Astrid Rosenfeld – Zwölf Mal Juli

Astrid Rosenfeld sagt vielleicht dem ein oder anderen etwas. Ihre Romane Adams Erbe und Elsa ungeheuer sieht man gern mal in den Auslagen von Buchhandlungen. Ich habe sie zumindest schon häufiger bemerkt und war recht angetan. Doch wirklich gereizt hat mich erst dieses kleine Büchlein über die zwölf Facetten von Juli.

JZwoelf_Mal_Juli_Rosenfeld_Diogenes_Coveruli, eine junge Schriftstellerin bekommt eine E-Mail von ihrem Ex-Freund Jakob, in der er ankündigt, in zwölf Tagen wieder im Lande zu sein. Diese Nachricht trifft sie wie ein Schlag. Schließlich ist er vor einigen Jahren ohne eine Nachricht aus ihrem Leben verschwunden und nach Afrika gegangen. Nie konnte sie richtig mit ihrer gemeinsamen Zeit abschließen und nun schreibt er ihr, dass sie ihn doch bitte vom Flughafen abholen solle. Juli zögert, überlegt sich viele Antworten, schreibt Verwünschungen und Liebesschwüre, doch schickt diese nie ab.

Sie antwortet nur zögerlich und lenkt sich lieber mit ihrem Alltag ab. Stattdessen begegnet sie in den besagten 12 Tagen vielen skurrilen und besonderen Personen, die jeder eine Facette in Julis etwas chaotischen Leben beleuchten. Angefangen bei ihrer Mutter über den Agenten bis hin zur verrückten Bäuerin, für die sie manchmal Hilfsarbeiten ausführt.
In diesem Buch ist der Titel tatsächlich Programm, denn in zwölf Kapiteln werden die zwölf Tage bis zur Ankunft von Julis Ex-Freund programmatisch genutzt, um jeweils eine andere Figur aus Julis Leben vorzustellen und mit ihr über ihr Leben zu sprechen. Und da gibt es einiges zu besprechen. Denn sehr erfolgreich war die Schriftstellerin seit der Trennung nicht und gerade befindet sie sich in einer intensiven Schaffenskrise. Ihr letzter Strohhalm der Kreativität stellt tatsächlich eine tote Taube im Park dar. Das langsam verwesende Tier soll das zentrale Motiv ihres neuen Werkes darstellen.  – Nun, ich muss zugeben, dass ich an dieser Stelle kurz verwirrt war, weil ich mich fragte, wie ernst dieser Handlungsstrang gemeint ist.
Astrid Rosenfeld schafft es auf beeindruckend intensive Weise Sätze zu schreiben, die voller Tragik und Humor zugleich sind. Die Geschichte und die Handlung um Juli und ihre Freunde lässt sich leicht und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen lesen. An vielen Stellen sind nette Zitate und unnützes Wissen eingestreut. Doch dann stolpert man über einen Satz oder einen Gedanken, der auf eine tieferliegende Bedeutungsebene verweist. Das sind Momente, in denen man die Substanz und die feine Komposition hinter diesem Buch bemerkt, die sonst bei dem leichten Ton schnell verborgen bleiben.
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So sehr mich Sprache und Aufbau beeindruckt haben, so konnten sie doch nicht verbergen, dass dieses Buch auch eins ist: Artifiziell. Mit seinen zwölf Kapiteln, die zwölf Tage und zwölf unterschiedliche Personen und damit zwölf Nuancen von Julis Wesen beschreiben… Ja, das ist schon sehr künstlerisch und wirkt in seiner Gesamtheit leider etwas aufgesetzt auf die Leichtigkeit des Erzähltons.
Es wirkt wie eine Fingerübung einer sehr intelligenten und talentierten Schriftstellerin, die auf die Idee für einen neuen großen Roman wartet.

Nun, während sie das tut, kann ich in Ruhe ihre anderen Werke – besonders Adams Erbe lesen. Ich bin davon überzeugt, dass es sich lohnt.

Fazit


Wer noch keinen der größeren Romane von Astrid Rosenfeld gelesen hat und sich unsicher ist, ob ihm der Stil der Autorin zusagt, sollte es mit diesem kleinen Buch versuchen. Auch jedem anderen, der gern leichte bis leicht anspruchsvolle Bücher mit Charme und skurrilen Figuren mögen, kann sich hiermit einen netten Nachmittag auf dem Sofa bescheren.

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Eure Mareike

Sehr ähnlich fällt das Urteil von Kerstin von Poesie und So aus. Auch dort lohnt es sich näher zu schauen.


Astrid Rosenfeld – Zwölf Mal Juli

Verlag: Diogenes
160 Seiten, Gebunden, 20 Euro

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2 Kommentare

  • Antworten nettebuecherkiste 26. September 2015 um 11:56

    „Adams Erbe“ ist sehr gut. Gestern Abend habe ich „Elsa ungeheuer“ ausgelesen und überraschenderweise hat mir das noch besser gefallen. Überraschend deswegen, weil es mich vom Thema her eigentlich weniger interessiert hat, aber es ist wirklich wunderbar geschrieben!
    12 Mal Juli ist gar nicht so liebesgeschichtenlastig? Das hat mich nämlich abgeschreckt, ich mag Liebesromane nicht so. Vielleicht lese ich es dann ja doch :-)

  • Antworten Silvia 26. September 2015 um 20:56

    „Adam…“ Und „Elsa…“ fand ich klasse.
    Deshalb habe ich „Juli…“ Heute einfach bedenkenlos gekauft.
    Jetzt bin ich mal gespannt, was ich selbst dazu sagen werde.

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