Anne Tyler – Die störrische Braut

„Der Widerspenstigen Zähmung“ ist definitiv in den Top 5 meiner liebsten Stücke von Shakespeare – und das nicht nur aufgrund des Originals, sondern auch wegen des darauf basierenden tollen Films „10 Dinge die ich an dir hasse“. Entsprechend neugierig war ich auf die moderne Variante des Stücks durch Anne Tyler. 

Erst einmal ein paar Fakten zum Original:

Typus: Komödie

Erschienen: 1592/1593 (gilt als eines der frühesten Werke)

Inhalt: Das Stück beginnt damit, dass der betrunkene Kesselflicker Schlau aus einer Gastwirtschaft geworfen wird und von einem zufällig vorbeikommenden Lord aufgelesen wird. Er nimmt ihn mit auf sein Schloss, um sich einen Spaß an ihm zu erlauben. Als Schlau erwacht, liegt er parfümiert und gewaschen in einem Bett und man erzählt ihm, er sei von einer 15 Jahre währenden Geisteskrankheit geheilt worden. Statt eines Kesselflickers sei er ein glücklich verheirateter Lord. Als eine fahrende Theatergruppe am Schloss vorbeikommt, spielen sie den Anwesenden ein Stück vor.

Dieses spielt in Padua und ist den meisten als wahre Handlung von „Der Widerspenstigen Zähmung“ bekannt. Der Kaufmann Batista hat zwei Töchter und möchte beide verheiraten – erst die ältere Katharina und dann die jüngere Bianca. Als Bianca den Hals über Kopf in sie verliebten Lucentio heiraten will, weigert sich ihr Vater ihr die Erlaubnis zu geben. Also macht Lucentio sich auf, für Katharina einen Ehemann zu finden – was sich als recht kompliziert erweist, denn Katharina hat kein wirkliches Interesse an der Ehe und liefert sich gerne Wortgefechte mit potenziellen Bewerbern. Erst als Petruchio in deren Leben tritt, setzt ein Wandel ein. Er bietet ihr Paroli und schafft es tatsächlich sie zu heiraten und ihr Temperament zu zähmen. Die vormals Widerspenstige wird nach und nach zu einer zahmen Ehefrau, die dem Ruf ihres Mannes folgt, und so endet das Stück der Schauspieler mit einem Loblied auf den Gehorsam der Ehefrauen.

Im Schloss ist Schlau mittlerweile wieder betrunken und eingeschlafen. Der Lord beschließt, dass er genug Spaß hatte und lässt den Kesselflicker wieder vor die Wirtschaft legen.

Berühmtes Zitat: Küss mich Kate, am Sonntag werden wir verheiratet sein (Kiss me Kate, we will be married o‘ sunday).


stoerrische-brautIn „Die störrische Braut“ hat sich Anne Taylor nun der Modernisierung des Theaterstücks der Schauspielertruppe angenommen – das ist eh der bekannteste (und für viele wichtigste) Teil der Komödie.
Dr. Battista lebt mit seinen Töchtern Kate und Bunny zusammen. Nach dem Tod der Mutter hat Kate nicht nur die Verantwortung für den Haushalt übernommen, sondern auch die Erziehung ihrer jüngeren Schwester. Nebenbei arbeitet sie im örtlichen Kindergarten. Auf der einen Seite wirkt sie sehr selbstständig, doch man merkt schnell, dass ihr Vater die Zügel im Haus in der Hand hält (er schreibt ihr zum Beispiel genau vor, was sie zu kochen hat). Und so wundert es nicht, als er ihr eines Tages vorschlägt, seinen Assistenten Pjotr zu heiraten, damit dieser nicht ausgewiesen wird und die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit abschließen kann. Kate ist von der Idee überhaupt nicht begeistert – im Gegensatz zu Pjotr, der sich aufmacht, ihr Herz zu gewinnen.

Anne Tyler hat es geschafft, den leichten Ton des Stücks einzufangen. Der hat mich vor allem am Anfang etwas verwirrt, machte aber mit der Zeit immer mehr Spaß. Denn Shakespeare ist gar nicht so düster, wie gerne behauptet wird. Und es sterben nicht in jedem Stück alle Protagonisten. Der große Meister konnte auch ganz anders, und genau diesen Aspekt fängt Tyler ein.
Die Figur der Kate bereitete mir hingegen bis zum Ende Probleme. Mehr als einmal habe ich über sie und die Dinge, die sie tut, die Augen verdreht. Trotz ihrer Ende 20 wirkte sie oftmals kindlich und unreif und das Selbstbewusstsein, das sie sich selbst attestiert, wird gefühlt immer kleiner und ist nur die Fassade einer eigentlich tief verunsicherten jungen Frau. Ihre fast 15 Jahre jüngere Schwester Bunny ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Doch in Kombination mit dem schrulligen Pjotr und seinen Sprachproblemen ist Kate einfach nur komisch. Und nach und nach setzt bei ihr eine Entwicklung ein, die es zu Shakespeares Zeiten nicht gegeben hätte: Sie löst sich von ihrer Familie und wird (auch dank Pjotr) so eigenständig und selbstbewusst, wie sie sich gerne präsentiert.

 

Fazit


Anne Tyler macht ihrem Ruf als Meisterin der guten Unterhaltung alle Ehre und verneigt sich gleichzeitig vor dem großen Meister: Chapeau. Ihre Fassung des bekannten Shakespeare-Stücks gleicht zwar nur im Ansatz dem Original, hätte dem Engländer mit seinen spritzigen Dialogen und den vielen komischen Situationen aber sicher bestens gefallen.

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Eure Maike


Anne Tyler – Die störrische Braut
Verlag: Knaus
224 Seiten, gebunden, 19,99 €

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4 Kommentare

  • Antworten Mageia 11. Dezember 2016 um 19:03

    Einen Shakespeare zum Vorbild zu nehmen, ist sicher ein guter Ansatz. Wenn dann auch noch die Sprache stimmt! Mal sehen, erst lesen.

  • Antworten [Rezension] Anne Tyler: Die störrische Braut – Kill Monotony 29. März 2017 um 19:59

    […] Paper & Poetry • Herzpotential […]

  • Antworten Anne Tyler. Die störrische Braut (2016) | LiteraturLese 19. Mai 2017 um 17:09

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  • Antworten {Rezension} Die störrische Braut von Anne Tyler | Bella's Wonderworld 17. Juni 2017 um 16:29

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