Amélie Nothomb – Die Kunst, Champagner zu trinken

Champagner ist ja angeblich das Lieblingsgetränk der Franzosen. Amélie Nothomb hat ihm mit ihrem neuen Buch „Die Kunst, Champagner zu trinken“ ein Denkmal gesetzt. Auch wenn das Buch im Original ganz anders heißt, so spielt der Schaumwein doch eine gewichtige Rolle im Buch.

Zwei Schriftstellerinnen, eine Leidenschaft: Amélie und Pétronille suchen den Rausch – in der Literatur und im Champagner. In Paris besuchen sie eine Degustation im Ritz, sie feiern in London und in den Alpen. Doch es gibt Dämonen, die sich auch im besten Schaumwein nicht ertränken lassen. Ein spritziger Roman über die Trunkenheit – und eine Ode an die Freundschaft.

Das Getränk ist quasi einer der Hauptdarsteller, denn neben der Erzählerin Amélie und ihrer Freundin Pétronille kommt es als einziges immer und immer wieder vor. Die beiden Freundinnen trinken es bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Ob nun im Ritz oder beim Ski fahren – sie feiern die Feste, wie sie fallen. Besonders die jüngere Pétronille wird dabei immer wagemutiger und auch aufmüpfiger.
Amelie NothombKennen gelernt haben sich die beiden auf bzw. nach einer Lesung von Amélie. Diese hatte damals gerade festgestellt, dass ihr alleine trinken keinen Spaß macht und war auf der Suche nach einer ihr ebenbürtigen „Saufkumpanin“. Und in Pétronille sah sie eine vielversprechende Anwärterin auf den Posten. Sie ist fasziniert von dieser jungen Frau, die alle ihre Bücher kennt und aussieht wie ein fünfzehnjähriger Junge. Dennoch verlieren sich die zwei nach einem ersten Abend aus den Augen. Erst nach dem Erscheinen von Pétronilles erstem eigenen Roman treffen sie sich wieder und werden Freundinnen. Von da an machen die beiden Frauen gemeinsam Paris unsicher und geraten dabei auch immer wieder in schwierige Situationen. Denn vor allen Dingen Pétronille ist kein einfacher Charakter und schon gar nicht nachgiebig.

Ich habe schon lange kein derart faszinierendes Buch gelesen. Ich konnte einfach nicht aufhören, ich musste einfach wissen, wo die Freundschaft der beiden am Ende hinführt. Folge: Ich hab das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Vollkommen erkältet, aber Lesen ist eine gute Medizin und da fühlt man sich nicht schuldig, wenn man den ganzen Tag liest.
Amélie Nothomb trieb sich mit diversen Büchern schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste herum. Und irgendwann muss man ja mal anfangen. Warum also nicht mit einem Buch, dessen Titel nach Party und Exzess klingt? Nun, das erste habe ich auf jeden Fall geliefert bekommen. Das Buch ist eine wilde Achterbahnfahrt, voller Leben und Esprit. Aber wie das so ist, irgendwann geht es abwärts. Oder, um im Jargon des Buches zu bleiben, auf eine Champagner-Party folgt meist ein Kater. Und auch diesen leben die beiden Frauen aufs Herrlichste aus: auf ihre Hochstimmung folgen Depressionen. Besonders Pétronille mit ihrem unvorhersagbaren Stimmungsschwankungen war faszinierend zu beobachten, ohne dass sie mir sonderlich sympathisch war. Sie ist ein ständiges Hin und Her und keine Person, die man dauerhaft um sich ertragen kann. Und dennoch können die beiden nicht ohne einander – und sei es nur, dass sie sich auf ein Gläschen Schampus treffen.
Doch vor allen Dingen faszinierte mich, wie die Autorin Realität und Fiktion zu vermischen scheint. Denn sie erzählt quasi ihre eigene Geschichte, mitsamt dem Erscheinen ihrer Bücher und allem Drum und Dran. Doch je weiter die Erzählung voran schreitet, um so absurder und morbider wird es. Am autobiografischen Charakter habe ich meine Zweifel, das reale Geschehen ist eher das Gerüst für die fiktive Geschichte. Zum Ende hin ist alles verschwommen, auf faszinierende und verwirrende Art und Weise bringt sie den Roman zu Ende. Mich hat sie damit etwas ratlos zurück gelassen. Ich glaube, ich werde einfach noch ein Buch von ihr lesen müssen!

Fazit


Ein Buch wie eine Party, mit viel Champagner und Gelächter, aber auch mit einem bösen Erwachen am nächsten Morgen. Amélie Nothomb schreibt über eine seltsame Freundschaft zweier Autorinnen, die durch den Champagner zueinander gefunden haben – lesenswert, aber auch sehr verwirrend.

kleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz gefülltkleines Herz leer

Eure Maike


Amélie Nothomb – Die Kunst, Champagner zu trinken
Verlag: Diogenes
144 Seiten, Hardcover, 20,00 €

 

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3 Kommentare

  • Antworten Kati @Zeit zu Lesen 9. März 2016 um 12:21

    Hallo Maike,

    das hört sich sehr gut an – ich muss das Buch gleich mal auf meine Leseliste packen, zumal mich der Titel sehr anspricht ;-) Eigentlich wäre es vom Titel her was für meinen Liebsten – doch dafür scheint es am Ende dann zu frauenlastig zu sein … daher werde ich es mir einfach selbst kaufen, das ist eh immer am Besten!

    Dann mal Prost!
    Liebe Grüße
    Kati

  • Antworten Trockenübung - Bookish SmallTalk [#1 März] • Zeit zu Lesen 15. März 2016 um 21:13

    […] Sarah von Büchermops … “Vom Ende der Einsamkeit” von Franziska von Aefkaeys World … „Die Kunst Champagner zu Trinken“ von Maike von […]

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