Anthony Horowitz – Das Geheimnis des weissen Bandes

Es ist immer das Gleiche: Wenn sich ein neuer Autor einer von mir verehrten Romanfigur annimmt, rechne ich mit dem Schlimmsten! Dass die neue Erzählung nur ein billiger Abklatsch ist oder dass sie alles Vorherige ignoriert und sich die Handlung nicht im Geringsten in das bereits Bekannte einfügt. Aus diesem Grund habe ich Anthony Horowitz‘ neue Holmes-Romane einfach ignoriert. Doch nachdem mir Sophie Hannahs neuer Poirot sehr gefallen hat und ich auch von „Der Fall Moriarty“ begeistert war, war es nur eine Frage der Zeit, bis „Das Geheimnis des weißen Bandes“ meinen Weg kreuzt (und ich bestehe darauf, dass es reiner Zufall war hüstel).

[lightgrey_box]Am Abend eines ungewöhnlich kalten Novembertages im Jahr 1890 betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Londoner Baker Street 221b. Er wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, in dem er den einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande erkennt, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist der Mann ihm über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen? Als Holmes und Watson den Spuren des Gangsters folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die sie in Konflikt mit hochstehenden Persönlichkeiten bringen wird und den berühmten Detektiv ins Gefängnis, verdächtigt des Mordes. Zunächst gibt es nur einen einzigen Hinweis: ein weißes Seidenband, befestigt am Handgelenk eines ermordeten Straßenjungen …[/lightgrey_box]

Das Geheimnis des weissen BandesNun ist Sherlock Holmes also wieder zurück. Die Handlung ist nach Watsons Heirat angesiedelt, er und Holmes sehen sich entsprechend nicht mehr täglich und lösen somit auch nur noch unregelmäßig gemeinsam einen Fall. Doch Mary Watson wird zu ihrer alten Arbeitgeberin gerufen, was Watson zum Anlass nimmt, sich für ein paar Tage in der Baker Street einzuquartieren. Somit ist das Ausgangssetting für den Leser eine durchaus gewohnte Situation.
Der Fall, den Horowitz sich für diesen Roman erdacht hat, hat es ebenfalls in sich. Er ist voll von diesen klassischen Verwicklungen, die ja auch Sir Arthur Conan Doyle ausgesprochen geschickt platziert hat. Ich hab mich beim Lesen mehr als ein Mal gefragt, wo das am Ende eigentlich hinführen soll. Dadurch steigert Horowitz die Spannung ungemein und hält den Leser bei der Stange. Dennoch – und das ist ein Unterschied zu den „echten“ Romanen – hat „Das Geheimnis des weißen Bandes“ mehr Action. Es ist ja bekannt, dass mir die Kurzgeschichten um Sherlock Holmes wesentlich besser gefallen als die Romane. Denn die waren mir immer zu langgezogen und mit zu viel Hintergrundgeschichte vollgestopft. Das gefällt mir bei Horowitz eindeutig besser. Nachdem mir das bei „Der Fall Moriarty ´“ bereits aufgefallen war, gehörte das ebenfalls zu den Gründen, warum ich zum Vorgänger gegriffen habe. Der Autor lässt dem Leser einfach keine Zeit, sich zu langweilen. Zu den klassischen Ermittlungs- bzw. Deduktionsszenen fügt Horowitz noch Action geladene Episoden ein und gibt dem Roman so ein ganz eigenes Tempo. Hier grenzt er sich vom Original ab und geht seinen ganz eigenen Weg. Und diese Abgrenzung liest sich ganz hervorragend und passt sehr gut in die heutige Zeit ohne als ein Zugeständnis gedeutet zu werden.
Auch sehr schön: Die Hinweise auf frühere Fälle von Holmes und Watson, die sich wie kleine Verbeugungen vor dem großen Meister Doyle lesen. Sowas erfreut das Fan-Herz einfach!

Fazit: Ein grandioses Comeback für Sherlock Holmes, ganz im Sinne von Sir Arthur Conan Doyle und doch erfrischend anders. Anthony Horowitz hat dem alten Detektiv seinen eigenen Stempel aufgedrückt, ohne das Original zu beschädigen. Mich hat er eindeutig begeistert, sollte er Sherlock Holmes noch einmal in den Mittelpunkt eines Romans stellen, werde ich garantiert einen Blick riskieren.

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Anthony Horowitz – Das Geheimnis des weissen Bandes
Verlag: Insel
350 Seiten, Gebunden, 19,95 €

Eure Maike

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2 Kommentare

  • Antworten Tintenelfe 11. Februar 2015 um 16:34

    „Der Fall Moriarty“ subt bei mir noch unverständlicherweise. Von „Das Geheimnis des weißen Bandes“ war ich total begeistert. Horowitz, den ich sowieso schon wegen seiner „Fünf Tore“-Reihe liebe, hat mich total von seinem Sherlock überzeugen können. Er ist dem Original treu geblieben. Dass es noch einen Sherlock-Band geben könnte, glaube ich eigentlich gar nicht. Der vorliegende Fall fügt sich durch einen cleveren Kniff logisch in die Doylschen Geschichten ein. Ob das noch einmal so gelingen würde?

    Liebe Grüße
    Mona

  • Antworten Kaffeehaussitzer 11. Februar 2015 um 16:35

    Hatte ich schon so oft in der Hand und konnte mich nicht zum Kauf entschließen. Das wird nach dieser Besprechung das nächste Mal anders…

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