Abschied von den Bilderbüchern

Auch die schönste Zeit neigt sich einmal dem Ende zu. In unserem Fall ist es die Zeit der Bilderbücher. Ja, es ist hart, aber das Goldkind greift immer häufiger zu Büchern mit viel Text und wenig Bild. Sie stöbert in meinen Regalen nach all den Klassikern wie „Peter Pan“, „Winnie Puh“, „Die Kinder von Bullerbü“ oder „Die kleine Hexe“. Alles Bücher, die ich sehr liebe und ihr nur allzu gern vorlese. Doch ist es auch ein Zeichen des Abschieds. Das kleine Mädchen, das begeistert mit mir die „Kuh Lieselotte“ oder „Lenny und Knuddelfant“ auswendig mitsprechen konnte, wird nun groß. Die Schule und das Selbstlesen gar nicht mehr so weit entfernt, wie es noch vor einem Jahr erschien.


Eine neue Lesephase beginnt und ich entdecke bei ihr einen ganz neuen Eifer beim Vorlesen, eine Neugierde auf das nächste Kapitel, auf noch ein Abenteuer, wie ich ihn vorher noch nicht an ihr kannte. Es ist wundervoll zu sehen, wie sie immer stärker in ihre eigene Bücherwelt hineinwächst. Wie sie Dinge im Alltag mit ihren Lieblingshelden vergleicht: „Pippi hatte auch einmal so einen…“ „Bei der kleinen Hexe gibt es das auch, da hatten die Kinder …“ „Ja, das sind Zwillinge, wie in „Das doppelte Lottchen“.

Bei Bilderbüchern hat man das Glück, dass sie nur eine sehr begrenzte Anzahl an Seiten haben. Nach 32, maximal 48 Seiten ist in der Regel Schluss. Und an sehr langen Tagen, greift man eben nur zum Bilderbuch mit maximal ein-zwei Reimsätzen pro Seite. Herrlich. Man spricht den gewohnten Rhythmus, genießt die in sich geschlossenen kleinen Welten. Danach klappt man das Buch zu und wünscht eine gute Nacht.

Jetzt beginnen die Verhandlungen: Bitte, bitte noch ein Kapitel. Es ist so spannend! Lies doch bitte weiter! Darf ich mir wenigstens noch die Bilder anschauen? Bitteeeeeee.

Da entsteht gerade ein neuer Leser

Und nicht nur ihr Verhältnis zu Geschichten verändert sich, auch ihre Beziehung zu Büchern an sich. „An welcher Stelle liest du gerade? Zeig mal mit dem Finger hin!“, werde ich immer häufiger aufgefordert. Kapitelüberschriften oder Wörter, die im Text größer oder unterstrichen sind, werden versucht zu entziffern. Vorlesen ist jetzt mehr als nur Mamas oder Papas Stimme lauschen. Sie hinterfragt kritisch, blättert mitten im Lesen zurück zum Anfang, um eine Figur nochmal genau anzuschauen oder uns etwas zu erklären.
Ich hätte nie gedacht, dass das eine so spannende und auch für mich bereichernde Phase sein würde. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Bilderbuch-Phase die engste, intensivste Phase in der Lesebiographie von Kindern und Eltern ist. Doch jetzt merke ich: Auch wenn ich sehr wehmütig all unsere Bilderbücher im Regal anschaue und mir ab und an eine kurze Geschichte mit wenig Text und simpler Geschichte wünsche (Harter Arbeitstag, selbst müde und mit dringendem Wunsch auf’s Sofa zu kommen.): Diese neue Phase ist vielleicht sogar besser, denn sie ist mehr ein Miteinanderlesen als ein Vorlesen. Und das sind völlig neue Momente, wenn das Goldkind nach einem Kapitel im Kopf weiterspinnt, was als nächstes passieren könnte. Wie sie reagieren würde. Kapitän Hook würde sie nie austricksen. Sie würde mit Mogli im Wald leben und ein viertes Haus in Bullerbü bauen. – Und du, Mama?

Ich schaue dir dabei zu, wie du neue Welten entdeckst und sie für dich veränderst, in deine Spiele mit aufnimmst und deine Freunde mit deiner Leidenschaft für wilde Abenteuer ansteckst.

Warum erzähle ich euch das hier aber? Nun, für euch bedeutet es, dass hier bald neben Bilderbüchern auch erste Kinderbücher vorgestellt werden. Und wer weiß, wie lange es noch dauert, bis hier das Goldkind sitzt und mir ihre Meinung dazu diktiert?

 

Habt ihr Tipps für gute Vorlesebücher? Dann immer her damit! 

Eure Mareike

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5 Kommentare

  • Antworten Tobi 28. Juni 2017 um 08:50

    Liebe Mareike,

    ein sehr schöner Beitrag, mit vielen Beobachtungen, die ich selbst gut kenne, auch wenn wir die Bilderbuchphase noch nicht abgeschlossen haben. Ich finde es immer bemerkenswert, wie sich das gemeinsame Leseerlebnis laufend ändert, sich Vorlieben ändern, manche immer gleich bleiben und wie die Wahrnehmung und der Fokus sich verlagert, manchmal erweitert oder auch auf einzelne Dinge konzentriert. Das Zurückblättern und das Wiedererkennen kenne ich auch schon gut.

    Was die Länge von Bilderbücher angeht, bin ich immer hin und hergerissen. Beim 100. Mal vorlesen, da wird es manchmal schon zäh. Aber manche sind so schön gemacht, dass sie auch viel länger sein könnten. Das ist halt auch immer tagesformabhängig, wie fertig man von der Arbeit ist. Ich finde ja die Pixibücher immer heftig, wo man sich denkt, achja ein kleines Pixibuch geht schon noch und dann wird aus der Pixibuchkiste natürlich ein Conny Buch gezogen das einfach voll ist, mit Text und wo man gefühlt eine Stunde vorliest.

    Einige Kinderbücher habe ich schon und auch eine Wunschliste mit Kinderbüchern die unbedingt ins Haus müssen (darunter auch die ganz bekannten, wie Hotzenplotz usw.). Die alten, z.T. stockfleckigen Ausgaben aus dem Keller werde ich nicht mehr aktivieren, da ist dann kommt dann meine bibliophile Ader doch zum Vorschein. Aber ein bisschen dauert es noch und wir haben erst unsere Kinderbuchregale ausgebaut, weil alles überall schon heraus quillt.

    Übrigens kann ich dir nur sagen, dass es eine ganz einfache Möglichkeit gibt, die Bilderbuchphase noch einmal zu erleben ;)

    Liebe Grüße
    Tobi

  • Antworten Mamamulle 30. Juni 2017 um 21:25

    Oh, jetzt frage ich mich, wie alt ist die Kleine? =)

  • Antworten [Die Sonntagsleserin] Juni 2017 | Phantásienreisen 2. Juli 2017 um 08:34

    […] Mareike lässt uns auf Herzpotenzial daran teilhaben, wie es sich anfühlt, wenn das eigene Kind aus den Bilderbüchern „herauswächst“. […]

  • Antworten Alizeti 2. Juli 2017 um 13:15

    Ich mag diesen Beitrag sehr. Denn so erging es mir auch als ich älter wurde. Ich fing an mit Leselöwen-Bücher,die ich selber lesen wollte. Und meine Mutter hat mir „Die kleine Hexe“, „Das kleine Gespengst“, „Der kleine Wassermann“ oft vorgelesen. Und die habe ich nun selber im Bücherregal,genau so wie „Pippi Langstrumpf“ und „Die Kinder von Bullerbü“ :-)
    Liebe Grüsse Alizeti

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