Akos Doma – Der Weg der Wünsche

Ein zarter Hauch von exotischem Grün, im Hintergrund drei Papierboote: Das ist ein Cover, das eine ganz eigene Geschichte von Frieden und Harmonie erzählt. Doch die Geschichte von Akos Doma „Der Weg der Wünsche“ handelt von Flucht, Missverständnissen, Verrat und Misshandlungen – unter der ruhigen Oberfläche einer bürgerlichen Familie.
Die Geschichte der Akademikerfamilie von der schönen Teréz und dem schüchternen Károly beginnt im Garten einer großen Villa. Es ist der Geburtstag eines ihrer beiden Kinder. Fröhlich spielende Kinder, ein Hund, der als Überraschungsgeschenk überreicht wird und ein plötzlicher Regenguss bilden den Rahmen für diese charmante wie harmonische Anfangsszene. Doch schon nach einigen Seiten zeigen sich Misstöne. Man beginnt leiser zu reden, wenn man sich dem Haus nähert, in dem man nur ein einzelnes karges Zimmer bewohnt. Die ehemals schöne Villa wurde zwangsenteignet und dient als Massenwohnhaus während des Kalten Krieges. Und natürlich könnte jeder Nachbar ein Spitzel sein. Dieses Gefühl der ständigen Bespitzelung verstärkt sich, nachdem Károly nach einiger Zeit in Westdeutschland, wo er als Gastprofessor die Freiheit des Westens zu schätzen gelernt hat, in seine Heimat Ungarn zurückkehrt.

Schnell steht fest, dass sie nicht weiter im kommunistischen Ungarn leben wollen. Der Plan zur Flucht gen Westen erscheint zugleich etwas halbherzig und zugleich spontan. Die Familie flieht über die italienische Grenze und landet zunächst in einem Auffanglager für Westflüchtlinge. Sehr viele kommen wie sie aus Ungarn. Sie alle warten auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge. Die Zustände in den äußeren Baracken des Lagers sind kaum besser als in einem Pferch, doch Teréz versucht ihren Kindern gegenüber die Fassung zu wahren.
Insgesamt ist sie diejenige, die stets würdevoll und voller Ruhe reagiert. Sie weiß um die Wichtigkeit von gutem Benehmen, wenn sie die Lagerverwaltung auf ihrer Seite wissen will.
Doch das hilflose Warten auf ihre Papiere zehrt an den Nerven aller und so ist verständlich, dass fast alle Familienmitglieder auf Abwege geraten. Der Sohn beginnt auf wehrlose Tiere zu schießen, während die pubertierende Tochter sich auf den weitaus älteren Schwerenöter des Lagers einlässt. Die stolze und schöne Teréz muss unterdessen abwägen, ob sie bereit ist für ihre aller Freiheit ihre Würde zu opfern.

Ein Roman, der vermutlich kaum aktueller sein könnte – obwohl seine Handlung doch einige Jahrzehnte in der Vergangenheit spielt. Doch die Flüchtlingsproblematik, die Zustände in den Auffanglagern und die Vorurteile, denen sich die Menschen stellen müssen, könnten direkt aus dem Jahr 2017 stammen.
Besonders eindringlich fand ich die Beschreibungen des Lagers und der dort lebenden Menschen. Dem täglichen Auf und Ab zwischen Mutlosigkeit und plötzlicher Freude, weil die langersehnten Papiere eingetroffen sind. Doch auch Korruption, Prostitution, Hunger und Zweifel an der Flucht sind zentrale Themen, die sich durch die Erlebnisse der vier Familienmitglieder ziehen.

Fazit

Insgesamt schafft es Akos Doma nicht mit diesem Roman zu überzeugen. Die Geschichte plätschert an vielen Stellen dahin und bleibt an manchen Stellen an der Oberfläche, an denen man dringend Einblick in die Motivation der Figuren benötigt hätte. So bleiben viele Entscheidungen und Reaktionen etwas unklar und blass. So indifferent wie die Beweggründe für die Flucht bleiben, fällt es schwer, die Sorgen und Nöte der Figuren wirklich ernst zu nehmen. Vielmehr erscheint einem die Reise ins Ungewisse wie eine völlig absurde Aktion ohne konkretes Ziel.
Ein Buch, das mich leider etwas unbefriedigt zurückgelassen hat.

Eure Mareike


Akos Doma – Der Weg der Wünsche
Verlag: Rowohlt
Gebunden, 336 Seiten, 19,95€

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9 Kommentare

  • Antworten Nanni 18. Februar 2017 um 08:06

    Liebe Mareike,

    schade, dass dich das Buch nicht gänzlich überzeugen konnte, denn eigentlich klingt es ziemlich interessant. Deine Worte zum Inhalt machen mich auf jeden Fall so neugierig, dass ich es im Auge behalten werde.

    Liebe Grüße
    Nanni

    • Antworten Mareike 26. Februar 2017 um 10:40

      Liebe Nanni,
      ja, sehr bedauerlich, wenn die Grundidee weitaus vielversprechender ist, als die Umsetzung.
      Vielleicht gefällt es dir ja besser.
      LG
      Mareike

  • Antworten Die Vorleser 18. Februar 2017 um 16:43

    Liebe Mareike,
    wie Nanni finde ich die Thematik auch interessant, werde das Buch aber jetzt nicht mehr lesen. Dafür gefällt mir das Coverfoto sehr gut.
    Liebe Grüße von den Vorlesern

  • Antworten jancak 19. Februar 2017 um 17:53

    Hier mein Eindruck, eines interessanten Buches, das ich in der Füller neunzehn anderer Bupreisbücher und dann noch zu all den anderen Herbstneuerscheinungen, wahrscheinlich auch ein bißchen unaufmerksam gelesen habe, ist es aber nicht interessant, zu erfahren, was ein aus Ungarn emigrierter junger Mann erlebte?
    https://literaturgefluester.wordpress.com/2016/09/06/der-weg-der-wuensche/
    Ich freue mich jedenfalls, auf „Die allgemeine Tauglichkeit“, das ich zufällig mal in einem der offenen Bücherschränke fand und schickte liebe Grüße aus Wien, beziehungsweise Harland bei St. Pölten, wo ich das Wochenende verbringe!

    • Antworten Mareike 26. Februar 2017 um 10:38

      Seine persönlichen Erfahrungen wären sicherlich interessanter gewesen. Da sind aber besonders die Erfahrungen der Mutter und Tochter (sexuelle Bedrängung und schlimmer), die ich absolut unrealistisch und klischeehaft fand.

  • Antworten Thomas 22. Februar 2017 um 21:39

    Der Titel ist mir schon öfter aufgefallen und hört sich von der Inhaltsbeschreibung eigentlich sehr interessant an. Danke für die Vorstellung hier. Werde mich mal durch ein paar andere Rezensionen lesen und dann entscheiden, ob es etwas für mich ist.
    Beste Grüße
    Thomas

  • Antworten Sonja Béland 23. Februar 2017 um 17:45

    Hallo,
    Schade das es dir nicht so recht gefallen hat. Hoffentlich ist dein nächstes Buch wieder besser. Für mich ist es eher nichts, allzu viel Realität mag ich nicht in meinen Büchern :)
    LG Sonja

  • Antworten Monerl 27. Februar 2017 um 19:32

    Liebe Mareike,

    schade, dass dich das Buch nicht ganz überzeugen konnte! Insgesamt hört sich das Buch genauch nach meinem Beuteschema an. Ich hätte gesagt, das landet auf meiner WuLi. Ich muss mir das Buch näher anschauen und auch noch ein paar weitere Meinungen lesen. Zumindest danke für die Vorstellung!

    GlG vom monerl

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