz unverblümt seine Meinung kund. Das macht das Lesen sehr angenehm und haucht ihm eindeutig mehr Leben ein. Das liegt zum Teil auch am Charme und Witz des Autors. Dabei wird er nie zu ausschweifend sondern kommt sehr deutlich zum Punkt. Ich glaube, dass hätte auch Hemingway gefallen, der ja auch kein Mann blumiger Umschreibungen war!

Sehr schön finde ich, dass hier alle Abschnitte von Hemingways Leben zu gleichen Anteilen betrachtet werden. Für mich machten die Pariser Jahre bisher immer einen enormen Teil aus, die Reisen nach Afrika und das Leben auf Kuba waren mir zwar bekannt, ich wusste jedoch kaum etwas darüber. Dabei beeinflussten beide Episoden Hemingways Schaffen ungemein! Auch hier zeigt sich das Talent von Autor Fuchs. Er beschreibt z.B. wie Hemingway das Hochseefischen für sich entdeckte, dass ihn wohl zu seinem Meisterwerk „Der alte Mann und das Meer“ inspiriert hat, berichtet aber auch von eher unrühmlichen Episoden auf See. Da ist unter anderem die Episode, in der Hemingway von einem Querschläger am Bein verletzt wird, weil er einen Hai mit Hilfe einer Handfeuerwaffe töten wollte.

Fazit: Mein Bild von Hemingway wurde durch dieses Buch eindeutig klarer. Ich bin mir jetzt sicher, dass er ein verdammt schwieriger Zeitgenosse war. Aber nach diesem Buch ist er auch weiterhin meine erste Wahl für eine Kneipentour. Nicht nur dass er trinkfest ist, vor allen Dingen hat Hemingway verdammt viel erlebt. Langeweile würde da garantiert nie aufkommen! Da das aber natürlich nur noch schwer umzusetzen ist, nehme ich dankbar dieses Buch von Thomas Fuchs. Witzig, prägnant und ehrlich berichtet er über den Autor und beschert dem Leser wahnsinnig unterhaltsame Stunden.

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Thomas Fuchs – Hemingway. Ein Mann mit Stil
Verlag: Mare
224 Seiten, Hardcover, 20,00 €

Eure Maike

Rezensionsexemplar, vielen Dank.
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1 Kommentar

  • Antworten Monatsrückblick November | Herzpotenzial 13. März 2015 um 17:24

    […] rezensiert: Thomas Fuchs – Hemingway. Ein Mann mit Stil Anthony Horowitz – Der Fall Moriarty Peter Stjernström – Das beste Buch der […]

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