Anna Gavalda – Ab morgen wird alles anders

Erzählungen lese ich überraschend selten. Dabei ist dieses literarische Genre eigentlich perfekt für mich: überschaubare Länge der einzelnen Geschichten, alle in sich abgeschlossen und bei jeder neuen Überschrift beginnt etwas komplett Neues.

Anna Gavalda stand auf meiner letzten Wunschliste. Mich faszinierte der Optimismus, den der Titel der Sammlung verströmt. Auch wenn er etwas Negatives meinen könnte, bin ich automatisch von Verbesserungen für die Protagonisten ausgegangen. Insgesamt enthält das Buch fünf Geschichten, die sich grundsätzlich voneinander unterscheiden. Alle Figuren stehen an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben und kämpfen mit unterschiedlichen Problemen. Aber am Ende – und so viel kann ich euch schon verraten –  wird für die Protagonisten alles anders. :-)

Das Thema, das alle Geschichten miteinander verbindet, ist Hoffnung. Sei es nun auf Liebe, auf Glück oder ein einfaches Wunder, in allen Geschichten nimmt das Hoffen der Protagonisten sehr viel Raum ein. Teilweise warten sie, teilweise arbeiten sie an einer Veränderung ihres Lebens. Ihre Unzufriedenheiten sind für sie nicht immer offensichtlich, beim Lesen habe ich sie aber erkannt. Dadurch wirken Gavaldas Figuren manchmal sehr verwirrt, ihre Handlungen sind dann nur schwer zu durchschauen oder zu verstehen. Dennoch gehen sie immer weiter, um zu schauen, ob hinter der nächsten Ecke ihres Lebens nicht doch noch etwas anderes auf sie wartet. Es ist schon ziemlich faszinierend, diese Menge an geballtem Optimismus zu sehen.

Die Verwirrung zog sich für mich durch die Geschichten. Es war beim Lesen, als müsse ich das Rätsel des Lebens der Figuren lösen. Bei einigen Geschichten ist mir das besser gelungen als bei anderen, an denen ich beim Lesen fast scheiterte. Gerade wenn ich einige Passagen des Buches wieder und wieder lesen musste oder den roten Faden verlor, war ich mehr als versucht, das Buch einfach wegzulegen. Doch das Buch und ich haben immer wieder die Kurve gekriegt. Bestes Beispiel: In ihrer Geschichte Yann, die ich von den ersten Seiten an furchtbar verwirrend fand, gibt der Ich-Erzähler irgendwann eine Unterhaltung wieder. Dafür zählt er einfach auf, über welche Themen sie gesprochen haben und wie sie von einem Thema zum nächsten gesprungen sind. Im Buch ist diese Aufzählung zwei Seiten lang und noch mit kleinen Anmerkungen gespickt. Ihr glaubt gar nicht, was für einen Spaß das Lesen gemacht hat, gerade weil das Ganze so konfus und doch lebensnah wirkte. Unterhaltungen verlaufen nicht linear und die Themen, die man findet, sind nicht immer sinnhaft.

Fazit

Anna Gavaldas Stil ist philosophisch. Das ist vielleicht nichts für alle Leser, dennoch passt es perfekt zum Thema des Buches. Ihre fünf Erzählungen unterscheiden sich grundsätzlich in Setting und Sprache, die Hoffnung und die Herangehensweise der Autorin sind die verbindenden Elemente. Auch wenn ich persönlich auf zwei der Geschichten hätte verzichten können, drei haben mich zutiefst beeindruckt.

Eure Maike


Anna Gavalda – Ab morgen wird alles anders
Verlag: Hanser
304 Seiten, Hardcover, 20 €

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1 Kommentar

  • Antworten Katharina 8. Mai 2017 um 12:38

    Liebe Maike, das Buch hatte ich in der Buchhandlung in Hand, konnte mich jedoch nicht zum Kauf entscheiden. Nach deiner Besprechung denke ich nun aber: Hätte ich es nur gekauft! Ich mag erzähltechnische Experimente! Und der erste Absatz deiner Besprechung: Ja! Warum lesen wir nicht mehr Stories? Danke für die Rezension!
    Katharina ktinka.com

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